Torchlight 2

Zum Nachtisch gamescom

altManu fängt den frühen Wurm: Mein erster Tag auf der gamescom beginnt mit zwei Schweden mit sehr schwedischen Namen, die sich sichtlich überrascht zeigen, dass direkt um 9 Uhr tatsächlich jemand auf der Matte steht, um ihr Spiel „Payday: The Heist“ zu sehen. Wirkte jedenfalls so, als wären sie noch nicht mal dazu gekommen, die Termine des Tages zu checken. Der kleine Präsentationsraum im Businessbereich war noch gefüllt mit SOE-Kollegen mit halbvollen Kaffeetassen und leeren Blicken. Diese Uhrzeit war für mich abgehärteten Frühstücks-Podcaster natürlich kein Thema und so bombardierte ich den Entwickler dieses PSN-Download-Spiels natürlich sofort mit hoch intelligenten und investigativen Fragen. Als allererstes natürlich nach der Waffenanzahl, schließlich weiß man beim Serviceblog polyneux, was die Leserschaft wissen möchte.

Hoch professionell ließ ich mir dann übrigens direkt nach der ersten Frage nicht meine Verwunderung anmerken, als sich das Spiel als Ego-Shooter entpuppte. Perfekt vorbereitet gefühlt, hatte ich den Termin doch eigentlich ausgemacht, weil ich im Vorfeld, aus welchen Gründen auch immer, einen isometrischen Multiplayer-Titel im Geiste von ‚They stole a Million‚ erwartet hatte. Schade eigentlich, so ein strategisches Bankräuber-Spiel würde ich gerne mal wieder spielen. Gut, Payday hat zumindest das Setting, nur eben leider aus der Ich-Perspektive und ohne die strategische Planung im Vorfeld. Aber das, was es macht, macht es gut. Man steuert einen von vier Bad Guys und stürmt je nach Karte eine Bank oder ähnlich gut bewachte Gebäude um Geld, Diamanten und wertvolle Dinge im Allgemeinen zu heben oder auch mal einen gefangenen Knastbruder zu befreien. Fühlte sich, im positiven Sinne, sehr Left4Deadish an, gemischt mit einer großen Portion ‚The Heat‚ und den Clown-Masken aus ‚The Dark Knight‚. Nach der Inspiration gefragt, bestätigten die Jungs das auch: „Well, you know, we love the Heist-Movie ‚The Heat‘ and it was a great inspiration. And then of course some more ‚The Heat‘ and mainly, our greatest influence would be… ‚The Heat'“.

Ein Spiel also von sehr sympathischen, jungen Männern mit gutem Filmgeschmack und tollen Bärten (siehe Interview mit Ulf Andersson).

altMeanwhile bei Chris: „Wird es tiefergehende Beziehungen zu anderen NPCs geben?“, wird aus dem Publikum gefragt.

„Was meinst du mit ‚tiefergehend‘?“ Gelächter im Saal. „Nein, kein Sex. Wir machen die Art von Spiel, die wir immer gemacht haben.“

Risen 2 wird also in etwa Gothic 2 mit hübscher Grafik und Piraten. Auf der Zuckerrohrplantage, die in der Demo vorgeführt wird, muss sich der Held Kleidung und eine Karte der Insel … nun ja … organisieren. Die Welt wirkt übersichtlich, aber sehr lebendig, und die Dialoge versprühen den typischen Wortwitz der Piranhas. Ein rotes Kopftuch soll unser Held von einem der Sklavenaufseher der Plantage erbeuten, also fordert er ihn zum Duell heraus. Der Schurke ist fast erledigt, als seine Freunde plötzlich in das Geschehen eingreifen. Vielleicht ist es ein Bug, vielleicht gefiel es ihnen aber auch nicht, dass wir unseren Papagei auf ihren Kumpel gehetzt haben. Patty, die uns begleitet, eilt uns zu Hilfe, aber es ist ziemlich offensichtlich, dass wir nicht den Hauch einer Chance gegen die Übermacht haben. Deshalb flüchten wir zurück ins Dorf. Wir? Nein, Patty steht auf der Plantage weiter tapfer kämpfend ihren Mann, unser Held erreicht das Dorf allein.

