Von Gräfinnen und Feigenblättern

Große Pläne hat sie, die Gräfin Urraca Jimena von Zamora im Herzland Nordspaniens. Als Schwester der drei Könige Alfonso VI von Leon, Garcia II von Galizien und Sancho II von Kastilien, die im Wettstreit um den Titel des Vaters von Spanien liegen, ist sie eher der Underdog im Rennen um die Krone Spaniens. Man könnte sogar sagen, ihre Grafschaft ist nur deswegen noch unabhängig und nicht vom Königreich Leon annektiert, weil Urraca mit Alfonso “aufs Heftigste kopuliert”, wie Crusader Kings III es so treffend umschreibt.
Doch dass sich Urraca weder auf der Speisekarte noch auf der Liste der Herausforderer befindet, bringt ihr einen entscheidenden Vorteil. Denn die Gräfin von Zamora ist ausgesprochen versiert im Ränkespiel. Agenten, Mörder und Fälscher sind an ihrem Hof willkommen, und Urraca hat Pläne.

Gräfin Urraca ist geschult in der Kunst der Verführung.

Zunächst nämlich schmiedet sie ein Bündnis. Nicht mit Alfonso von Leon, den hat sie ohnehin in der Tasche. Nein, mit Sancho von Kastilien, der das meiste Land der drei royalen Brüder kontrolliert, und der seine Schwester nur allzu gerne mit in seine militärische Allianz nimmt. Öffentliche Verpflichtungen nimmt man im Mittelalter von Crusader Kings III ausgesprochen ernst. Urraca steht nun unter dem Schutz des mächtigsten Herrschers von Nordspanien. Doch das reicht ihr nicht, von Schutz wird man schließlich nicht satt. Nein, mit dem Ersten der spanischen Erbfolge im Rücken macht sich Urraca an das, was sie am besten kann: Intrigieren. Während sie ihren Alfonso von Leon beschläft, rammt sie ihm ein Messer in den Rücken. Ein tragischer Unfall beim Liebesspiel; wer die bedauernswerte Dame im Bett des ausblutenden Regenten war, wird nie jemand erfahren. Laut Erbfolge der Jimena-Dynastie geht der Titel des Königs von Leon mitsamt seiner Ländereien nun an den König von Kastilien über. Und Sancho II, naiv wie er ist, unterstützt Urraca natürlich gerne in dem gerechten Krieg, den ihre Agenten mit einem vollkommen realistischen Kriegsgrund gegen Garcia um den Thron von Galizien anzetteln.

Königin Urraca Jimena von Galizien kontrolliert nun den nordöstlichen Zipfel von Spanien. Doch ihr Regierungssitz liegt prekär, im Herzland zwischen Leon und Kastilien, umringt vom Reich ihres letzten verbleibenden Bruders. Dieser ahnt immer noch nichts und pflegt ein hervorragendes Verhältnis mit seiner Schwester, doch Urraca kann sich nicht ebenso sehr auf die Gunst seines Nachfolgers verlassen. Wenn Sancho vor Urraca stirbt, gehen seine Titel an sie über; doch sollte ihr zuvor etwas geschehen, erbt er ganz Galizien. Urraca beschließt also, einen zweiten Bruder vorzeitig unter die Erde zu befördern.
Einen bedauerlichen Jagdunfall später trägt Urraca drei Kronen.

Ein nordspanischer Flickenteppich, bevor Königin Urraca Jimena von Galizien, Leon und Kastilien den Thron besteigt.

