Play it once, Sam

Nachdem LucasArts aufgehört hatte an Adventures zu glauben, hätte ich mir nie träumen lassen, Hund und Hase jemals wieder zu sehen. Doch was Steve Purcell und Telltale Games mit Season One geschaffen haben, ist – soviel sei vorab gesagt – eine mehr als würdige Fortsetzung von „Hit the Road“.

Da ich (noch?) kein Sympathisant von elektronischen Vertriebswegen bin, war ich umso froher, dass es die sechs Episoden doch noch in handfester Form in deutsche Regale geschafft haben.
Zuerst die gute Nachricht: Der hiesige Publisher ist nicht Morphium-Con. Die Schlechte: Es ist JoWooD.
Dem Paket wohnen noch einige – in meinen Augen – sinnlose Zugaben bei. Während das „Behind The Scenes“-Video noch ganz nett ist, fällt der Rest eher unter die Rubrik „nutzloses Zeug“.
Das Wichtigste ist jedoch, ohne jegliche Übertreibung, dass auch die englische Sprachversion auf dem Datenträger anzutreffen ist. Warum? Lasst es mich mal so sagen: Die deutsche Version ist (etwas) besser als befürchtet, aber (bei Weitem) nicht so gut, wie erhofft…
Und bevor Ihr Euch falsche Hoffnungen macht: Auf die spielerischen Aspekte werde ich in diesem Artikel nicht eingehen, davon gibt es an anderen Stellen mehr als genug zu lesen. Stattdessen richte ich mein Augenmerk auf die Übertragung ins Deutsche, denn da gibt es zweifellos genug drüber zu schreiben…

Von einer kompletten Übersetzung ins Deutsche zu schreiben, wäre übertrieben. JoWooD war zwar immerhin so engagiert, wieder die Synchronsprecher des ersten Teils zu exhumieren, was sich jedoch leider als kein Indikator für eine gute Umsetzung entpuppen sollte…
Sandra Schwittau macht ihre Sache als psychopathischer Hase zwar meistens ziemlich gut, an einigen Stellen wäre aber eine zusätzliche Portion Wahn- und Schwachsinn in der Stimme angebracht gewesen; immerhin leiht sie einem geisteskranken Langohr ihr Stimmorgan. Enttäuschend leider die Leistung von Hans-Gerd Kilbinger: Während ich über den hörbaren Alterungsprozess noch locker hinweg sehen kann, so nervt mich die Monotonie seiner Zeilen umso mehr. Im Vorgänger ist Sam zwar auch nicht gerade ein Emotionsfanatiker, aber Pragmatik und trockener Sarkasmus sind nicht gleichbedeutend mit emotionslosem Herunterleiern von Sätzen.
Auch die Sprecher der weiteren Haupt- und Nebencharaktere können ihren englischen Pendants nicht das Wasser reichen. Sie sind zwar nicht wirklich schlecht, keinesfalls, aber wenn einem erst mal die Originalsprecher zu Ohren gekommen sind, erkennt man die Qualitätsdifferenzen doch sehr schnell.

Dazu kommt das durchwachsende Niveau der Texte. Kleine Feinheiten, wie die Übersetzung von „little buddy“ als „Kleiner“, statt „kleiner Freund“, wie im ersten Teil, sind da noch harmlos.
Viel schlimmer wiegt die Oblivionisierung einiger Passagen: Mitten im Wort ist bei vielen Beschriftungen plötzlich Schluss. Da trifft es sich gut, dass einige Wörter und teilweise sogar Gespräche noch in Englisch vertreten sind.
Zudem scheint die Wahl der zu übersetzenden Texte nach einem völlig stochastischen Verfahren erfolgt zu sein: Manche Schilder und Plakate sind – oft wortwörtlich („Offen 24 Stunden“ statt „24 Stunden geöffnet“) – ins Deutsche übertragen worden, andere hingegen sind nach wie vor in Englisch gehalten. Teilweise ändert sich die Übersetzung sogar im Verlauf der sechs Episoden: Bisher deutsche Texte werden wieder englisch und umgekehrt.
Als letzten Kritikpunkt möchte ich noch auf den, wie ich es nenne, Enthusiasmus an den falschen Stellen zu sprechen kommen. Nicht nur, dass sogar die Episodennamen mit dem Brecheisen ins Deutsche geprügelt wurden, selbst die Personennamen wurden mit einer fast schon an Besessenheit grenzenden Konsequenz übersetzt, dass es einem kalt den Rücken herunter läuft. Beispiele gefällig? Dass Jimmy Two-Teeth zu Jimmy Zweizahn verunstaltet wurde, ist ja noch halbwegs zu ertragen (Magengeschwür +1), aber bei Leonard Schnitzelflüsterer (ehemals Stakecharmer) und Hugh Bliss als Rainer Segen hört der Spaß dann doch auf. Man wird so manchen Wortwitz nie zu 100% in andere Sprachen übertragen können – hätten sich die Verantwortlichen bei JoWooD doch bloß damit abgefunden…
Ach ja: Dass das animalische Detektiv-Duo öfter mal über Angela Merkel und andere deutschlandbezogene Dinge witzelt ist ungefähr so verwirrend, wie dem A-Team bei Scherzen über „Die Schwarzwaldklinik“ zu lauschen…

Einen ganz dicken Kritikpunkt habe ich mir natürlich noch bis zum Schluss aufgehoben, sonst wäre ich ja nicht der ewig nörgelnde Spiele-Sezierer von uns Vieren.
Er betrifft die technischen Probleme mit der Sprachausgabe, die bei mir ausnahmslos in der deutschen Variante auftraten. Da kommt es des Öfteren in Dialogen vor, dass halbe Sätze abgeschnitten werden oder überhaupt nichts zu hören ist. Sämtliche Versuche diesen Missstand mit dem Herumregeln an der Soundbeschleunigung Herr zu werden scheiterten kläglich. Hier könnte wohl nur ein Patch helfen, dessen Erscheinen jedoch mehr als fraglich ist, da wie hier 1. von JoWooD reden und 2. die Entwickler bereits eifrig an Season Two arbeiten…
Solche eklatanten Fehler sind eigentlich unverzeihlich und werfen die berechtigte Frage auf, wieso sich JoWooD wieder für so einen halbgaren Schnellschuss entschieden hat. Brauchte da mal wieder jemand schnell Geld und wollte die Aktionäre besänftigen?


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