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Der Moment des Monats 10-02

Haben Sie auch genug vom ständigen Gemecker quer durch alle Medien? Wenn ihr Arbeitskollege über Überstunden tweeted, Oma neue Bilder vom offenen Bein bei Facebook hochlädt und selbst Ihr Lieblingsblog Sie irgendwie total negative Schwingungen spüren lässt, ey, dann braucht man Aufbauung. Mal ne schöne Nachricht. Streicheleinheiten für die Seele. Muddis Pudding. Oder halt den Moment des Monats, in dem wir und Ihr das Gute an Spielen teilt. Des Februars Fun-Funken, der den Spielspaß-Span zum Glücksglimmen bringt, so dass wir uns alle gemeinsam am prasselnden Dauer-Feuer wärmen können. Und bitte.

[Disclaimer: Wer Angst vor Spoilern hat, sollte diesen Beitrag unbedingt meiden, da hier logischerweise das eine oder andere verraten wird!]

altEnk: Die Erkenntnis, die mir bei The Beatles Rock Band gekommen ist, dass Klaus & Klaus gar nicht die dummen Blödelbarden sind, für die ich sie immer gehalten habe. Sondern dass das vordergründig einfältige Lied „Hier kommt der Eiermann“ in Wirklichkeit eine clevere Hommage an den psychedelischen Beatles Klassiker I am the Walrus ist, in dem schon John Lennon bekannte: „I am the Eggman“. Und damit auf Animals Sänger Eric Burdon anspielte, der die Eigenart hatte, rohe Eier auf nackten Frauen aufzuschlagen. Die Sau. Also Eric Burdon, nicht Klaus & Klaus.

Diese bahnbrechende Erkenntnis hat ein wenig über die zwei Monate (!) Lieferzeit bei The Hut für TBRB hinweggetröstet. Und über die Tatsache, dass in einem Beatles-Best-Of-Spiel tatsächlich Yesterday, Let it Be und Penny Lane fehlen, und selbst als DLC nicht verfügbar sind.

altSpielerDrei: altMass Effect 2. Mein vorbildlicher Überparagon Shepard trifft in einem Quarantänegebiet zwei Plünderer. Was sie denn hier tun, frage ich. Plündern, sagen sie. Das wäre doch voll uncool, bemerkt unser Held. Bringe aber Geld, erwidern die Tunichtgute. Ich gebe dank meiner Supergutparagongesprächsmöglichkeiten zu bedenken, das etwaiges Loot mit dem Leben der werten Herren Plünderer kaum aufzuwiegen wäre, so die Anverwandten des Geplünderten davon erführten. Diesen Einwand akzeptierend, lassen sie ihr schmähliches Tun sein. Ich kriege Vorbildspunkte.

All dies nur fünf Minuten, nachdem ich im Apartment eines Schutz suchenden Pärchens vor deren Augen ihren Wandsafe um 3000 Credits geleert habe, und nur zwei ingame-Jahre, nachdem ich meine Zeit zwischen dem langwierigem Gebrabbel primär damit verbrachte, diverse Alienrassen über den Haufen zu schießen, um an ihr Loot zu kommen (damals, in Teil 1, als es noch Loot gab).

Aber auch der gewollte Humor gefällt. Momentane Favoriten: Der Getränkeautomat und der Spieleverkäufer.

altSpielerZwei: Am Ende von Darksiders, nachdem der Zerstörer zum Zerstörten wurde, labert mich (also Krieg) diese Engelskriegerbraut voll (sinngemäß, kein Zitat): „Wie soll es nun weitergehen? Alle werden jetzt erst recht hinter Dir her sein; der Himmel, die Hölle und natürlich der Rat. Willst Du diesen Krieg wirklich alleine führen?“ – Ich/Krieg: „Allein? Nein, nicht allein…“ sprachs und zerbrach das 7. Siegel, welches er in der Hand hielt. In der nächsten Einstellung sieht man drei weitere Feuerbälle vom Himmel herab stürzen…

Cool as the Duke himself!! Mörder Ende! Ich hoffe tatsächlich auf ein Sequel, das genau da weiter macht.