„Der wahre Held lässt die Frau zurück“, kommentiert grinsend ein Piranha.

Als nächstes soll das dynamische Wettersystem vorgeführt werden. Also ab ins Bett und durchschlafen bis zum nächsten Morgen. Es gewittert. Noch einmal einen Tag verschlafen. Regen. Noch ein Tag im Bett. Regen, Donner und Blitz.

„Passt sich scheinbar dynamisch an das reale Wetter an“, frotzelt die PR-Beauftragte.

Wir besuchen den Koch der Plantage, der Hilfe gebrauchen kann.

„Kannst du kochen?“ – „Ich kann Wasser heiß machen…“

Eigentlich darf man hier wohl Patty zur Küchenhilfe abkommandieren, aber wir sind ihr vor drei Regentagen verlustig gegangen. Wir laufen also zurück zur Plantage und siehe da – dort steht sie gelangweilt mit den anderen Haudegen herum und schließt sich uns wieder an. Von einem Jäger erfahren wir, dass man Wildschweine am Besten erlegt, indem man sie wütend macht, ihrem Frontalangriff ausweicht und sie dann hinterrücks erledigt. Wir probieren das mal. Wildschwein wütend machen und… lachend zuschauen, wie Patty vorwärts stürmt und das Schwein erlegt, bevor es auch nur in unsere Nähe kommt.

All das kann passieren, wenn man eine möglichst dynamische Welt anbieten will. Risen 2 scheint ein charmantes und dank des Piraten-Settings angenehm frisches Spiel zu werden, das sich an eine wichtige Grundregel hält: Wenn schon etwas schiefgeht, dann muss es wenigstens lustig schiefgehen! Die Pressevorführung der Piranhas war gehörte sicher zu den gelungensten und heitersten der gesamten Messe, einfach weil man den Jungs auch anmerkt, wieviel ihres Herzblutes in ihren Spielen steckt.

SpielerZwei plaudert aus dem Nähkästchen: Ein ganz netter Nebeneffekt von Veranstaltungen wie der Gamescom ist natürlich, dass man die eine oder andere Bloggernase mal live treffen kann. Ich bin jetzt zwar nicht so der Netzwerker wie Kollege Manu, der so ziemlich jeden Blogger auf dem Planeten zu kennen scheint, aber einige Begegnungen waren auch für mich ganz interessant. Dass wir die netten Jungs von Superlevel getroffen haben (leider ohne Fabu) und uns auch noch ein paar der zockenden Orangen über den Weg gelaufen sind, hat man ja schon im Gamescom-Podcast verfolgen können. Außerdem habe ich mehrmals recht lange mit Michi und Micha von Kollisionsabfrage abgehangen, über Gott und die Welt gequatscht und über die anderen Messebesucher abgelästert, während ich ihre steampunkartigen Kamerastative bewundern konnte. Die Dinger sahen wirklich so aus, als hätte sie ein Blinder bei einem Praktikum in der Metallwerkstatt zusammengeschweißt. Und natürlich haben wir uns auch mit Ex-Politesse Christian getroffen, um ihn wegen seines Ausstiegs noch mal richtig zu vermöbeln. Ja, Polyneux ist wie die Mafia. Da steigt man nicht so einfach aus und lebt danach sein Leben ganz unbeschwert weiter…

Kollege „ich kenne sie alle“ Manu hat mir und Chris auch noch ganz viele andere Leute vorgestellt, deren Namen ich aber leider gleich nach dem Händeschütteln auch wieder vergessen hatte (das Alter, Ihr versteht…). Einzig Ntino ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich ihn mir völlig anders vorgestellt hatte (vermutlich irgendwie schlanker…).

altManu intrigiert: Währendessen bei Ubisoft kapere ich mir SpielerZweis Far Cry 3-Termin und schiebe ihm den ungeliebten ‚Tim & Struppi ‚-Termin zu, den mir der Ubisoft-Mitarbeiter im Paket mit andrehen konnte. Schadenfroh sitze ich dann mit lecker Espresso in der Far Cry-Demo, setze mein bestes Polyneux-Chefredakteur-Gedenk-Grinsen auf, nur um dann festzustellen, dass ich wohl lieber bei Tim & Struppi bleiben hätte sollen. So nichtssagend, wie die gefühlten 7,5 Minuten Präsentation des Insel-Shooters waren. Mehr als ein „Grafik sieht super aus“ lässt sich schwerlich mitnehmen. Trotzdem spannend zu sehen, wie man in manchen Magazinen und Berichten ganze Seiten über dieses vermeintliche Highlight schreiben konnte.

