Battlefield Momente 2009

Battlefield Moment 1:

Ich spawne auf einem Flugzeugträger vor Wake Island im Pazifischen Ozean. Eigentlich sollte ich mit einem Landungsboot zur Insel fahren, um einen der fünf, mit Flaggen bestückten Stützpunkte einzunehmen. Leider ist keines der vier Boote mehr da. Meine Mitspieler haben sich alleine ans Steuer gesetzt und brausen über das weite blaue Meer auf die zu erstürmenden Strände zu. Eigentlich passt in jedes dieser Landungsboote unser halbes Team, aber so sind wir egoistischen Videospieler eben. Die beiden Flugzeuge sind natürlich auch weg und so stehe ich auf einem Flugzeugträger, der mehr Boote als Flugzeuge beherbergt und schaue mich unentschlossen um. Dann höre ich eine gegnerische Propellermaschine heranrasen, sehe den Piloten herausspringen und mit dem Fallschirm am anderen Ende des Decks landen. Ich hebe das Gewehr und nehme ihn über Kimme und Korn ins Visier. Es ist ein Scharfschütze. Kurz darauf bin ich tot.

Battlefield Moment 2:

Kaum am Strand gelandet springen wir aus dem Landungsboot und rennen zur ersten Flagge. Wir verharren nur Sekunden, hissen die amerikanische Flagge und sprinten zum Fuß des Suribachi. Nur kurz werfe ich einen Blick nach rechts und sehe die Japaner am Leuchtturm. Sollen sie ihn haben, wir nehmen den strategisch wichtigeren Hügel ein. Vor mir erreichen zwei Mitspieler den Gipfel und werden sogleich vom gegnerischen Kugelhagel niedergemäht. Über einen Schleichweg an der Rückseite des Suribachi sind sie vor uns nach oben gelangt.
Ich erschieße einen Gegner mit drei schnellen Schüssen und renne hinter einen der Bunker in Deckung. Nachladen, kurzer Blick um die Ecke, drei Schüsse, wieder einer weniger. Mit aufgesteckter Gewehrgranate laufe ich zum Flaggenpunkt. Aus dem angrenzenden Haus blitzt Mündungsfeuer auf, zwei Kugeln treffen mich und ich reiße das Gewehr rum, schieße die Granate durchs Fenster und sehe kurz darauf die Hauswand in einer großen Staubwolke explodieren. Mittendrin bricht der Heckenschütze tot zusammen. Der Suribachi gehört uns.

Battlefield Moment 3:

Ich versuche, die Feinde zu umgehen und laufe über den Strand parallel zur Straße, die sich über die gesamte Anhöhe zu meiner Rechten zieht. Niemand ist zu sehen. Nur der Sand knirscht unter meinen Füßen. Dann höre ich die Sirenen, blicke nach oben und sehe die drei Bomber am Himmel. Ein wenig scheint es, als würde sich der Himmel verdunkeln, als sie ihre Ladung über mir abwerfen. Ein Schwarm schwarzer Punkte jagt heran und ich denke nur noch: “Warum hat der Typ im Funkbunker die Bomben ausgerechnet hier abgeworfen? Ich bin doch ganz allein. Hat er was gegen mich?”

Battlefield Moment 4:

Als Scharfschütze habe ich drei Sprengladungen rund um unsere Flagge platziert und mich dann auf einen der Aussichtstürme zurückgezogen. Mit ruhiger Hand ziele ich auf die Basis im Zentrum von Wake Island. Auf einem der Türme sitzt ebenfalls ein Scharfschütze und schon pfeift der erste Schuss an mir vorbei. Ich schieße, verfehle ebenfalls, laufe ein wenig nach links und schnell wieder nach rechts, er schießt, verfehlt, ich hocke mich hin, ziele ganz knapp über die Brüstung vor mir und treffe ihn genau zwischen die Augen. Als ich nachlade und kurz hinunter zu unserer Flagge blicke sehe ich zwei Gegner am Fahnenmast stehen. Schnell ist der Zünder für den Sprengstoff gedrückt und drei Explosionen zerreißen die Hälfte des angrenzenden Gebäudes, die Sandsackbarrikaden und die beiden Eindringlinge.

