Ich muss euch sagen, es wahnwitzelt sehr

Von drauß‘ von Zeboyd komm ich her;
Ich muss euch sagen, es lovecraftet sehr!
Allüberall auf R’lyes Spitzen
Sah ich eldritchen Horror sitzen;
Und drunten aus dem Höllentor
Sah mit roten Augen Cthulhu hervor;
Und wie ich so strolcht‘ durch des Dungeons Tann,
Da rief’s mich mit Grabesstimme an:

“Das ist mein Spiel, und hier wird nicht gereimt!”

Och, uff, na gut. Cthulhu Saves Christmas ist ein Prequel zum ungemein lustigen Cthulhu Saves The World von Zeboyd Games, einem sehr günstigen, angenehm kurzen Comedy-RPG aus der frühen Zeit der Indie-Revolution auf Steam. Zeboyd Games sind diejenigen Entwickler, die vor allem mit Cosmic Star Heroine so richtig gezeigt haben, dass sie JRPGs lieben und nicht nur einfach irgendwelche Genre-Konventionen reproduzieren. Ihr Ziel sind verhältnismäßig kurze, durchweg spaßige Spielerfahrungen. Und in einer Spielegattung, die traditionsgemäß eher an den hundert als an den zehn Spielstunden kratzt und Grinding als integralen Bestandteil der Erfahrung sieht, braucht es dafür einiges an Innovation.

Cthulhu Saves Christmas ist ungefähr fünf Stunden lang. Weniger, wenn man all die Kämpfe abzieht, die optional sind. Und diese Entschlackung von sämtlichem Ballast bringt eine Zugänglichkeit mit sich, die ihresgleichen sucht. Trotz seines doch eher nischigen Meta-Humors ist Cthulhu Saves Christmas die beste Möglichkeit, Menschen ohne jede Affinität zu JRPGs (oder gar zu Spielen) an selbige heranzuführen. Das Kampfsystem ist taktisch fordernd, clever, und bringt durch zufällig gewürfelte Fähigkeiten und eine Mechanik, mit der man verbrauchte Zauber wieder aufladen kann, in jedem einzelnen Kampf neue Impulse. Die Dungeons sind kurz und knackig: Minus der Kampfzeit in jeweils zehn Minuten zu erkunden. Die dazwischenliegenden sozialen Aspekte, in denen Cthulhu wie in Persona “R’lyetionships” (Kein Witz) mit seinen winterlichen Teammitgliedern Crystal Claus, Baba Yaga-chan und Belsnickel aufbaut, beinhalten den meisten Witz und dienen als Auflockerung. Die Hintergründe sind charmant gepixelt, das Weihnachtsthema wird clever eingesetzt und steuert einige ebenso absurde wie witzige Gegner bei. Jack Frost, der Boss im Tutorial, wird dann eben doch noch in einer anderen Spielereihe gebraucht und muss ganz dringend los. Hee Hoo! Das macht Cthulhu Saves Christmas besonders als Snack zwischen den Jahren spielenswert, aber auch den Rest des Jahres zu einem gelungenen Happen. Mehr ist es nicht, und mehr will es nicht sein. Solche Prämissen darf es ruhig öfter geben.


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