FIFA 18: Kunst, aber in geil

Wenn Gott die S-Bahn entgleisen ließe, dann höchstwahrscheinlich wegen den Fußball-Fans. Niemand mag Fußball-Fans, und ich auch nicht, wenn ich in der U-Bahn oder S-Bahn einen Menschen mit HSV-Schal sehe, der ein Lied übers Ficken und Saufen grölt, obwohl jeder insgeheim weiß, dass sein Ehering am Finger aus dem Kaugummi-Automaten stammt.

Ich spiele jetzt übrigens FIFA 18 auf der Switch, und klar, ich bin somit nicht besser als ein Fußball-Fan in der Bahn, aber ich kann es erklären: Eigentlich mag ich Fußball ja, nur nicht die Kultur drumherum, ich glaube sogar, Prügel sollte erlaubt bei … nun, aber gut, FIFA 18 also, das ich auf der Switch spiele, ausgerechnet auf der Switch, wie so ein Heini mit HSV-Tattoo auf der Glatze, der nur auf eines stolzer ist als auf seinen Verein: die drei Deutschlandfahnen im Whatsapp-Status.

Der Hass machte mich blind. Fast! Denn FIFA 18 lehrte mich: Poesie hat die Form eines Balls. Oder es war die Wiederholungsfunktion, mit der ich in Zeitlupe beobachten kann, wie Pixelfiguren auf die Fresse fallen. Kurz in Photoshop auf Tasten gedrückt, und zack, ich habe Kunst geschaffen oder eher: „Kunst“. Kunst, die grölt, aber liebevoll, mit Gänsehaut danach, so von wegen: Tiefsinnig, Diggi, jetzt hab ich echt Lust auf Wikipedia-Einträge zu Kunst oder eher: „Kunst“.

Überzeugt euch selbst.


 

Hölle

Er ist in der Hölle. Fast. Bald. Im roten Schlund aller Bösen und Niederträchtigen und SUV-Fahrer – da grinst er. Wie so ein Eumel grinst er. Das hat er nun davon: Wer Fußball spielt, kommt in die Hölle. Hölle, Hölle, Hölle. Ein letzter Blick durch seine Beine, seine magischen Beine. Jetzt sind sie nicht mehr magisch. Sondern höllisch. Wäre er mal lieber im Tischtennisverein geblieben.


 

Himmel

Gen Himmel, wo es leuchtet, gen Himmel, wo es schimmert, gen Himmel, wo der Fuß noch ballt, gen Himmel, wo man ein paar Millionen Euro für Weltmeisterschaften verprasst. Er strebt danach. Er zeigt darauf mit dem Bein, auf das Blaue, das in Wahrheit gülden ist. Dort oben, da herrscht Frieden, und es wacht Glückseligkeit über jene, die im DFB-Vorstand sitzen. Himmel, das ist der Himmel. Er ist schön.


 

(männliche) Krise

Eine Momentaufnahme. Im Haar versunken, die Hand. In Geilheit vibrierend, der Körper. In Flüssigkeit versunken, der Penis. Eine Momentaufnahme. Ekstase, aus dem Mund in die Welt, die weite Welt. Die Knastwelt. Fuck. Eine Momentaufnahme – danach Anzeige. Belästigung. Ein Idiot, dieser Idiot, erst wollte er zahlen für das Schweigen, weil er berühmt ist, aber mal ehrlich, halt die Backen und stell dich der Strafe, du Sittich.


 

Queen und King

Ein Gott in Form von Menschenfleisch. King und Queen, Queen und King, alles zugleich. Der Mensch liegt, und bei Gott, also bei ihm da auf dem Bild, das ist Schönheit, die der Welt mehr Farbe schenkt als der Konfettiregen beim Finale der Weltmeisterschaft.


 

Versteck

Es ist sein Versteck seit seiner Kindheit, und wenn er hinaus geht, mag ihn keiner. Nicht mal er selbst mag sich, das heißt schon was, weil er täglich fünfzehn Minuten vor dem Spiegel seinen Namen rückwärts aufsagt; diesen Tipp sah er auf Youtube, die einzige Website, die er kennt, neben BILD.de. Zwischen den Füßen, auf dem Platz, das ist sein Versteck. Außerhalb, wagt er sich denn einst mal raus, sagt er Dinge wie: „Nein, Rassismus gibt es nicht“, und zack, niemand mag ihn mehr. Versteck, Versteck, er sollte bleiben, wo der Pfeffer wächst.


 

Die Hand

Er wollte es nicht, sorry! Es war ein Versehen
Insgeheim aber – jetzt kann er verstehen
Er weiß es nun, die Hand am Po
sein Traummann wartet, in Mexiko


 

Kopf im Ball

Eine zynische Kritik am Kapitalismus im Sport: Nur noch Fußball im Kopf – oder ist der Fußball gar mehr Kopf, als der Fußball Fußball ist? Das muss jeder Mensch selbst entscheiden. Ich als Künstler empfehle mich weiter, schneller Versand, top Ebayer, gerne wieder.


 

Uff

So viel Gedränge wie auf diesem Bild herrscht derzeit nur in den Büroräumen von Cristano Ronaldos Anwälten.


 

Selbstporträt

Das ist ein Porträt. Vom Leser. Von dir. Wie du guckst, wie du stierst, wie du diesen Text hier nicht kapierst. Brutal poetisch.


 

Hören

Er hält das Ohr an seinen Kopf
in der Hoffnung was zu hören
die Chance packt er beim Schopf
und sagt: Nicht so schnell, Sören

denn je mehr er rase
wie ein Hase
gen Boden doll
ertönt nicht viel
außer

die gebrochene Nase


 

Mega

Ich liebe Photoshop.


 

Unmega

Ohne Photoshop erkennt man erst, wie doof der guckt. Hihi.


 

oh nein!

Nicht getroffen, nicht geliebt. Er spielt beschissen. Und merkt plötzlich: Wenn er so weiter macht, wird er bald Trainer vom HSV. Verdammt!


 

Fliegen

Er flog empor wie ein Adler
seine Kollegen tranken Radler

das wars für ihn, nie wieder
wer sowas trinkt, den streckt er nieder


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2 Kommentare

  1. Missingno. - 07.11.2018 13:18

    Da bekommt „Kunstrasen“ eine ganz neue Bedeutung.

  2. Doreen - 07.11.2018 21:03

    Missingno. – 07.11.2018 13:18
    Da bekommt „Kunstrasen“ eine ganz neue Bedeutung.

    Haha!

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