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Battlefield Moment 5:

Ich spawne mitten im hart umkämpften Gebiet in der Nähe der Flagge und höre gerade noch das Kling-kling der Handgranate.

Battlefield Moment 6:

Ich spawne mitten im hart umkämpften Gebiet in der Nähe der Flagge und höre gerade noch das Rattern der Panzerketten.

Battlefield Moment 7:

Ich spawne mitten im hart umkämpften Gebiet in der Nähe der Flagge und höre gerade noch den Kampfschrei des japanischen Scharfschützen, der mit gezücktem Samurai-Schwert auf mich zu rennt.

Battlefield Moment 8:

Im Funkbunker angekommen dirigiere ich die drei Bomber in Richtung feindlicher Basis. Das erste Flakgeschütz eröffnet das Feuer und bis zum Abwurf verliere ich ein Flugzeug. Die anderen beiden werfen ihre tödliche Ladung Punktgenau ab und lassen keinen Stein auf dem anderen. Als ich den Bunker wieder verlasse, wartet schon ein Gegner auf mich und erschlägt mich mit einem Schraubenschlüssel.

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Battlefield Moment 9:

Ich steige verspätet in ein laufendes Spiel ein und lande in meiner Heimbasis. Bis auf ein einsames Flugzeug sind alle Fahrzeuge ausgerückt, also versuche ich mein Glück in der Pilotenkanzel. Der Start ist kein Problem, das erste Wendemanöver auch nicht, aber beim Versuch, meine Bomben auf einen gegnerischen Panzer zu werfen, zerschelle ich nach wilden Lenkbewegungen am nächsten Berghang.

Battlefield Moment 10:

Ich fahre mit dem Panzer bis kurz vor den Eingang zur Basis und beginne systematisch alle Gebäude niederzureißen. Jeder Kanonenschuss hinterlässt ein riesiges Loch in den Wänden. Spawnt ein Gegner wird er mit dem Maschinengewehr niedergemäht. Bald stehen von den Gebäuden nur noch die unteren drei Reihen des Mauerwerks und jedes Versteck, jeder Schutz für die immer wieder spawnenden Gegner ist verschwunden. Mein Kugelhagel lässt ihnen keine Chance.

Battlefield Moment 11:

Ich stehe auf dem höchsten Gipfel der Insel Guadalcanal und wir werden gleich gewinnen. Die Gegner haben alle ihre Punkte verspielt, ihr Lebensbalken ist so gut wie leer. Ein kurze Musikjingle, der das Ende der Runde einläutet, ertönt und ich blicke ein letztes Mal über die Insel, über die vielen kleinen Hügel, die weite Grünfläche im Zentrum, den kleinen Wald neben der großen Basis, die Küste entlang zum Wrack eines gestrandeten Frachtschiffs und atme kurz durch, bevor der Kampf im Pazifik unbarmherzig weitergeht.

(Anmerkung des Autors: Wenn ich meine eigenen Zeilen nochmal lese kommt mir der Gedanke, was Battlefield 1943 doch für ein kriegsverherrlichendes Videospiel ist. Es gibt kein Blut, Gegner schreien beim Tod kurz auf und verschwinden dann spurlos, nur um wenig später an anderer Stelle wieder aufzuerstehen. Außerdem rennt man auf wunderschönen Inseln bei Traumwetter herum und es gewinnt derjenige, der mehr Flaggen hisst. Niedlicher kann man den zweiten Weltkrieg kaum darstellen. Auf der anderen Seite wird aber der kleinste Fehler sofort bestraft und der virtuelle Tod lauert hinter jeder Ecke und schlägt in Form der anderen Spieler unbarmherzig zu. Also verniedlichter Krieg mit harter Hand. Eigentlich wie alle WWII Shooter, nur nicht in braun/grau.

Lest ihr das hier immer noch? Ich verschwinde jetzt summend: “Dedum dumdedum dum”.)

