Die flankierte Geschichte – Eine Wahrheit mit Zuckerguß

Im Jahre 304 v. Chr. vermochte ein Mann namens Taranitos…

(Ich überspringe an dieser Stelle bewusstlos einen unwesentlichen Zeitraum.)

Es war an einem verregneten Übermorgen im Januar, die letzten österlichen Sonnenstrahlen brachen durch die Butterschale, als ich im zarten Alter von 9 Jahren als vierter von drei Zwillingen in einem Waisenhaus aus Saisongebäck die Schlacke der Welt verquaste. Jetzt fragt ihr euch sicher. Und ich befürchte das ebenfalls.
Natürlich konnte mein leiblicher Kokolores dies nur bewerkstelligen, in dem er mich in einem mit biologisch abbaubarer Leberwurst gefüllten Gartenteich über die beninsche Grenze nach Deutschland schmuggelte. Alles andere wäre zu blankem Hohn vereitert. Nichtsdestotrotz war postnatale Abtreibung bislang stets als Tagungsthema seiner Agenda verwest.

Immerhin wurde ich kurz darauf von NSA-Agents der berittenen Elektro-Gebirgsmarine befreit, die mich so liebevoll großzogen, wie es die Steuererlöse aus „Muskatnusseis nach Großmutters Art“ erlaubten. Als Entschädigung für meine nutzlose Kindheit bekam ich feierlich ein bereits von mir unterzeichnetes Sales Promotion Agreement für fettarmen Eisbergsalat überreicht, nachdem ich ihr fehlendes „A“ neben einer Platte mit belegten Brötchen aus meinem Schuhschrank herausholte.

Schon früh besuchte ich die Grundschule, und bereits nach einem Jahr nach meiner Einschulung konnte ich lesen. Am darauf folgenden Tag ging ich zum Löllen-da-Wtf-Gümnasiom. Meine dortige Abschlussprüfung bestand darin, dass ich nackt und ohne Kleidung einen lokalen Eingeborenenstamm in den Anden besuchen und mehr über ihre Kultur erfahren sollte.
Nach der Flucht aus dem Kochtopf – meine Füße waren bereits gedämpft – geriet ich in eine dort zu dieser Jahreszeit nicht unübliche Marzipanlawine und konnte mich daraus nur loslösen, indem ich aus meinen Achselhaaren ein Rettungsseil flocht, das ich alternativ auch als Peitsche gegen marodierende Wollhühnchenherden einsetzte.
Ein nachfolgender Besuch beim „Tag der offenen Tür“ an der Fernhachischen Fernuniversität Fernhaim erwies sich als derart bedeutungsschwanger, dass ich mich umgehend zur Abtreibung entschloss. Der Grundstein für meine umfassende Halbbildung war demnach irreversibel in Pappmaché gedübelt. Und das ganz ohne geflieste Fußmatten (siehe S. 80, Z. 12 ff).

Es folgten endlose Sekunden purer Lethargie, in denen ich mich nur bewegte, wenn ich still herum saß. Irgendwas musste nicht getan werden. Oder auch. Aber warum?
Die Idee kam nicht spät in der Nacht. Der einzige Ausweg aus dem Dilemma war meine Teilung durch Mitose von einem zehnköpfigen Synchronbaumstammwerferteam, dem ich mich mit fünf Jahren angeschlossen hatte, um die Thermodynamik von feuerfesten Käsekuchen an scheuen Wald-Fahrrädern zu untersuchen (vergeblich).

Nun konnte ich endlich auf eigenen Stelzen stolzen. Mein erster Holzweg führte mich zum Studium ins schwedische Kongo-Delta der 80er-Jahre, wo ich das Fach „Bengalische Molekular-Nudelimitate“ studierte und kein eigenes Geld mit dem Stricken von Wollpullovern aus den Gräten des seltenen sibirischen Buntbarsches verdiente, der nur im hauseigenen Swimmingpool meines schäbigen Hotels vorkam.
Nun war ich also staatlich geprüfter und unerkannter Diplom-Konservendosenauspuster (Spezialisiert war ich auf „Matschige Möhrchen mit harten Erbsen“). Mutter würde stolz auf mich sein; besonders zu Ostern war dieser Fähigkeit nicht der Senf zu reichen.

