Caveland

Eine Höhle ist ein natürlich entstandener unterirdischer Hohlraum, der groß genug ist, um von Menschen betreten zu werden, und länger als fünf Meter ist. Demnach sind durch Eingriffe des Menschen entstandene Hohlräume wie z.B. Bergwerke, Erdställe, Felsengräber, Hypogäen, Katakomben, Luftschutzstollen, Souterrains oder artifizielle Wohnhöhlen keine Höhlen. In letzter Zeit wird dafür immer häufiger der Begriff Subterranea benutzt, der eigentlich von dem lateinischen Wort für unterirdisch abgeleitet ist, aber in dieser Form bisher zumeist im Englischen verwendet wird. Die tiefste Höhle der Welt ist die Voronya-Höhle in Georgien, Tiefe: 2191m. (Wikipedia)

The Cave in… äääh… „Caveland(???)“, ist die bislang einzig bekannte Höhle, die in der Lage ist zu sprechen, beziehungsweise gute bis weniger gute Witze zu reißen.

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altDoreen: Das mit mir und der vorsichtigen Vorfreude auf Spiele klappt langsam immer besser. Einfach auf einen zukommen lassen, nicht so viele Vorabinfos schlucken und vor allem nicht auf die ganzen “Hyper” zu hören. Meistens irritiert mich das Gekreische nur noch mehr und so wanderte The Cave ziemlich leise und ganz selbstverständlich auf meine Xbox.

Ich habe Ron’s neusten Streich bisher 1 Mal durchgespielt. Oder halt, eigentlich stimmt das nicht ganz. Ich habe es zumindest schon anderthalb mal durchgespielt und das auch noch mit denselben Charakteren. Zu verdanken habe ich diesen Schwachsinn einem überaus fiesen Bug in der Quest des Mönchs. Hier könnten sich die Entwickler mal Gedanken darum machen, ob es tatsächlich so clever ist, einen Eingang auch zeitgleich als einen Ausgang fungieren zu lassen. Hier ist das nämlich ordentlich schief gelaufen als ich mit dem Mönch Richtung Levelausgang lief und dabei in ein Loch fiel, welches auch zu Beginn als Eingang diente. Ich dachte dann so: “Ach, ich gehe mal einen Kaffee trinken” speicherte und machte die Konsole aus. Nach dem Koffeinschub machte ich gut gelaunt die Xbox wieder an, startete The Cave und stellte erschrocken fest, dass sich mein Mönch unfreiwillig sein eigenes Grab geschaufelt hat. Das Loch hätte wieder der rettende Ausgang sein können, wenn nicht nach dem Speichern plötzlich die Brücke wieder dagewesen wäre, die ich zuvor zerstört hatte, um durch das Loch den Durchgang benutzen zu können. Das war fies!

Naja Double Fine, schön ist anders. Aber gut, wir haben ja alle Zeit im Überfluss. Unter Tränen startete mit den gleichen Figuren neu. Mit dem Hillbilly, Mönch und den Zwillingen machte ich den ganzen Kram nochmal. Die kleine Frau Langeweile flüsterte mir listig ins Ohr, aber sie war leider schon vor dem lästigen Bug zugegen. Weiter schlimm ist das im Grunde nicht, denn sie machte lediglich nur einen geringen Teil meines Gesamteindrucks aus. Ich hatte sie nur irgendwie nicht erwartet. Mr. Gilbert und Co. besitzen scheinbar viele Talente.

Das The Cave ein wunderschönes Spielchen ist erwähnte ich bereits? Nein? – Gut, dann sage ich es hiermit, obwohl das irgendwie auch überflüssig ist. Alle Spiele von Double Fine sehen recht hübsch aus. Aber okay, jetzt stehts im Protokoll.

Was mich erfreut hat, ist, dass sich das Spiel an vielen klassischen Adventure-Elementen festhält und sich nicht in allem was es tut, neu erfindet. Der Wegfall des Inventars war anfangs zwar gewöhnungsbedürftig, stellte sich dann aber als nette Straffung im Rätselraten heraus. Zwar geraten die Kopfnüsse dadurch leider etwas schlichter, aber das ist zu verkraften – wohl ganz besonders für die (inzwischen zur Mehrzahl gewordene) Spieler-Elite, die es kaum länger als 6h mit ein und demselben Spiel aushalten.