 


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10 Kommentare

  1. HomiSite - 29.08.2009 13:12

    Ja, das gute Battlefield 1943. Die meisten geschilderten Momente hab ich so oder ähnlich auch schon erlebt. Jedoch bin ich noch nicht hundertprozentig warm mit dem Spiel geworden:
    Meist ist eine Partie entweder richtig packend (meist bei gutem Squadplay) oder nur frustig. Mit Flugzeugen habe ich fast noch nix getroffen, Fallschirm geht nie, generell finde ich das Trefferverhalten gewöhnungsbedürftig – Sperrfeuer aus MGs (z.B. beim Panzer) kann man vergessen, die MP scheint mir auch zu schwach. Vielleicht spiele ich zu oft CoD4, aber dort kann ich die Feuergefechte mehr „fühlen“.

    PS: Und wann patchen sie mal bei BF1943 die Grafikfehler?

  2. Einzelspieler - 29.08.2009 15:09

    Sehr schön. Gut getroffen. :) Also das Spielerlebnis, meine ich.

    Für eine Runde zwischendurch taugt Battlefield immer. Aber es darf nicht zu spät sein, denn dann sind zuviele Cracks auf den Servern unterwegs.

  3. Kreon - 29.08.2009 17:31

    Hm… es wäre wirklich mal interessant zu sehen, einen Multiplayer Shooter in dem man wirklich das Gefühl hat in einem Krieg zu sein.
    Ansonsten muss ich sagen gefallen mir die Battlefield-100qm Level-Spiele persönlich weniger als Spiele ala Team Fortress 2.
    Ich habe persönlich habe lieber rasante Action in konzentrierter Form auf kleineren Karten als auf gewaltigen Inseln.

  4. zentur - 29.08.2009 18:26

    Schöner Text.

    Was mir persönlich aber am BF1943 nicht gefällt ist die Tatsache das beide Parteien grundsätzlich auf dem Flugzeugträger anfangen.

    Das ist imho totaler quatsch. Das war im original auf dem PC besser gelöst. Die Japaner versuchen die Insel zu halten und die Ami’s landen an den Stränden.

    So wie das jetzt ist machen die ganzen Bunker keinen Sinn

  5. Daniel - 30.08.2009 00:20

    Ich finde die Waffen zusammen mit der geographischen Position recht ausbalanciert. Wer sich mit der MP aufs freie Feld wagt, der wird natürlich sofort umgenietet. Verteidigt man aber gerade eine Flagge können schnell drei Gegner im Nahkampf erledigt werden.
    Meistens war ich aber mit dem Gewehr unterwegs, weil es sowohl im Nah- und Fernkampf effektiv ist.

    Die Bunker sind wirklich kaum zu gebrauchen. Selten wird ein Team komplett auf den Flugzeugträger zurückgedrängt um danach die Verteidigungsanlagen sinnvoll zu nutzen. Nur der Suribachi bildet da eine Ausnahme. Die stationären MGs sind dort super, solange kein Scharfschütze in der Nähe ist.

    Ich finde nur die MGs an Jeep und Panzer sehr schwach. Wer diese bedient ist ein einfaches Ziel und häufig viel zu träge für die schnellen Fußsoldaten. Dafür wird die Macht der MG des Panzerfahrers unterschätzt. Wenn man nicht direkt in eine feindliche Basis fährt, sondern etwas entfernt auf die immer wieder herausstürmenden Gegner wartet, kann man damit sehr viel Schaden anrichten.

    Für mich ist jetzt aber nach 100 Spielen erstmal die Luft raus. Hoffentlich schiebt EA/Dice irgendwann ein paar neue Karten nach.

  6. Nille - 30.08.2009 15:37

    Mir fällt gerade ein: Die globale Erwärmung scheint schon ganz schön an den Battlefield-Schauplätzen genagt zu haben. ;)
    [url]http://maps.google.com/maps?f=q&source=s_q&hl=en&geocode=&q=wake+island&sll=37.0625,-95.677068&sspn=34.671324,56.513672&ie=UTF8&ll=5.880979,-162.081728&spn=0.042519,0.087891&t=h&z=14[/url]

  7. Kazoom - 31.08.2009 08:21

    Mich hat Battlefield 1 Woche gut unterhalten und für ein schnelles Spiel ab und an ist es auch jetzt noch gut.