Mehr vom Gleichen gab es dann auch bei Assassin’s Creed: Revelations. Einzig wirklich nennenswerte Aussage war immerhin, dass Revelations nun wirklich die Story um Ezio und Altair beenden wird. AC3 wird also endlich ein wirklicher, dritter Teil. Na mal sehen, ich bin bei Brotherhood aus akutem Deja-vu-Gefühl schon ausgestiegen. Fragwürdig, ob das jährliche Erscheinen eines neuen AC-Teiles sich noch beliebig lange weiterführen lassen wird.

Begeistern konnte ich mich dafür direkt im Anschluss umso mehr für das grandiose Rayman Origins. Eines meiner Highlights der Messe. Wie der Name vermuten lässt, geht Rayman zurück zu seinem Wurzeln als 2D Plattformer und erinnert stark an das famose New Super Mario Bros. Wii. So balgt und schubst man sich mit 3 Freunden im Sofa-Koop durch die wundervollen, handgezeichneten Level und kann sich an der Liebe zum Detail kaum satt sehen. Traumhaft animiert und angenehm wuselig und chaotisch, sehr nahe an der Grenze dazu, völlig unübersichtlich zu werden, kommt dieses Rayman-Spiel endlich mal wieder komplett ohne grenzdebile Hasen aus. Aber auch für Menschen ohne Freunde (siehe oben, das Serviceblog Polyneux kennt seine Leserschaft) durchaus reizvoll, denn wirkliche Rätsel oder Elemente, bei denen Teamwork gefragt ist, gibt es nicht. Einziger Wermutstropfen: Wenn Ubisoft schon so ein wunderbares 4er-Spiel auf Xbox und PS3 rausbringt, warum dann bitte ohne Online-Multiplayer? Dass Nintendo das nicht hinbekommt, wissen wir ja, aber hier ist es wirklich mehr als unverständlich, gar ärgerlich.

altSpielerZwei denkt laut: Bei unserem Gameforge-Termin hat sich Gunnar Lott rein gar nichts anmerken lassen und uns sehr freundlich behandelt. Nach Jahren des GameStar-Bashings unsererseits ein klarer Beweis für seine Professionalität! Wahrscheinlich hat er uns unverschämte Blogger-Maden in seiner Fantasie den ganzen Termin über eigenhändig erwürgt und sich gefragt, welche von den Nasen denn dieses arrogante Oberarschloch SpielerZwei ist. Aber nach außen war er wirklich nett. Vielleicht schätze ich ihn ja auch seit Jahren einfach nur falsch ein und er ist in Wirklichkeit einer unserer treuesten Leser…

altChris steht an für: Skyrim habe ich mir gemeinsam mit einem Bekannten angesehen. Hier hat sich niemand live durch das Spiel gekämpft, das Gameplay-Video war im Vorfeld aufgezeichnet worden. „Ihr seht die Xbox-360-Fassung“, kommentierte die Hostess das detailarme, auf Großleinwand aufgezogene Bild, was meinen Bekannten zu einem herzhaften „Buuhh!“ veranlasste, das wiederum für spürbare Irritationen beim Rest des Publikums sorgte. Ein PC-Spieler? Wer hat denn den hier reingelassen? Etwas abwechslungsreicher als in den Copy-and-Paste-Höhlen des Vorgängers wird es in Skyrim sicherlich werden, so viel lässt sich nach der Demo sagen, aber technisch hat man Oblivion nicht weit hinter sich gelassen. Besonders stolz ist Bethesda auf das neue Interface, das den Spieler die Waffen für linke und rechte Hand getrennt während des Kampfes aus Menüs auswählen lässt, ohne dass man ins Inventar zurück müsste. Für den Konsolenspieler im Vergleich zum Vorgänger sicherlich ein riesiger Fortschritt. Als PC-Spieler dagegen ist man an Hotkeys gewöhnt und alles, was hier als neu und innovativ vorgeführt wird, sieht für mich wie Höllenqual aus. Hoffentlich kommt das so nicht in auf den PC! Das wäre Folter!

