Killzone: Dingens

Wer erinnert sich noch an Killzone? Ich sehe gereckte Arme, höre Schnippsen und „Hier, ich, ICH!“-Rufe. Nicht so schnell, ihr kleinen Knödelfreaks. Selbstverständlich kennt ihr die Spielereihe Killzone: Eine der Exklusivserien Sonys, erster Teil Killzone (PS2), Fortsetzungen Killzone 2 und 3 (PS3), Handheld-Dreingabe Killzone: Mercenaries (PS Vita). Alles klar, gut gemacht. Gegenstand dieses Textes ist aber der aktuelle Teil der Reihe, Starttitel für die PS4, das wenig erinnerungswürdige Killzone: Dingens.

Recherche is zwar king, aber the king is dead
Zudem war das eine rhetorische Frage. Es soll hier nämlich um meine Erinnerung an genanntes Spiel gehen, dies ist kein interaktiver Text. So weit sind wir noch nicht. Zwar habe ich Killzone: Dingens nicht zur Veröffentlichung gespielt, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine PS4 besaß, jedoch ziemlich nah dran. Vor knapp vier Monaten kaufte ich mir die Konsole, lieh das Spiel von einem Bekannten und bolzte es flott durch. Hatte ich Freude daran? Ja! Hat es mich nachhaltig beeindruckt? Mitnichten! Sogar der vollständige Titel ist mir entfallen. (Tatsächlich ist er mir, als ich darüber nachdachte, ob ich den dummen Witz mit „Killzone: Dingens“ den ganzen Text über durchziehen kann, wieder eingefallen. Shadow Fall, so ähnlich wie der Bondfilm. Oder die Band.) Ungeachtet dessen werde ich nun den Versuch wagen, hier all meine Erinnerungen das Spiel betreffend chronologisch wiederzugeben. Die von mir gesteckten Ziele dieses Versuchs sind eine Überprüfung meiner eigenen Gedächtnisleistung einerseits und die Suche nach Hinweisen auf eine mögliche videospielhistorische Relevanz dieses Titels andererseits. Den Leser erwartet das reine Vergnügen am geschriebenen Wort. Auf ins Abenteuer!

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Frühlingserwachen
Mein erster Kontakt mit Killzone: Dingens fand im Februar 2014 bei einem Bekannten statt, den ich fürs Studium interviewt hatte. Nach unserem Gespräch über Videospiele führte er mir das Spiel auf seiner neuen PS4 vor. Da ich PC-Abstinenzler bin, war es das erste Spiel in Next Gen-Optik, dessen ich ansichtig wurde, weshalb ich das scharfe Bild und die allgemeine Grafikqualität mit Wohlwollen wahrnahm. Dafür vergebe ich gleich mal geschmeidige 120%. Selbst spielen durfte ich ebenfalls, mittendrin, die Erstürmung eines Gebäudes von oben. Als geschulter Taktiker wählte ich den für mich aussichtsreichsten Ansatz, einfach volles Programm durchs Deckenglas dölmern und prompt erschossen werden. Nachdem das mehrfach sehr gut funktioniert hatte, schaffte ich es doch noch lebendig ins Gebäude, befreite Geiseln und versagte kläglich beim Einsatz der Hilfsdrohne. Selbige besitzt verschiedene Fähigkeit, wie das Spenden von Lebensenergie, das Verschießen von Seilen, das Attackieren von Feinden usw. Nach mehreren Toden und der damit verbundenen Schmach vor einem Zockerkumpel versagt zu haben, gab ich das Pad wieder ab und ging.

