Pju, Pju, Pju, tot

Das mit den Spielen zu Filmen ist ja so eine Sache: Entweder es wird grandios oder es geht grandios daneben. Dazwischen gibt es nichts und genau das ist mein Problem mit „Terminator: Resistance“, denn es ist nicht wirklich gut, aber eben auch nicht schlecht. Und aktuell im PSN für 15 Euro im Angebot, worauf ich ein wenig gewartet hatte, nein, womit man eigentlich rechnen konnte, denn es erschien Ende 2019 schon nicht als Vollpreistitel und die Reviews waren auch nicht wirklich gut, entsprechend war das also absehbar. Das Glück ist mit den Geduldigen, zumindest in monetärer Hinsicht.

Im Terminator-Kanon befinden wir uns irgendwo dort, wo schon alles vorbei ist, also der Zukunft, im Jahr 2028 um genau zu sein. Jacob Rivers, dessen Rolle wir übernehmen, ist der letzte Überlebende seiner Einheit, nachdem diese von einem Infiltratoren angegriffen wurde, der wie ein Mensch aussah, aber ein Terminator war. Er schlägt sich nun durch Los Angeles, begegnet dort weiteren Gestrandeten, schließt sich deren Truppe an und sucht nach dem Widerstand, den natürlich kein Geringerer als John Connor anführt.

Mehrere Dinge fallen bereits in den ersten Spielstunden auf: Man kann Items sammeln und daraus Gegenstände craften, etwa Medipaks oder Granaten. Es gibt außerdem einen Skilltree, Rivers kann etwa lernen, mehr wegzustecken oder Schlösser zu knacken. Das Schlossknacken ist übrigens 1:1 aus „Fallout“ geklaut, kein Scherz. Ohnehin hat man sich ganz gut am Bethesda-Vorbild bedient, auch „Metro Exodus“ lässt grüßen. Und die Telltale-Games zu „The Walking Dead“. Richtig gelesen. Es gibt lange Dialoge mit allen NPC und auch Entscheidungen, die man während der Gespräche trifft. Diese wirken sich auf das Verhältnis der Figuren zum Spieler aus. Klingt alles erst mal ganz gut, oder?

Leider bleibt es beim Kopieren erfolgreicher Spielmechanismen und das auch nicht sehr konsequent, sondern lieblos. Man findet beispielsweise viel zu viele Gegenstände in der Spielwelt, als das man wirklich überlegen müsste, was man damit herstellt. Ist schließlich genug vorhanden, um alles herzustellen und das in Fülle. Teilweise lief ich mit 45 Medipacks und 30 Granaten im Gepäck herum, dazu 50 Dietriche und was weiß ich nicht noch. Liegt ja an jeder Ecke Material für neuen Kram. Wirklich Survival ist das also nicht. Hier hat „Metro“ klar die Nase vorn.

Die Dialoge, so gut sie teilweise geschrieben sind, bringen am Ende keinen Tiefgang herein, denn egal ob man nun auf kooperativ macht oder einem das Verhältnis zu den anderen Figuren egal ist – es bleibt am Ende ohne wirkliche Konsequenz. Die Story verläuft, wie sie verläuft, lediglich im Finale gibt’s dann das eine oder eben das andere Ende. Mehr nicht. Wie dynamisch hätte das laufen können, wenn die Entscheidungen schon während der Story Folgen hätten! So jedoch wurde auch das nichts. Auch Sidequests, in denen man für die Charaktere kleinere Aufgaben erledigen muss, glänzen nicht wirklich: Man bekommt auf der Karte angezeigt, wo man hin muss, geht dort hin, erledigt den Job, 1000XP, fertig. Nachgedacht werden muss dabei keine Sekunde.

Den Skilltree hat man zügig komplett nach oben gelevelt, denn es regnet für jeden Mist Erfahrungspunkte. Vor allem aber für das Töten von Feinden und das tut man quasi im Sekundentakt. Von einem Terminator-Spiel erwarte ich eigentlich, dass ich permanent in Angst vor einem Gegner lebe, den ich nicht besiegen kann. Das ist allerdings nur ein Mal so, nämlich beim ersten Aufeinandertreffen mit mehreren T-800, an denen man sich vorbeischleichen muss. Hier fühlt sich alles nach Horror an, die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht und man überlegt sich jede Bewegung fünf Mal. Sobald man aber erst einmal eine Plasmawaffe hat, legt man die Terminatoren einfach um. Pju, Pju, Pju. Tot. Nächster. „Alien Isolation“ hat gezeigt, wie es um Längen besser geht.

Ein höherer Schwierigkeitsgrad hätte es vielleicht noch irgendwie retten können, denn auf „Normal“ spielt sich „Terminator Resistance“ wie ein Spaziergang im Flachland. Selbst hochhausgroße Roboter stellen nicht wirklich ein Problem dar, man kann die Plasmaknarre ja auch bis zum Gehtnichtmehr aufrüsten. Hätte man die Begegnungen mit Terminatoren auf so fünf bis zehn im gesamten Spiel begrenzt und diese entsprechend dramatisch gestaltet, wäre es vielleicht was geworden. So ballert man sich halt in jedem Level gefühlt durch halb Skynet.

Optisch wäre ebenfalls mehr drin gewesen. Los Angeles sieht schrecklich austauschbar aus, vor allem die Nacht-Missionen finden gefühlt in der gleichen, grauen Suppe statt. Schade, denn diverse ikonographische Momente der ersten beiden Filme wurden ja durchaus eingefangen: John Connor läuft durch den Tunnel und greift zum Fernglas, um auf das Schlachtfeld zu schauen. Gänsehaut. Am Eingang zum Bunker warten Einheiten mit Schäferhunden, die plötzlich bellen. Schon wieder Gänsehaut. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben, Fans zu bedienen, auch der Score der ersten beiden Filme ist stimmig verwendet worden. Und wenn man dann ein Hundebaby findet und sich entscheiden muss, ob man den kleinen „Max“ oder „Wolfie“ nennt, grinst man auch mal kurz wissend.

Geworden ist es am Ende halt trotzdem nix. Aber eben auch kein schlechtes Spiel. Irgendwie macht die stumpfe Ballerei auch Spaß und man findet sich damit ab, dass die KI keine Glanzleistungen vollbringt. Hält man halt drauf und freut sich dran, dass es immerhin besser als „Moorhuhn“ aussieht. So inkonsequent man in Sachen Story auch war, es ist immer noch besser als „Call of Duty“. Und mal ehrlich, die Sidequests sind in vielen RPG auch nicht wirklich komplexer. Kurzgesagt: Ich bin ein wenig angenervt davon, dass man hier sehr viel wollte, aber sehr wenig davon wirklich sauber umgesetzt hat. Die Entwickler hätten einfach auf das eine oder andere Feature verzichten sollen und einen sauberen Horror-Titel abliefern, bei dem es wirklich ums Überleben geht. Das Potential spürt man nämlich immer mal wieder hier und da. Und genau das tut besonders weh, denn am Ende des Tages hat man es verschenkt. Es bleibt ein rund 12 Stunden langes Spiel, das man danach nicht wieder anfassen muss (Platin-Trophäe gibt’s nämlich quasi geschenkt obendrauf). Während die „Alien“-Reihe ihren Hit in Spielform hat, dürfen „Terminator“-Fans also weiterhin warten. Einziger Lichtblick: Schlimmer als die letzten Filme kann’s kaum werden.


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