altSpielerZwei rebelliert: Ich erhielt im Biergarten zu jedem Getränk einen Kassenbeleg, den ich dann immer mit dem Satz „Mir erstattet leider niemand die Spesen.“ liegen ließ, was von den Bedienungen wiederum mit einem mitleidigen Lächeln quittiert wurde. Es war ja überhaupt total bescheuert von mir, mich im Biergarten selbst zu verpflegen, denn in den Pressebereichen wurden fast überall kostenlos Getränke und Häppchen gereicht. Auf diese Weise hatte ich aber subjektiv das gute Gefühl, mich nicht kaufen zu lassen. Außerdem konnte ich mich so auch gut von den ganzen Koten mit Presseticket abgrenzen, die schon deshalb auf die Hersteller-Häppchen angewiesen waren, weil das knappe Taschengeld von Mutti einen längeren Aufenthalt im recht teuren Biergarten unmöglich machte.

altChris gerät in Rage: Apropos Konsole und PC: Im Vorführraum für Rage hat man etwa vier PCs und dreißig Konsolen aufgebaut. Großer Fehler! Der Andrang auf die PCs war wesentlich größer als vorhergesehen. Kein Wunder, lässt sich die PC-Version doch deutlich besser steuern und ist grafisch ungefähr drei Generationen weiter als die Xbox-Fassung. Nicht, dass Rage auf der Konsole schlecht aussehen würde, aber der PC deklassiert die alte Microsoft-Hardware ja mal sowas von! Das nächste Mal also entweder mehr PCs aufbauen oder gar keine.

altManus Mansion: Nicht, dass ich nach der enttäuschenden E3-Pressekonferenz wirklich scharf darauf gewesen wäre, die Wii U mal anzufassen, aber allein die Ankündigung, dass Nintendo die neue Konsole gar nicht erst mitbringen wird, sorgte dann um so mehr dafür, dass die Gerüchteküche im Biergarten des Business-Bereichs brodelte. Der abgesagte, bereits an die Presse kommunizierte Extra-Termin in Frankfurt sorgte indes für weiteren Zündstoff. Zuviel negative Kritik nach der E3? Komplette Überarbeitung des Konzepts? Was war los bei Nintendo?

Offiziell hieß es natürlich, man wolle sich auf der Messe ganz auf den 3DS und die letzten, tollen Titeln für die Wii (Xenoblade, Zelda, Kirby) konzentrieren und die Wii U zu einer anderen, passenderen Zeit vorstellen. Inzwischen, ein paar Wochen nach der gamescom, sickerten erste Hinweise durch, dass es wohl technische Schwierigkeiten gibt.

Wie versprochen gab es dann auch die geballte 3DS-Ladung an Spielen zu sehen und anzufassen. Trotz meiner bisherigen Ernüchterung seit dem Launch des Handhelds, verließ ich Nintendos Stand mit einem sehr seligen Fanboy-Grinsen. Anspielen konnten wir Starfox 64 3D, das neue Mario 3D, Mario Kart 7, Kid Icarus sowie Luigi’s Mansion 2 und gerade Letzteres  machte einen verdammt guten Eindruck. Die toll umgesetzte, sich selbst nicht ernst nehmende Ghostbuster-Atmosphäre mit meinem Lieblingscharakter Luigi. Neben den guten, aber sich gewohnt spielenden Neuauflagen wie Mario Kart eine erfrischende Abwechslung.