Well played
Keine zwei Monate später installierte ich also Killzone: Dingens auf meiner eigenen PS4. Da ich beim Anspielen von der Story nichts mitbekommen und die vorangegangen Teile vollständig ignoriert hatte (Mann, das Teil heißt Killzone! Wie affenmäßg behämmert ist DAS denn?!), ließ ich mir vom Intro die Spielwelt erklären. Da gibt es also zwei im Krieg liegende Völker, die Hellghast und die Ding und irgendwann haben die Ding den Planeten der Hellghast in die Luft gejagt und die Überlebenden auf ihren eigenen Planeten geholt, der V irgendwas heißt. Und um sich vor denen zu schützen, die Hellghast sind nämlich irgendwie auch so Cybernazis, haben sie gleich eine Mauer um die Autonomiegeb… Hellghast-Zonen errichtet, zum Selbstschutz. Die Spielhandlung beginnt in eben dieser Zone, die noch dort lebenden Ding werden evakuiert bzw. vertrieben. Unser Protagonist, noch ein Kind, ist einer der Vertriebenen und flieht mit Vati vor den robust agierenden Hellghast. Vati wird dabei erschossen. Bis dahin beschränken sich meine Handlungsmöglichkeiten auf schleichen, herumhopsen und darauf ein doofes hilfloses Kind zu sein. Da der geneigte Killzone-Spieler mehr erwartet, bleibt es nicht dabei. Das Spiel nutzt das innovative Stilmittel des Vorwärtsspringens in der Chronologie der Erzählung um sich die Erklärung, wie denn der Protagonist vom doofen hilflosen Kind zum Spezialeinheitskampfmaschinenschleichspezialisten wird, zu sparen. Well played, Ballerspiel. Im Zuge dieses eleganten Manövers wird ein neuer Charakter eingeführt, ein Befehlsgeber und Vaterersatz, der trotz seiner Mentorenrolle irgendwie unsympathisch rüberkommt. Ob der später im Spiel noch eine weniger väterlich-mentorenhafte Seite seiner Persönlichkeit offenbaren wird?

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Ja, er ist der Bösewicht und wendet sich schließlich gegen den Protagonisten
Es ist bedauerlich, aber ich erinnere mich weder an den Namen des Vaterersatzes, noch an den der Hauptfigur. Auch von Verlauf und Handlung des Spiels vermag ich nur noch Fragmente wiederzugeben. In meiner frühesten Erinnerung laufe ich über ein offenes Territorium, auf dem stetig neue Hellghast spawnen. Dass ich den Alarm deaktivieren muss um selbiges zu unterbinden, habe ich schnell verstanden werde jedoch ständig abgeknallt, da ich das nicht schaffe. Nachdem der Alarm endlich verstummt und alle Gegner beseitigt sind stelle ich fest, dass das Areal doch begrenzter ist als ich angenommen hatte. Spätere Level sind noch kleiner und fast allesamt enge Schläuche. Nach kurzem Herumsuchen kraxele ich einen Berg hinauf und schieße mit der Drohne ein Seil, mittels dessen Hilfe ich auf eine tiefere Ebene gelange. Ab hier verlässt mich meine Erinnerung, aber bestimmt habe ich eine immens wichtige Aufgabe erfüllt. Klar, sonst wäre mein Ersatzvati-Sensei mit der unheilvollen Aura bestimmt enttäuscht gewesen. Als nächstes erinnere ich mich einer schiefen Hochhausruine, in der ich mich mühselig die Stockwerke hinunterarbeite, nur um festzustellen, dass das Betreten des Bodens tödlich und mein eigentliches Ziel auf der Spitze des Gebäudes gelegen ist. Tod durch Bodenkontakt, na vielen Dank. Im weiteren Verlauf ballere ich mich durch ein Raumschiff oder eine Raumstation, den in Auflösung befindlichen Planeten der Hellghast und erlebe einen terroristischen Anschlag auf der eigentlich schönen Seite der geteilten Heimatwelt des Protagonisten und seines verdächtigen Substitutpapa-Lehrmeisters. Irgendwo dazwischen begibt sich noch oben bereits genannte Hauserstürmung, die ich mit ähnlicher Bravour meistere, wie bei der kleinen Anspielrunde bei meinem Bekannten. Irgendwann verschlägt es mich in die Hellghast-Zone, in welcher ich undercover Zeuge der schlimmen Zustände dort werde. Und die sind wirklich schlimm. Zwischendrin lerne ich auch eine junge Hellghast-Assassinin kennen, die ich im folgenden Kasumi nennen möchte, da sie mich frappierend an die gleichnamige Diebin aus Mass Effect 2 erinnert und ich ihren richtigen Namen vergessen habe. Weiter begegnen wir irgendwelchen Führern der Hellghast, einem irren Terrorwilli, den man das halbe Spiel über jagt und schließlich stellt und einer alten Frau die wohl Kasumis Mutter ist und dem Oberchef, der irgendwie und naja… Ach, ich weiß es doch auch nicht.