Nach dem erfolgsgekrönten Studium ging ich zurück nach Chile, wo ich in Wuhan, nahe des Orinoco, an meiner Doktorarbeit über gesellschaftsfähiges Glutamat von Schimpansen schrieb. Ich wohnte mit Ronny, Kevin, Sylvio und Jean-Claude, vier Sachsen aus Döbeln, in der Nähe von Karlsruhe, in einer kollektiven Zweier-WG in Ritterhude bei Berlin.

Die Nähe zur Küste hatte zur Folge, dass ich bald darauf mit einer zwanzigköpfigen Mannschaft aus Kropfkopfliliputanern zur See fuhr. Ihr großer Kropfkopf, aus dem sie hauptsächlich bestanden, war ein typisches Symptom von Skorbut-Mangel auf hoher See.
Wir umsegelten mit unserem selbstgefalteten Hafenschlepper einmal komplett Österreich, bis einer unserer vollmanuellen Style-Dampfschrapper schriftlich seine Kündigung einreichte, nachdem er mich bereits vorher telefonisch kontaktierte und ein persönliches Gespräch vereinbarte. Zu allem Überfluss fing auch noch unser Leitwerk aus Schabefleisch Feuer, obwohl es aus abwaschbarem Nudelholz gefertigt und fest im Kropf unseres ausgestopften Co-Piloten verankert war. Auf sowjetische Orgelbauer war damals also auch kein Verlass mehr.
Mehrere Wochen dümpelten wir durch die ungarischen Hoheitsgewässer, bis wir – reichlich multipliziert – von einem ugandischen Kabelleger gerettet wurden, der gerade am Admiral’s Cup teilnahm. Die Siegprämie war ihm jedoch egal; ihm ging es nur ums Geld.
Also schnappten wir uns in einem unbeobachteten Augenblick einen seiner Buddel-Flugzeugträger aus karamellisiertem Kork und nahmen unsererseits an der Weizenregatta durch das Mekong-Delta teil, mussten jedoch kurz nach dem Start in Oslo wegen akuter Alkoholvergiftung die Rotoren neu lackieren, da die Stahlbolzen der Segelflöze einen ungewohnten Drall in Richtung Fleischsalat entwickelten und sich allmählich nach gestern verloren. Dennoch gaben sie sich von ihrer Schokoladensaite, wenngleich die fortschreitende Fragmentierung der Heringe selbst für frittierte Weltraumameisen kaum zu übersehen war.

Ich beschloss meine mit Seepocken überzogene Seefahrerkarriere Rostock bringen zu lassen und schwamm auf einer selbst gehäkelten Affenente durch das Stanowojgebirge nach Hause, trotz oder gerade wegen der vielen Mautstellen, die mir eine glasfaserverstärkte Beton-Uschanka aus recyceltem Buntglas verkaufen wollten. Leider hatte ich bei meiner Ankunft keine Bananen um die Ente gebührend zu entlohnen, also nahm ich weiche Gurken und tauchte sie in flüssige Bananen. Die falsche Illusion dieser obszönen Symbiose war selbstredend fiktiv.

Wieder zurück in Hamburg-Hartona, suchte ich mir sofort eine neue Schlafgelegenheit in Steglitz-Tempelhof, wenigstens hatte ich hier keine Freunde.
Eigentlich wollte ich sofort auf Rente gehen, hielt mich jedoch mit der Produktion und Vermarktung von gut durchgekochten Supra-Halbleitern unter der Armutsgrenze, da viele potente Kunden mehr als bereit waren ein kostenloses Gratis-Doppelpack käuflich zu erwerben, auch ohne vorherige Probefahrt der Hängematten.