Alles in allem kann sich Nintendo mit diesen Spielen und der Preisreduzierung des Gerätes mehr als beruhigt in das Wintergeschäft begeben. Auch wenn Fehler gemacht wurden, DAS ist endlich genau das Lineup, das zum Release hätte kommen müssen. (Starfox 64 3D ist inzwischen übrigens erschienen und es ist richtig gut geworden! Hier gibt es meinen Eindruck als Podcast)

SpielerZwei lästert über die Besucher: Als absolute Schnappsidee entpuppte sich mein spontaner Einfall am Donnerstag, doch noch einmal abseits der wohlbehüteten Pressebereiche durch die mit Besuchern gefüllten Messehallen zu schlendern: Es war unerträglich voll und ohrenbetäubend laut. Wie in den Jahren zuvor. Trilliarden von übergewichtigen, schwitzenden, stinkenden und schlechtgekleideten Vollhonks verstopften die Besucherhallen. Ja, liebe Leser, RTL hat Euch nicht auf’s übelste diffamiert, sondern lediglich die grausame GC-Realität gezeigt. Manchmal tut die Wahrheit eben einfach weh, IHR NERDS! ;-)

altChris würdigt: Dishonored war wohl die größte Überraschung der Messe. Ein Science-Fiction-Fantasy-Steampunk-Spiel in einer dem viktorianischen London nachempfundenen Stadt, in der sich Walöl als Energiequelle durchgesetzt hat und Ratten durch die Straßen streifen und Menschen fressen. Ein Stealth-Shooter, der grafisch leicht von Team Fortress 2 oder Half-Life 2 inspiriert sein mag, aber aus dem Konglomerat von spürbaren Einflüssen etwas ganz Eigenes entwickelt. Die Stadt ist dabei nicht frei begehbar, sondern in recht kleine Levelabschnitte unterteilt, die sich auf diverse unterschiedliche Arten bezwingen lassen. Man kann sich im Schatten verstecken und schleichen oder den Gegnern mit Minen, Messern, Armbrüsten oder Springmessergranaten auflauern. Man kann sich aber auch, und da wird es mir schon etwas zu viel, in ein anderes Lebewesen wie beispielsweise eine Ratte hineinversetzen, in diesem fremden Körper durch kleinste Öffnungen oder an Wachen vorbei schleichen und auf der anderen Seite den Wirt wieder verlassen. Man kann die Zeit anhalten. Man kann sich über kurze Strecken teleportieren – „blinzeln“, würden die WoWler sagen. Wie sehr sich das Spielerlebnis unterscheidet, je nachdem welche Mittel man anwendet, ist beeindruckend, aber davon, dass das „Fantasy“ in „Science-Fiction-Fantasy-Steampunk“ eine gute Idee ist, davon müsst ihr mich erst überzeugen!

altManu wittert Beute: Dishonored hat mich ebenso überrascht und begeistert wie Chris. Dieses Spiel hatte ich bis zur Messe überhaupt nicht auf meinem Radar und es machte schon allein von Setting (Steampunk!) und Grafikstil (Celshading!) einen sehr vielversprechenden Eindruck.

Ähnlich ging es mir übrigens auch mit Prey 2, welches im gleichen Zimmer direkt im Anschluß bei Bethesda gezeigt wurde. Was die ersten Minuten wie ein gewöhnlicher, eher langweilig anmutender Shooter begann, verwandelte sich glücklicherweise dank einem etwas unbeholfendem Zeitsprung und der üblichen Amnesie des Hauptcharakters sehr flink in ein so in der Form noch nicht gesehenes Konzept. Der neue Protagonist (Tommy aus Teil 1 wird nur als Cameo auftauchen) wird nach dem Verlust seiner Erinnerung zum intergalaktischen Kopfgeldjäger und jagt seine Beute zu Fuß, per Jetpack und mit Hilfe weiterer Gadgets wie Schleuderfußfesseln und Stasisfeldern durch die neonbeleuchteten Gassen außerirdischer Großstädte. Das hat mit Tommy, dem Cherokee-KFZ-Mechaniker aus dem Vorgänger, augescheinlich nicht mehr viel gemeinsam, machte aber große Lust auf mehr. Der gute Simon von Gameone sprach wahre Worte, als er twitterte, Prey 2 sei wie das von ihm stets herbeigwünschte „Boba Fett Adventures„. Bei fast keinem gesehen Spiel auf der Messe war die Lust, es jetzt sofort spielen zu wollen, bei mir größer.