altManu: altIch sitze im verdunkelten Zimmer vor dem bläulichen Licht des Fernsehers. Alles schläft, die Stadt ist ruhig. Die perfekte Stimmung, um sich ein wenig gemütlich zu gruseln. Also lege ich Silent Hill: Shattered Memories in die Wii. So so, ein erwachsenes Spiel soll das sein, denke ich mir noch beiläufig und erwarte viel Blut, eklige Monster und dunkle, spinnenverwebte Räume in verlassenen, baufälligen Gebäuden. Doch stattdessen sitze ich mit meinem Alter Ego beim Psychiater und bekomme einen Fragebogen vorgesetzt! Was zur… Ich beantworte Fragen, ob ich mir leicht Freunde machen würde, ob ich mir zum Abschalten einen Drink gönne und ob ich beim Sex… ich lese die Stelle erneut, doch ich habe mich nicht verlesen, da steht tatsächlich, ob ich beim Sex auf Rollenspiele stehe… Ist das jetzt noch Spiel oder war die mit „Psychologische Warnung“ betitelte Texttafel, die ich beim Starten des Spieles gekonnt weggeklickt habe wie sonst die FBI Warnungen auf DVDs etwa ernst gemeint? Ich weiß nicht, ob ich weiterspielen möchte, das ist mir irgendwie unheimlich und ich merke, dass ich schon mitten drin stecke.

altHolger: WipeOut HD auf 42″ + Strecke ohne Gegner + Phantom Klasse + Cockpit-Sicht (ganz wichtig) + G.A.M.E. 3.0 Soundtrack über Anlage = Zen.

altDaniel: altIch bin der Schatten, der die Nacht durchflattert. Lautlos husche ich als Riddick durch einen Lagerraum auf dem Söldner-Raumschiff Dark Athena. Um mich herum patrouillieren Drohnen. Sie sind ehemalige Gefangene, die durch Experimente zu willenlosen Kampfmaschinen umfunktioniert wurden. Unbeholfen stampfen sie umher und suchen mit rotglühenden Augen nach dem Eindringling. Nach mir. Mit zwei Klingenwaffen, den Ulaks, bewaffnet, spähe ich um den nächsten Frachtcontainer und sehe eine der Drohnen mir den Rücken zuwenden. Bad mistake. Die Ulaks zischen durch die Luft und röchelnd fällt der nun wirklich tote Körper zu Boden. Ich verschwinde im nächsten Schatten als ein weiterer Gegner um die Ecke biegt. Das Spiel wiederholt sich bis im gesamten Lagerraum nur noch einer atmet. Ich. Später wird Riddick in seiner markant dunklen Stimme sagen: „When I say goodbye, it’s forever.“

altChristian: Schwierig. Schwiiiierig, diesen Monat. Der eine mit Spielen verknüpfte Moment, der in diesem Monat am stärksten in meinem Gedächtnis verankert geblieben ist, war genau der, in dem ich festgestellt habe, dass ich meine Xbox schon seit über zwei Wochen nicht mehr angerührt, geschweige denn eingeschaltet habe, und dass ich eigentlich überhaupt nichts vermisse. Unmittelbar darauf traf mich dann aber leider der Schlag, als mir einfiel, dass ich während meines Urlaubs dafür umso mehr würde zocken müssen, um den Stapel der Schande in seiner Höhe drastisch zu reduzieren. Ein nahezu unmögliches Unterfangen! Zumal da noch Plants vs. Zombies auf dem iPhone ist… Das macht einem jeden noch so schönen Zeitplan zunichte. Ach ja, Plants vs. Zombies war dann noch für die andere große Erkenntnis des Monats Februar verantwortlich: So eine Busfahrt lässt sich tatsächlich exzellent in PvZ-Leveln als neuer Zeiteinheit abbilden. Eine Fahrt von meiner Herzdame zur Arbeit dauert etwa 3 PvZ-Level. Hehehe.

altDoreen: altIch streife mit Ethan, Scotty, Madison und Norman bei strömendem Regen durch die Nacht. Ich habe Angst um jeden einzelnen, irgendwie bedeuten sie mir etwas, obwohl ich sie noch nicht lange kenne. Um 3 Uhr morgens dann der Schock: Ich habe Norman verloren, ich habe ihn nicht retten können. Ich gieße mir ein Glas Wein ein, um den Schmerz des Verlustes zu betäuben. Die Anspannung ist kaum zu ertragen, denn Minuten später muss ich mit Madison entkommen, sie liegt gefesselt auf einer Schlachtbank. Eigentlich liegt nicht sie da, sondern ich. Jedenfalls fühlt es sich so an, als sei ich es. Meine Handflächen werden nass, während ich versuche die Fesseln zu lösen. Ich höre Madison schreien und ich schüttele den SixAxis hin und her bis ich begreife, dass mir das nichts bringt. Ich muss mir was anderes einfallen lassen, bevor „er“ wiederkommt. Derjenige, der mich töten will…

Die gesamten 9 Stunden Heavy Rain im ersten Durchgang waren DER Moment des Monats Februar für mich. Erlebt, in einer einzigen Nacht.