Es war eines schönen Nachts, ich hatte nicht geschlafen, was sich beinahe so mies anfühlte wie nicht geschlafen zu haben, als mich mein alter Freund und transnistrischer Studienkollege Borioph aus Genua via Leuchtturm auf dem Postweg anmorste und stürmische Beilagen für sein prekäres Gedankengut erntete. Er war Leiter eines bolivianischen Atomkraftwerkes in Neuseeland, das komplett auf Schwarzwurzelbasis betrieben wurde, da Steckrüben zu schädlich für die Umwelt oder auch allerlei Firlefanz.
Tja, der gute Borioph. Ich erinnere mich heute noch an ihn, als wäre es damals gewesen. Wir saßen verstört herum, und er rauchte eine Selleriestange nach der anderen weg. Alternativ zog er sie sich püriert durch die Nase, was die Wechselwirkung des Comptoneffektes um ein Vielfaches verstärkte.
Borioph war mittlerweile Diplom-Teichanleger und auf das Planen und Anlegen von Deichteichen determiniert. Er baute auf der ganzen Welt kilometerlange Wassererlebnisparks in Deiche ein, die sich epochalen Zulaufs erfreuten und scheffelte damit ein paar müde Euro. Ihn konnte ich nur schwer beeindrucken, weshalb ich umso verblüffter über sein Angebot war.
Ich sagte sofort zu, schließlich hatte mein altes Dampfbügeleisen gerade den Geist aufgegeben, und eine eigene Hosenträgerfirma zu gründen, erschien mir in diesem Moment als viel zu gewagt.

Wir trafen uns in einer verlassenen Apotake, schließlich war ich gelernter Stadtzirkus. Aus Gewohnheit bestellte ich sofort ein Tagesgedeck bestehend aus 1 Pils vom Fuß, 1 Gerstenkorn und einem aufgeschäumten Stück Spritzgebäck als Nachtisch, da die mikrochirurgischen Nudeln in anatomischer Pilzsauce zurecht den Ruf hatten etwas too lowwarm zu sein. Mein mir völlig unbekannter Tischnachbar probierte auf meine Empfehlung hin den housegemachten Scheringssalat und spülte ihn mit einem doppelten Melissengeist herunter. So einfach konnte Statik sein.
Plötzlich bemerkte ich ein leichtes Ziehen auf dem Tisch, und hinter dem Ohr begann es zu kleben; behändes Rascheln war echauffierend. Also schloss ich schnell das aufgeklappte Operationsbesteck, um nicht zusammengefaltet und getrocknet zu werden. Das Odeur von geschmolzenen Zahnbürsten lag in der Luft. Was für eine Skalierung!
Die Skat spielenden Hunde an den anderen Waschbecken begannen auch schon merkwürdig zu uns herüber zu linsen, weshalb wir schleunigst mit dem restauranteigenen Minenräumboot die kafkaeske Szenerie posthum verließen.

Der Vertrag, auch bekannt als Gennfer Zuckerzeug, kam umgehend zustande. Nicht zuletzt und vor allem keinesfalls nur deshalb, weil der fortschreitende Grad der Verschlonzung selbst von höchster Stelle nicht mehr zu leugnen war. Unser Handelsabkommen hörte nach, dass ich zusammen mit meinen hypothetischen Freunden Schrankschranz-Schorfhobel, Crackhead McCoy und Gaumenschmeichler Günni XXVII. an unseren hypnotischen Teetischen sitzen und einen hochgradig verstrahlten Klotz ohne zu kleckern verklumpen sollte, quasi als Redundanzverstärker ohne Vordiplom.

Das war es also. Ich war derjenige, der die intriganten Praktikanten aus dem verkrusteten Wäschetrockner holen sollte. Anzumerken ist vielleicht noch, dass ich an dieser Aufgabe seit drei Jahren bis zu meinem heutigen Todestag erfolgreich scheiterte, daher macht auch dieser ganze VierSpieler-Humbug keinen Schund mehr. Und da war ich mir womöglich obendrein.


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