Wie zu erwarten hatte ich den meisten Spaß mit dem zynischen Humor. Die Monologe der Höhle und die Äußerungen der NPC sind wieder herrlich witzig und mein Herzlein machte Freudensprünge beim Wiedersehen mit Chuck der Pflanze. Schade fand ich, dass die spielbaren Helden allesamt stumm wie Stroh sind. Durch ihre Schweigsamkeit wirkten sie doch ziemlich uninteressant und ihre Geschichten gingen mir dadurch etwas am Popo vorbei. Es hätte noch viel mehr Laune gemacht, wenn die Charaktere untereinander etwas kommuniziert hätten, Ron Gilbert hatte doch dafür die besten Vorraussetzungen. Talent für unterhaltsame Gespräche hat er und in seinen früheren Werken konnte er das ja schon reichlich unter Beweis stellen. Das hätte The Cave sicherlich noch eine würzige Note verliehen, die dem Spiel aber leider doch etwas fehlt.

Weitere Durchgänge werde ich sicherlich noch unternehmen, kommt Zeit, kommt Tat. Im Moment kann ich aber trotz kleinerer Kritik sagen, dass ich auf Ron Gilbert’s Kram absolute stehe und den “handlichen Schlüssel” werde ich so schnell nicht wieder vergessen. Und ganz klar: Springe ich mehr als drei Mal in eine Stachelfalle, dann sterbe ich ja nur noch so “zum Spaß”. Haha, danke Mr. Gilbert.

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Zwerg-im-BikiniZwerg-im-Bikini: Da ich die letzten Double Fine-Spiele nur als passiver Zuschauer genießen dürfte, hatte ich mir vorgenommen, The Cave nicht auch noch an mir vorbei ziehen zu lassen. Und es fing gut an: Nach dem Intro hatte ich die titelgebende Höhle direkt ins Herz geschlossen und nach einigem Gegrübel stand auch mein Trüppchen fest: Abenteurerin, Zeitreisende und die Zwillinge sollten meine Begleiter für die nächsten Stunden sein. Und es ging gut weiter. Nach nur wenigen Schritten war ich ganz verzückt von der Steuerung. Als PC-Kind kann ich mich immer noch nicht wirklich mit Controllern anfreunden und freue mich deshalb über jedes Spiel, das mir eine intuitive Maussteuerung anbietet. Mit rechts springen, mit links die meisten anderen Aktionen ausführen, ZiB ist glücklich! Dann ging das Gelaufe los. Und noch mal mit dem zweiten Charakter. Und noch mal mit dem dritten… an diesem Punkt begann mir bereits zu dämmern, was für mich zum Motivationskiller dieses so vielversprechenden Spiels werden könnte. Schon in den ersten beiden Abschnitten fluchte ich tatsächlich jedes Mal, wenn ich meine Gruppe sammeln wollte. Denn nein, eine Taste dafür gibt es nicht – warum denn nicht, liebe Entwickler? Hätte es in irgendeiner Form den Spielspaß getrübt, wenn ich einen Weg nur ein Mal statt drei Mal zurücklegen müsste? Zugegeben, sie haben eingebaut, dass man seine Kumpels dann automatisch zu sich teleportiert bekommt, wenn man einen neuen Abschnitt ereicht. Aber eben nur dann. Während man an einem Rätsel herumtüftelt, hilft das nicht weiter, und die Gebiete sind oft ganz schön verwinkelt.

Vielleicht bin ich ja auch einfach nur lauffaul geworden, wer weiß. Vor 15 Jahren hätte ich mich darüber wahrscheinlich nicht beschwert, aber heute kommt es mir auf unangenehme Art antiquiert vor. Vor allem deshalb, weil noch ein nicht vorhandenes Inventar dazu kommt. Jeder Charakter kann exakt einen Gegenstand tragen, den er nicht direkt an andere weiter geben kann. Also ein weiterer Grund für unnötige Wegstrecken, wenn man mit Gegenständen experimentieren möchte – oder muss. The Cave spielt sich so lange flüssig, wie man weiß, was als nächstes zu tun ist. Gerät man allerdings an eine Stelle, bei der man nicht auf Anhieb weiß, wie sie zu bewältigen ist, wird die Steuerung der Figuren nervig. Und sind es nicht gerade diese Stellen, die einem eigentlich Spaß bei einem Adventure machen sollten? Warum eingebaut wurde, dass jeder Charakter nur einen Gegenstand tragen kann, kann ich nicht nachvollziehen, denn auch hierbei sehe ich keinen Vorteil für den Spielspaß. Da man nicht sterben kann, wird es ja nicht schwerer dadurch, sondern man braucht einfach nur länger.