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Let’s twist again
In der Tat ist die Geschichte von Killzone: Dingens so belanglos, dass mich Unsicherheit beschleicht, warum ich diesen Text überhaupt schreibe. Egal, wenn man die Tausend Zeichen ankratzt, stellt man keine Fragen mehr. Richtung Ende (es gab zwischendurch noch eine Passage, die auf Bahngleisen spielt, auf Science-Fiction-Bahngleisen!) verbrüdert sich der Protagonist mit der zuvor ambivalenten Kasumi, die irgendwie nur halb Hellghast ist und das Böse Tun ihrer Mutti nun durchschaut. Gemeinsam schmieden sie irgendeinen Plan. Schließlich offenbart unser Zweitdaddy-Oberlehrer für alle vollkommen überraschend seine finstere Seite, erschießt einen bettlägerigen alten Mann und dann den Protagonisten, der Abspann läuft. Halt, wie bitte? Das war es? Ehrlich? Nein! So ein enorm kaltschnäuziges Ende darf den Shooterfreunden dieser Welt nicht zugemutet werden. Ein Flackern und Krisseln deutet das Unvermeidliche an: Es geht weiter. Jedoch wird unser Protagonist dieses Mal nicht wie durch ein Wunder geheilt, sondern bleibt dankenswerter Weise einfach tot. Wir schlüpfen in die Rolle von Kasumi, die mit dem Ausgang der Geschichte nicht zufrieden ist und es auf den Überraschungs-Bösewicht des Jahres abgesehen hat. Dieser zeichnet neben dem Tod des Protagonisten auch für die Unterdrückung der Hellghast und die Einführung eines allgemeinen Schurken- / Überwachungsstaates verantwortlich, wie mir soeben wieder einfällt. Ob er auch die Schuld am schlechten Wetter trägt, vermag ich nicht zu sagen. Kasumi schleicht und kriecht sich durch den streng überwachten Teil der Stadt der Ding, der uns als Spielareal zur Verfügung gestellt wird, bis sie eines Scharfschützengewehres habhaft wird. Dieses benutzt sie um einen Schuss auf den Mann abzufeuern, der noch fieser ist, als die eigentlich böse geborenen, aber doch irgendwie unterdrückten und missverstandenen Hellghast. Schwarzblende, Feierabend. Jetzt aber wirklich.