altChris gerät ins Schwärmen: Als Manu und ich die Vorführung von Mass Effect 3 verlassen, läuft mir Sabber aus dem Mundwinkel. Nicht nur weil Shepard jetzt beweglicher ist und sich die Kämpfe zackiger spielen, nicht nur weil das Spiel während der Angriffe der Reaper eine Grafikqualität auf den Bildschirm zaubert, die ich keiner aktuellen Konsole zugetraut hätte. Der größte Makel der Serie war für mich bisher immer die undurchdachte Bedienung, das völlig desaströse und gegen jede Logik designte Interface. Und heißa – das sieht in Mass Effect 3 nach allem, was man bisher sehen konnte, ganz anders aus!

Die HD-Auflösung wird endlich wirklich ausgenutzt, der Charakter- und der IchbastelmirmeineWaffeselber-Bildschirm scheinen funktional, bedienbar und die Grafikengine gar in der Lage zu sein, mehr als drei Zeilen Text gleichzeitig darzustellen. Ich wäre natürlich auch gerne begeistert, weil ME3 ein hervorragendes Rollenspiel zu werden verspricht, aber ehrlich gesagt hat man bei EA fast ausschließlich Shooterelemente gezeigt. Call of Mass Effect? Wir werden sehen.

altSpielerZwei hat Heimweh: Unser Termin bei Trion Worlds war eine angenehme Abwechslung zu all den seelenlosen Pressevorführungen von Trailern und Demos, die einen Tag später ohnehin die ganze Welt im Internet begutachten kann. Hier zeigten uns zwei der Entwickler von Petroglyph mit viel Enthusiasmus und Humor ihr eigenes Baby und beantworteten jede noch so abwegige Frage. Nebenbei erfuhren wir auch so interessante Dinge wie, dass einer von beiden einen Hund namens „Bacon“ hat, weil er halt auf Bacon steht (der Entwickler, nicht der Hund)…  Termine wie dieser machen dann auch allen Beteiligten so richtig Spaß. Aber auch wenn längst nicht alle Firmen den unbezahlten Praktikanten die selbstlaufende Demo vorführen lassen, so tun es immer noch viel zu viele. Da fragt man sich oft, warum man überhaupt seinen Arsch nach Köln bewegt hat und das Ganze nicht lieber einfach von zuhause aus im Internet abgecheckt hat…

altChris <3 Max Schaefer: Blizzard und Runic. Diablo 3 und Torchlight 2. Schon die Messeauftritte zeigen, wie gewaltig der Größenunterschied zwischen David und Goliath ist. Der Andrang zu Blizzards Pressekonferenz ist enorm. Gebannt lauscht das Publikum, während Jay Wilson, Game Director von Diablo 3, seine Neuigkeiten verkündet. Ein weiterer Schwierigkeitsgrad oberhalb von „Hell“ – alle so: Yeah! – sowie Gegenstände, an deren Aussehen erkennbar sein soll, welchem Schwierigkeitsgrad sie entstammen, die aber trotzdem frei gehandelt werden dürfen. Auktionshaus, ick hör dir trapsen. Fragen aus dem Publikum werden wahlweise mit „Werden wir auf der BlizzCon bekannt geben“ oder „Dazu können wir noch nichts sagen… außer, dass es awesome wird!!“ beantwortet. Dutzende PCs stehen bereit, auf denen man Diablo 3 anspielen kann, trotzdem sind Wartezeiten von rund einer Stunde selbst am Pressetag nicht ungewöhnlich.

Bei Runic dagegen ist alles etwas entspannter. Als wir leicht verspätet zu unserem Neun-Uhr-Termin erscheinen, werden wir nicht etwa von einer studentischen Hilfskraft, der man kurzfristig ein schwarzes Sweatshirt mit Logoaufdruck übergestülpt hat, in Empfang genommen, sondern von … Max Schaefer. Seine Kollegen und er haben es sich bei Daedalic gemütlich gemacht, ihre eigenen, mitgebrachten Laptops verkabelt und lassen uns darauf den LAN-Modus von Torchlight 2 ausprobieren.