Die fehlende Möglichkeit, die Gruppe zu sammeln, und das nicht vorhandene/nicht gemeinsame Inventar, waren also leider zwei große Spaßbremsen für mich. Wäre nur eines von beidem eingebaut gewesen, hätte mir das Spiel dadurch deutlich besser gefallen. Das ist besonders schade, weil es ansonsten viel positives darüber zu berichten gibt: Liebevoll gestaltet, feiner Humor, abwechslungsreiche Rätsel und wie gesagt, ging mir auch die Steuerung locker flockig von der Hand. Wenn es sich halt nur nicht so unnötig in die Länge ziehen würde…

Und das bringt mich zu guter Letzt noch auf einen weiteren Kritikpunkt. Gerne würde ich die Hintergrundgeschichten aller sieben Charaktere erfahren, aber dafür müsste ich The Cave mindestens 3 Mal durchspielen, und dazu werde ich wohl keine Lust haben. Denn leider wiederholt sich die Hälfte der Abschnitte jedes Mal, und die Spezialeigenschaften der Charaktere machten zu selten einen Unterschied. Das ist ein weiterer dieser kleinen fiesen Frustfaktoren, von denen dieses Spiel für meinen Geschmack zu viele hat. Sehr schade, denn es gehört zu den „hätte ich gerne gemocht“-Titeln, weil es so unglaublich sympathisch daherkommt.

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altSpielerZwei: So so. Ron Gilbert kehrt also zu seinen Adventure-Wurzeln zurück, was im Speziellen Maniac Mansion und Co. meint, und entwickelt das Genre weiter. So sagt man zumindest. Stimmt aber gar nicht. Sage ich. Das fängt schon mal damit an, dass The Cave gar kein Adventure ist, sondern ein 2D-Platform-Puzzler, bei dem man Rätsel mit mehreren Figuren lösen muss. Wer das für innovativ hält, der kennt offensichtlich The Lost Vikings, Zack & Wiki oder die Gobliiins-Reihe nicht. Besagtes Spielprinzip setzt The Cave zwar ganz solide, aber keinesfalls aufregend oder sonst wie neu um. Dafür sind die Rätsel zu unspektakulär und der Einsatz der individuellen Fähigkeiten einer jeden Figur insgesamt zu unwichtig, weil diese nur in jeweils einem bestimmten Teil der Höhle gebraucht werden.

Das Gesamtdesign der Höhle ist das Highlight des Spiels: Es ist schon sehr clever gemacht, wie die einzelnen Abschnitte der Höhle, sowohl die redundanten, als auch die Figur-spezifischen, miteinander verwoben sind. Hut ab! Allerdings erfordert das Durchspielen mit allen sieben Figuren, um alle individuellen Abschnitte gesehen zu haben, drei komplette Durchläufe (sogar sechs, wenn man alle möglichen Enden erreichen möchte), was aufgrund der langen Laufwege und der generellen Wiederholung des Großteils der Höhle wohl nur ganz beharrliche Menschen über sich bringen werden. Wenn ich ehrlich bin, fand ich schon den zweiten Durchlauf, trotz der drei neuen Individualabschnitte, ziemlich langweilig…

Dass ich The Cave gar nicht als richtiges Adventure ansehe und die Gemeinsamkeiten mit Maniac Mansion für mich mit der Auswahl von drei aus sieben Figuren bereits ihr Ende finden, hat nicht nur mit der eigentlichen Spielmechanik zu tun. Vielmehr kommt mir der, neben den Rätseln, zweite grundsätzliche Charakterzug eines Adventures viel zu kurz: Die Narration. Zugegeben, die Höhle hat ein paar wirklich großartige Monologe, die immer mal wieder die gemeinsame Stärke von Ron Gilbert und Double Fine durchblitzen lassen. Aber die stummen Figuren und deren (Bilder)-Geschichten sind doch insgesamt recht enttäuschend und vom Witz alter Gilbert-Adventure meilenweit entfernt. Vom abgedreht-witzigen Charme der Double Fine-Perlen Psychonauts oder Brütal Legend fange ich lieber gar nicht erst an…

Der auf dem Papier zunächst vielversprechend klingende 3-Spieler-Coop-Modus von The Cave ist ein kompletter Totalausfall. Mich würde wirklich interessieren, was man sich dabei gedacht hat: Da das Spiel den Bildschirm nicht teilt, springt die Kamera immer nur wild zwischen den Figuren hin und her. Klar, man kann sich haarklein absprechen, wer sich nun gerade bewegen darf, aber das macht spielerisch überhaupt keinen Sinn. Und auch keinen Spaß. So eine Art von Coop bietet im Prinzip jeder PC-Shooter: Einer bekommt die Maus, der andere die Tastatur. Und nun schaut mal, wie ihr den Mist koordiniert bekommt…!

Ein einfacher, handelsüblicher Split Screen Modus hätte hier Wunder gewirkt, weil man sich so die Arbeit und damit auch die viele Lauferei hätte teilen können. Und da ich The Cave auf der Wii U gespielt habe, fand ich das gleich doppelt dämlich, weil man dort ja sogar ohne Bildschirmteilung das Display auf dem Pad hätte sinnvoll nutzen können, anstatt es lediglich zum banalen Umschalten der Figuren zu nutzen… – Un. Be. Greif. Lich.