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8 Kommentare

  1. Thomas - 04.03.2010 13:51

    Zuviele Spoiler. Danke. >:(

  2. SpielerDrei - 04.03.2010 15:13

    Berechtigter Einwand. Wäre eine Verbannung ans Ende des Texts eine Lösung, mit Ankündigung am Anfang a la „unten finden sich Endgame/Story/Twistspoiler zu Spiel A/B/C“?

  3. Puschel - 04.03.2010 15:51

    Das finde ich interessant. Wo waren denn da die Spielverderber? Ich sehe nämlich keine.
    SpielerDreis Shepherd ist ein moralisch korrupter Heuchler? Darksiders, ein Spiel mit einem der vier Reiter der Apokalypse, endet mit einem Hinweis auf eine Fortsetzung mit … den anderen Reitern? Shattered Memories bietet Fragen eines Psychologen? WipeOutHD ist auf grossen Bildschirmen besser? Vin Diesels Coolness überträgt sich sogar auf seine Videospielrollen? Christian bekennt sich dazu, casual gamer zu sein? In Heavy „David Cage: Jede der Hauptfiguren kann sterben, aber es geht dann trotzdem weiter“ Rain, stirbt der Spielerin eine Hauptfigur unter den Fingern weg, aber sie spielt einfach weiter?
    Wir reden hier ja nicht über die Pointe, die zum Dreh- und Angelpunkt einer Geschichte wird: Achilles ist nicht unverwundbar; Odysseus schlachtet alle Bewerber ab; Yudhishthira und der Hund bleiben übrig; Jesus ist gar nicht tot; … ; Norman Bates Mutter geht es schon lange nicht mehr so gut; Darth Vader ist Lukes Vater; Aeris bleibt tot. Im Vergleich dazu überrascht mich die Aussage „In Teenieslasher Y/Zombiefilm X sterben einige der Sprechrollen“ doch eher wenig und auf diesem Niveau ordne ich die Enthüllungen im Artikel ein. Das ist natürlich nur meine Einschätzung als abgestumpfter Konsument von Schundkultur, den bei solchen Wendungen selten etwas überrascht. Viele Mythen/Bücher/Filme erzählen interessantere Geschichten.
    Daher noch einmal die obige Frage: was würde bei Spiel X (bitte älter als zwei Jahre, wir wollen ja nichts verderben) als Spoiler gelten: „Thank you Mario. But our princess is in another castle“?

  4. SpielerZwei - 04.03.2010 16:02

    Ich finde schon, dass die Beschwerde gerechtfertigt ist, weil die meisten Titel noch aktuell sind. Im ersten Entwurf war auch eine Spoiler-Warnung enthalten, die aber wohl dem Lektorat zum Opfer fiel…
    Ist jetzt wieder im Teaser drin. Sorry dafür!

  5. Thomas - 06.03.2010 14:19

    Danke.

    Speziell das Ende von Darksiders so zu beschreiben nimmt dem Spieler den Aha-Effekt, wenn man selbst bis dorthin gespielt hat. Das macht man einfach nicht und darüber gibt es auch keine Diskussion.

  6. SpielerDrei - 06.03.2010 15:28

    Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass im Moment des Monats unsere Beiträge nur als Anfangspunkt gesehen sollten. Eure Momente des Februars sind hier sehr gern gesehen.

  7. ness - 08.03.2010 13:11

    Mein Moment des Monats bezieht sich auch auf ‚Silent Hill: Shattered Memories‘ für die Wii, als ich zum ersten Mal die Umgebung erkundete und aufgrund der Atmosphäre durchaus richtige Gänsehaut bekam. Vor allem weil ich wusste, dass irgendwann diese Viecher kommen und ich nicht entfliehen kann. Und dann immer diese Geräusche^^.

    Aber als ich dann in der Bar ankam und die eine Tür zu war, so dass ich also wieder zurück ins Freie müsste, hatte ich das starke Gefühl, jetzt gleich die erste Erfahrung mit den Monstern zu machen. Also habe ich erstmal gespeichert und aufgehört, denn das wollte ich mir die Nacht echt nicht noch antun :P.

  8. Cody - 09.03.2010 15:08

    Meinen Moment des Monats hatte ich recht unerwartet mit dem „General Knoxx“ DLC für Borderlands der aus dem Spiel irgendwie endlich ansatzweise das macht was anfangs, Monate vor release anbgekündigt wurde :) Jede Menge Autobahnen, Fahrzeuge, zielsuchende Raketen, Mechs, neue Gegner und selbst mit Level 48 Bockschwer-warum nicht gleich so, gearbox?

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