Komplett neues Interface, neue Klassen mit neuen Skills, neue Dungeons und endlich große, oberirdische Gebiete. Obwohl kaum ein Stein auf dem anderen blieb und der Nachfolger deutlich größer und abwechslungsreicher zu werden verspricht, fühlt man sich als Freund des ersten Teils sofort zu Hause. Fast eine Dreiviertelstunde streifen wir durch Dungeons, Wiesen- und Schneelandschaften, während Schaefer freundlich und geduldig die Vorgänge auf dem Bildschirm erklärt, vom Entwicklungsprozess berichtet, sich wundert, dass sein Laptop langsamer ist als der seines Kollegen, und Fragen beantwortet. Hätte ich gewusst, dass das so laufen würde und dass wir so viel Zeit haben würden, hätte ich mir im Vorfeld ungefähr zwanzig clevere Fragen auf die Handinnenfläche geschrieben. Gleichzeitig zu spielen und sich auf Englisch zu unterhalten, ist schwieriger als es aussieht. In den darauffolgenden Stunden hatte ich immer mal wieder „Scheiße, jetzt fällt mir DIE Frage überhaupt ein!“-Momente. Aber da war’s halt zu spät. Immerhin hat Manu, der bisher nur die Xbox-Fassung des ersten Teils kannte und für den die Steuerung der PC-Version ein Kulturschock war, investigativ ermittelt, dass Schaefer Bastion noch nicht gespielt hat. Und dass Torchlight 2 voraussichtlich im Oktober/November erscheinen wird, zuerst digital und später als Box im Laden. Zum selben Preis wie der Vorgänger. Nur zwanzig Dollar. Verrückt!

Nicht erfahren haben wir, dass der Embermage die vierte und mit Abstand coolste Klasse des Spiels werden wird. Das haben sie erst auf der PAX erzählt. Der große Nachteil des Embermages ist, dass die obligatorischen „Welche Charakterklasse werdet ihr zuerst spielen, wenn Torchlight 2 erscheint?“-Threads im Runic-Forum nun noch langweiliger sind als sie es sowieso schon waren. Ja, auch ich werde mit einem Magier anfangen, danke der Nachfrage.

Diese sehr freundliche und lockere Art, mit den Spielern umzugehen, zeigt sich auch am Spiel selbst. Während Blizzard Diablo 3 abschottet, wo es nur geht, uns zwingt, zum Spielen online zu sein und Mods verbietet, weil eine Modunterstützung viel zu aufwändig gewesen wäre und die Diablo-Reihe Mods sowieso nie so richtig unterstützt hätte, bietet Runic wie selbstverständlich einen Singleplayer- und einen LAN-Modus an und liefert TorchED, den Editor, mit dem die Entwickler selbst ihre Spielewelt momentan erschaffen, gleich mit aus. Landschaften, Quests, Effekte, Charaktere, Items, Monster, selbst das Interface, alles soll sich verändern lassen. Der Witz ist, dass diese zu Diablo 3 völlig gegensätzliche Strategie der maximalen Offenheit dennoch Erfolg im Kampf gegen Cheats, Dupes und Handel von Items und Charakteren gegen echtes Geld verspricht. Wer würde bei eBay ernsthaft Geld für Ausrüstung bezahlen, die sich mit dem mitgelieferten TorchED jeder selbst ins Spiel modden kann?

SpielerZwei erzählt Bettgeschichten: Die Polyneux-Gamescom-Taskforce ist übernachtungstechnisch übrigens in einer sehr netten Privatpension in Köln-Dellbrück untergekommen. Ich war ja anfangs eher für ein stinknormales Hotel, weil ich bei solchen Angeboten immer befürchte, von einer 86jährigen Herbergsmutter mit Rollator gegen meinen Willen als Enkelersatz umsorgt zu werden, aber Unterbringung und Vermieter waren wirklich mehr als in Ordnung. Selbst als wir abends dreisterweise die Biervorräte des Vermieters plünderten, weil uns zu später Stunde selbiges ausgegangen war, meinte der gute Mann nur: „Kein Problem. Das geht auf’s Haus.“.