Bei aller Kritik muss ich aber dennoch deutlich sagen, dass The Cave keinesfalls Mist ist! In Anbetracht des geringen Preises und der grundsoliden Unterhaltung, die einem dafür geboten wird, ist The Cave ein wirklich netter Zeitvertreib für Zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger. Die eigentliche Enttäuschung ist der ganze „Ron Gilbert erfindet das Adventure-Genre neu!!1!elf“-Hype im Vorfeld, dem das Spiel leider in keinster Weise gerecht wird.

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altStiftnürsel: Als ich The Cave mit meiner ersten Abenteurertruppe beendet hatte, gingen mir zwei Dinge durch den Kopf. Erstens: Ich muss sofort mit den anderen Charakteren weiterspielen. Dieser Gedanke war mir nicht neu. Ich spiele gute Spiele gerne mehrmals durch und habe nie das Verlangen danach, so schnell und so viel wie möglich zu spielen. Das ist aber ein anderes Thema. Was bei mir viel seltener vorkommt ist Zweitens: Ich habe die Steam-Errungenschaftenliste geöffnet und mehrere Minuten lang grinsend überlegt, was mit den Beschreibungen gemeint ist. Gleichzeitig habe ich den Entschluss gefasst, so viele Errungenschaften wie möglich zu erreichen. Aber erst möchte ich das Spiel mit den restlichen Charakteren beenden und erforschen.

Es ist leicht zu erkennen: Mir hat The Cave sehr viel Spaß gemacht. Eine Genredefinition spare ich mir an dieser Stelle. Ich habe kein Genre erwartet. Ich hasse Genres. Fragt meine Frau, wenn es um die Sortierung unseres DVD-Regals geht. Aber das ist ein anderes Thema. Schon wieder. Wie viele Themen ich habe! Ich sollte eine Internetseite über Videospiele… EGAL! The Cave!

Ich erkunde gerne Spiele. Ich probiere gerne aus und lasse mir Zeit. Dieser Charaktereigenschaft habe ich es vermutlich zu verdanken, dass mir während des Spielens keine einzige Spielminute mit Langeweile gefüllt war. Ich bin gerne durch die Höhlenabschnitte gelaufen und habe nach kleinen, versteckten Details gesucht, während die nackten Füße des Hillbillys lustige Plitschgeräusche von sich gaben. Und ich freue mich bereits auf eine zweite Erkundung dieser Abschnitte, denn ich bin mir sicher, noch lange nicht alles gesehen zu haben.

Manche Kritikpunkte am Spiel kann ich nicht nachvollziehen. Es werden die Laufwege kritisiert, gleichzeitig lobt man aber die alten Adventures. Ich erinnere mich noch daran, wie ich bei Monkey Island 1 nicht darauf gekommen bin, auf diese blöde Holzplanke hinter der Küche zu treten und geschätzt eine Stunde lang unwissend über die Insel gelaufen bin, alles in meinem Inventar mit allem auf der Insel kombiniert habe und langsam die Lust verlor. Solche Momente hat jedes Spiel dieser Art. Zumindest bei mir.

Betrat ich bei The Cave einen neuen Abschnitt, lief ich erst einmal mit einem einzigen Charakter durch diesen und erkundete ihn von oben bis unten. Dabei sah ich mir Orte und Gegenstände an, merkte sie mir, schmiedete Pläne im Kopf und folgte diesen dann letztendlich mit meinen Charakteren. Das hat so gut funktioniert, dass ich niemals gelangweilt durch die Höhle geirrt bin. Es lief flüssig. Extrem schwer waren die Rätsel nun wirklich nicht. Auch die Fähigkeiten der drei Charaktere waren hilfreich. Ja, der Hillbilly brachte mir wirklich nur in seinem Abschnitt etwas. Dafür hatte er aber toll klingende Füße. Der Ritter dagegen war für mich Gold wert. Anstatt Leitern zu benutzen, ließ ich mich einfach Abgründe hinunterfallen und aktivierte kurz vor dem Bodenkontakt seine Fähigkeit, um unbeschadet zu landen. Das war wundervoll. Immer und überall.

Egal. Ich will The Cave nicht verteidigen. Jeder Spieler hat seinen Geschmack, kann mit bestimmten Spielmechaniken etwas anfangen oder nicht. So ist das eben. Ich kann hier immer nur über meine Sichtweise schreiben und mache auch nichts anderes. Darum betone ich zum Abschluss noch einmal, dass mir The Cave richtig gut gefallen hat und ich mich auf weitere Durchgänge freue. Um genau zu sein, werde ich genau jetzt Durchgang zwei beginnen. Gleich nachdem ich eine Liste angefertigt habe, mit welchem Charakter ich welche Enden gesehen habe. Organisation ist alles!


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