    Allerdings fehlt mir die Langzeitmotivation und Abwechslung. Es gibt keinen Grund nicht als Rifleman unterwegs zu sein.
    Die Panzerabwehrklasse ist absolut unnütz (MP: 1 Gegner = 1 Magazin, warum die Panzerfaust überhaupt dabei ist, habe ich bis jetzt nicht verstanden, selbst der Scharfschütze ist effektiver gegen Fahrzeuge) und für die Sniper gibt es im Prinzip auch nur eine unterhaltsame Karte.

  8. Frank - 31.08.2009 10:20

    Hatte damals die PC-Demo von 1942 gespielt, war ganz lustig; aber aus welchem Grund auch immer habe ich mir nie die Vollversion geholt.

    Die Demo von 1943 hab ich mir aus Mangel an für mich tauglichem XBL-Arcade Nachschub dann auch prombt gezogen; ca eine halbe Stunde später dann auch die Vollversion freigeschaltet. Hab aber nach rund 50 Matches den Spass an dem Spiel verloren. Nicht dass es schlecht wäre, nur fehlt mir persönlich die Langzeitmotivation. Da helfen die freispielbaren Postkarten auch nicht viel.

    Und wer hat eigtl. dieses dämliche Feature mit dem Auto-Ammo-Respawn erfunden?

    Dass die Panzerfäuste sinnlos sind kann ich so eigtl. nicht unterschreiben, ich hatte einen Heidenspass damit mich an Panzer anzuschleichen und diese dann zu erledigen. Erheiternd fand ich auch die Situation in der ein vollbesetzer Jeep auf einer der Wake Island Einfallstraßen wild ballernd auf mich zu fuhr und ich ihm per Panzerfaust einen Freiflug über meine Wenigkeit beschert hab. Das war irgendwie schon fast filmreif :) MOMOMOMONSTER KILL!!!

    Das normale Gewehr war mir persönlich eigtl. fast ein wenig zu „imba“, daher hab ichs nur selten genutzt. Den Großteil der Zeit hab ich lauernd als Sniper versucht gegnerische Spieler am anderen Ende der Karte auszuschalten. Was mich an dem Scharfschützengewehr ein wenig gestört hat, war dass man auf Distanz sowohl vorhalten muss als auch noch genau den Kopf treffen um einen „Oneshotkill“ zu bekommen. Vorhalten OK, kann ich mit leben, jedoch ist es auf große Distanz schon schwierig genug einen laufenden Gegner zu erwischen, dann aber auch noch genau den Kopf? Das ist fast unmöglich und wenns dann klappt purer Zufall…. Vielleicht bin ich an der Stelle auch zu sehr durch Cod4 verwöhnt, aber naja….

    Soweit so zwiespältig, allerdings mal eine Frage in die Runde: Bin ich der Einzige dem die Steuerung so schwammig und indirekt vorkommt?

    Gruß
    Frank

  9. cartman - 31.08.2009 23:47

    herrlicher artikel, vor allem dank der spwannenden momente.

    ich kenne zwar nur die pc-versionen der bf-serie, aber für zwischendurch und mit einem gescheiten squad gibt es nüscht besseres.

    an alle riflemen, die sich versteckt an gelungenen kopfschüssen aufgeilen: ICH HASSE EUCH! :'(

  10. Noname - 01.09.2009 10:07

    Hachja, ich spiele gerne noch ab und an eine Partie Battlefield Vietnam. Am schönsten ist es immer wieder, wenn man so ungefähr 10 Minuten an die feindliche Basis heranpirscht, sich ein Flugzeug oder Helikopter schnappt und dann von einem der eigenen Leute gepflegt mit der SA-7 zerlegt wird.

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