Manu und Chris haben sich anfangs sehr über die Dachterrasse ihres Zimmers gefreut, vermutlich umso mehr, weil ich keine hatte. Die Freude der beiden schlug aber recht bald in schlaftrunkene Genervtheit um, weil ich sie jeden Morgen zwecks Wiederauffüllung meines Nikotinspiegels auf besagter Terrasse geweckt habe. Das tat mir auch wirklich leid, aber Ihr wisst ja, wie das ist: I don’t like the drugs, but the drugs like me.

Am Donnerstagabend haben wir drei uns dann noch mit den beiden einheimischen Polynesen Holger und Grobi im Dellbrücker Brauhaus mit dem Vorsatz getroffen, unsere Teamkasse zu versaufen. Dies ist uns leider nur zum Teil geglückt, weil das Brauhaus sehr zivile Preise hatte, Kölsch schneller breit macht als man denkt und Holger auch noch so schlau war, mit dem Auto zu kommen. Trotzdem war’s sehr nett! Zu schade, dass das Team so weit verstreut wohnt und wir immer nur Treffen in Kleingruppen auf die Kette bekommen…


Tags: , , , , , , , , , , , , , ,  

8 Kommentare

  1. levelboss - 22.09.2011 13:29

    Jungs, Ihr enttäuscht mich. Ihr wisst warum. 8)

  2. Chris - 22.09.2011 14:01

    Weil wir diesen langweiligen Kram hier tatsächlich noch posten? Weil wir dir nicht beim Umzug helfen? *grübel*

    Ich meld mich noch. Nächste Woche liegt der stressige Saisonstart hinter mir und ich hab wieder Zeit für… irgendwas.

  3. SpielerDrei - 22.09.2011 16:05

    Es gibt keinen Heistfilm namens The Heat. Und komm mir jetzt nicht mit Korinthenkackerei, wir jeden ja auch nicht von The Star Wars, The Jaws oder The Scream.

  4. SpielerZwei - 22.09.2011 16:18

    Ich habe übrigens gerade (sprich: 9 Stunden nach Veröffentlichung des Artikels) noch ein paar Absätze ergänzt. Ist zwar nicht die feine Art, aber was soll man machen, wenn die ungeduldigen Kollegen einen Artikel raushauen bevor er fertig ist… ;)

    Und bevor jemand fragt: Ja, mir ist nicht entgangen, dass es auf der gamescom auch Spiele zu sehen gab. Ich fand das ganze Drumherum aber schlicht interessanter. 8)

  5. Jingleball - 22.09.2011 16:32

    und Holger auch noch so schlau war, mit dem Auto zu kommen

    Das lese ich jetzt erst. Ich lache grad laut! :D

  6. SpielerZwei - 22.09.2011 16:54

    Der Christian spielt ganz offensichtlich auf sein Sony-Messestand-Event für die Blogger an. Ich bin da aber fein raus, weil ich am Freitag gar nicht mehr auf der Messe war. Aber es ist wirklich ärgerlich, wenn man sich die ganze Mühe macht, das Gesocks einzuladen und anschließend kaum jemand davon berichtet. Schade…

  7. Holger - 22.09.2011 18:18

    Am Donnerstagabend haben wir drei uns dann noch mit den beiden einheimischen Polynesen Holger und Grobi im Dellbrücker Brauhaus mit dem Vorsatz getroffen, unsere Teamkasse zu versaufen.

    Ja, Leute. Das müsst ihr mir doch vorher sagen! Ich dachte, ich müsste da mit meinen 200 Euro / Artikel auskommen.

  8. grobi - 23.09.2011 17:54

    weil ich sie jeden Morgen … auf besagter Terrasse geweckt habe

    Whut? Hatte der Laden keine Betten im Haus? ;D

Hinterlasse einen Kommentar