Nachdem die politische Einheit Spaniens gesichert ist, wendet sich Urracas Blick nach außen. Und sie sieht, dass es um die geographische Einheit nicht gut bestellt ist. Während ihres Coups in Galizien fielen mehrere Grafschaften im Nordosten über Erbregelungen nach Frankreich; von Süden fressen sich die muslimischen Emirate Iberiens unerbittlich durch die Sierra de Guadarrama. Ihr Traum, als Mutter Spaniens in die Geschichte einzugehen, wird sich nicht erfüllen. Erst ihr Enkel Ferdinando I. wird nach dem bedauerlichen frühen Tod ihres Sohnes auf dem Schlachtfeld die Ehre haben, sich “Vater Spaniens” nennen zu dürfen. Über einen politischen Winkelzug sichert sich Fernando I. nämlich einen Anspruch auf den Kaiserthron von Franzien, erschlägt den Kinderkaiser auf dem Pariser Thron und lässt sich selbst in Frankreich krönen. Durch den so gesicherten Anspruch auf die galizischen Grafschaften und mit den französischen Rekruten auf den südspanischen Schlachtfeldern gelingt es ihm, die drei Häuser Galizien, Leon und Kastilien zu vereinigen und sich noch kurz vor seinem Tod vom Papst zum Kaiser von Hispanien krönen zu lassen. Sein Sohn, Antonio I., führt den Erfolg des Hauses Jimena weiter, und erobert nicht nur weite Teile Südiberiens, sondern auch den Kaisertitel des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nachdem bei der reichsrömischen Kaiserwahl ein schwächliches Kind als Marionette auf den Thron gehievt wird.

Mit drei Kaisertiteln gesalbt und ganz Europa unter seiner Herrschaft vereint, erkennt der weise Antonio I., dass kein Herrscher dieser Erde so viel Land und Menschen kontrollieren kann. Er beschließt, die Macht seiner Dynastie auf Kosten seiner persönlichen für alle Zeiten zu stärken. Den Kurfürsten-Wahlrecht unterworfenen Titel des deutschen Kaisers vermacht er noch zu Lebzeiten seinem Sohn Antonio II., den er jedoch im Gegenzug vom Erbe des hispanischen Thrones ausschließt. Jenen soll sein jüngster Sohn Bermudo erben, der sich gerade in einer Ausbildung zum Gelehrten bei einem adamitischen Herzog im byzantinischen Großreich befindet. Die Kaiserkrone von Franzien würde derjenige der beiden Söhne erben, der die meisten Vasallen zu überzeugen weiß.

Die Früchte der Versuchung, die Kaiser Bermudo von Hispanien in die Sünde führen sollen…

Antonio I. konnte nicht damit rechnen, dass sein jüngster Sohn zum Ketzertum finden würde, doch es zeigte sich, dass er recht damit behalten sollte, seine Titel aufzuteilen. Bermudo konvertiert zum freikörperlichen Adamitentum, noch in der Nacht von Antonios Tod, und die darauf folgende Empörung lässt ganz Franzien und weite Teile Nordspaniens in die katholische Umarmung des heiligen römischen Reiches überlaufen. Bermudo, nackt und gerissen, erkennt seinen politischen Fehler schnell. Er war dem Ruf seines Gewissens gefolgt, doch Hispanien ist nun nur noch ein Abglanz seines alten Ruhmes. Zwar schafft Bermudo es, die Muslime vollständig von der iberischen Halbinsel zu vertreiben, doch diese Errungenschaft sollte auf ewig vom Bild des gedemütigten Bermudo überdeckt werden, der beim Papst in Rom um die erneute katholische Taufe und eine Hose fleht.
Bermudo würde jedoch nicht aufgeben, seinem durchlauchten Bruder im Westen das Familienprestige zu neiden. Mit seiner Konvertierung zum katholischen Glauben ist Bermudo erneut in die Erbwahl des römischen Reiches aufgenommen worden, und als versierter Regent hatten ihn die Kurfürsten auch in die Nachfolgerrolle seines Bruders gewählt. Da die Krone des Reiches nun fest mit der Franziens verwoben war, stand erneut die Kontrolle über ganz Europa auf dem Spiel. Es galt nun nur noch, dafür zu sorgen, dass Antonio II. auch tatsächlich zeitig abdankte.

Bermudo würde warten. Aber nicht lange. Denn wer wusste schon, was in der Welt von Crusader Kings III noch passieren würde…


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