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Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Dieser Kniff vermag es nicht an dem Fazit zu rütteln, welches ich innerlich bereits nach wenigen Spielstunden gezogen hatte: Killzone: Dingens ist ein unbedeutendes Wurstspiel, das sich in spielerischem Mittelmaß suhlt und dem Spieler allenfalls ein müdes Arschrunzeln zu entlocken vermag. Es ist wie der hundertste Abklatsch von „Wer wird Millionär“. Die Zielgruppe sperrt gehorsam den Schnabel auf, Schluck den Wurm aber ganz und drückt ihn, glattpoliert und rundgelutscht, mir nichts dir nichts wieder hinten heraus. Aufmerksamkeit hat Killzone: Dingens lediglich erhalten, da es einerseits Vertreter einer bekannten Reihe ist und andererseits den Launch einer sich blendend verkaufenden Konsole begleitete, auf der bis jetzt nur wenige große Titel erschienen sind. Es wird, wie es solchen Spielen gebührt, in Vergessenheit geraten und im Orkus der irgendwie okayen aber doch belanglosen Titel verschwinden. Sein Andenken wird maximal durch den Multiplayer, von dem ich keine Ahnung habe, oder von Artikeln wie diesem, für den ich jetzt schon um Verzeihung bitte, für kurze Zeit bewahrt werden. Hier endet mein Gedächtnisprotokoll zu Killzone: Dingens. Ich bitte zusätzlich um Verzeihung für das Durchziehen der dummen Namenswitze und die Alliteration im dritten Absatz. Für das Klauen eines Buchtitels von Rocko Schamoni für eine Absatzüberschrift bitte ich nicht um Verzeihung, so originell ist der auch nicht. Tschüssi.

P.S.: Im Anschluss an das Verfassen und Überarbeiten dieses Textes habe ich die Geschichte des Spiels nochmals bei Wikipedia nachgelesen und muss sagen: Meine Version gefällt mir besser.


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7 Kommentare

  1. Hazamel - 30.06.2014 07:46

    Killzone: Dingensbumens (Liberation) für die PSP fehlt in der Aufzählung :D

  2. mnemo - 30.06.2014 14:08

    Der Originalspieltitel schreibt sich überraschenderweise übrigens ohne Doppelpunkt.

    Die Background-Story ist wirklich dermaßen hohl, dass es schmerzt, und an die Charaktere kann ich mich nach dem Durchspielen auch nicht erinnern. Wohl aber an die Unmengen Gegner, die vollkommen zusammenhanglosen Szenenwechsel von Kapitel zu Kapitel und das miese Design der Massenschlachten. Was habe ich geflucht!

    Uncool ist aber trotzdem, hier mal eben das Ende und den Epilog im Detail komplett zu spoilen. Sowas macht man auch nicht bei schlechten B-Filmen – irgendwer hat halt trotzdem Spaß beim ersten Schauen.

  3. muskeljesus - 30.06.2014 14:14

    @mnemo: Hast recht, ist wirklich hart gespoilert. Allerdings schreibe ich gleich zu Beginn, dass ich den Spielverlauf aus dem Gedächtnis wiedergebe. Ist ja irgendwie klar, dass da auch Spoiler vorkommen. Zudem ist das Spiel nicht unbedingt taufrisch, man möge mir also verzeihen.

    Grüße, Urs

  4. mnemo - 30.06.2014 14:30

    Na ja, wenn ich einen Film aus dem Gedächtnis wiedergebe, muss ich da auch keine Spoiler einbringen. ;-) Das rechtfertigt das nicht. Aber ist halt dein Review – wenn du meinst, dass das wichtig ist…

  5. Zwerg-im-Bikini - 30.06.2014 14:59

    Das hat sehr viel Spaß gemacht zu lesen :D

  6. Chris - 30.06.2014 21:49

    Als geschulter Taktiker wählte ich den für mich aussichtsreichsten Ansatz, einfach volles Programm durchs Deckenglas dölmern und prompt erschossen werden. Nachdem das mehrfach sehr gut funktioniert hatte, …

    Da war’s um mich geschehen. :D

    @mnemo: Der Einzige, der die Spoiler moniert, hat das Spiel längst durch…. das überrascht mich noch mehr als der Verzicht auf Doppelpunkte in Originalspieletiteln. :) Dass der Text kein Review, keine Kaufberatung ist, ist doch offensichtlich.

  7. Fran the Tank - 30.06.2014 23:03

    Haha, I like, Urs!
    Und bezüglich der Spoiler: Ja mei!
    Und bezüglich der Doppelpunkte: Also bitte!
    Als nächstes InFAMOUS (:) Second Son? :D

    Gruß aus München!

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