Kingdom Two Crowns: Pixelkunst, die ufft

Drei Textentwürfe später will ich meine Nintendo Switch abfackeln. Es ist eher ein spontaner Gedanke, kurz nachgedacht, dann vorgestellt – und doch gelassen. 300 Euro Gegenwert zerstören, das muss man sich leisten können und das kann ich nicht, solange ich den Text zu Kingdom: Two Crowns nicht beende.

Kingdom: Two Crowns ist ein 2D-Spiel, unter anderem erschienen für die Nintendo Switch. Ich laufe nach links und rechts, während ich in meinem Königreich nach links und rechts laufe. Es ist das simpelste Spielprinzip der Welt, nur in scheißkomplex. Kein Tutorial, keine Hinweise, keine Einführung in das Spielgeschehen, stattdessen: Das Infragestellen meines Lebens. Wo wäre ich heute, wenn ich damals, an jenem groß behandelten Tag, jener Stunde des Sieges, also, nur des vermeintliches Sieges, nun, eigentlich der Niederlage, der brutal wummernden Niederlage mit dem verfickten Lottoschein, Diggi was, jeweils nur eine Zahl nach links oder rechts und ich hätte und wäre und dies und das, und mein Leben im Glitzerschein des Kontostands würde euch alle blenden, wo wäre ich also heute, wenn die simple Entscheidung über Links oder Rechts so viel ändern kann?

Mindestens interessant könnte man Kingdom: Two Crowns nennen. Wenn ein Videospiel derartige Gedanken auslöst, ist das doch schön, schmusig, hach, wie lieblich können Pixel sein?

So ist das aber nicht. Kingdom: Two Crowns langweilt mich. Es ist ein wunderhübsches Spiel, diese Sexyness in Pixelgrafik, wie das leuchtet und schimmert und betört, da kommen Vibes auf, die selten sind, aber dann, das Spielprinzip, uff, es ufft so sehr. Es macht müde, träge. Mein Königreich baue ich auf, indem ich den Herrscher oder die Herrscherin nach links oder rechts steuere, Aufgaben verteile und Monster abwehre, wenn ich allerdings eines davon zu spät in Auftrag gebe, zum Beispiel die Arbeiter kurz vor Einbruch der Nacht zum Baumfällen schicke, werden sie von Feinden ihrer Arbeitskleidung entledigt. Oder mein noch nicht fertig reparierter Zaun wird zerstört, obwohl er eigentlich piksen soll. Jetzt sonntagt er da so herum, keine Energie, kein Nutzen, erschlafft.

Derart viele Möglichkeiten führen zu dutzenden Strategien. Und die ersten zwei, drei Stunden begeistert das, nur habe ich ein Problem: Bald geistert es nur noch. Kingdom: Two Crowns wird nervig, es wiederholt sich, eigentlich wiederholt es bereits das Prinzip von Teil 1, wobei das kein Grund für Kritik ist, letztlich hat sich der Ego-Shooter in den vergangenen 15 Jahren auch nicht entwickelt, das stimmt schon, aber in der königreichen Welt von Kingdom komme ich nicht weiter; genau genommen komme ich doch schon weiter, baue ein Schiff und schippere in eine andere Welt, was dort auf mich wartet, weiß ich aber bereits: das Gleiche.

Hoch anrechnen muss ich Kingdom: Two Crowns dennoch eines: den Umgang mit mir; es war zuweilen unhöflich, geradezu derbe frech, wie es sich auf der Festplatte der Nintendo Switch räkelt und leise säuselt: „Spiel mich, nimm mich, gönn‘ dir, gib mir“, was ich auch tat, wie soll ich dem widerstehen?

Ein beständiges, ja, aber kurzes Vergnügen. Nach spätestens einer Stunde wollte ich keine Wälle mehr bauen und Bäume fällen und Bogen basteln und Münzen sammeln.

So habe ich mehr Zeit mit dem Schreiben der Textentwürfe verbracht, von denen in dieser Fassung nichts übrig blieb. Ein besonderes, ein seltenes Spiel ist Kingdom: Two Crowns somit.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Fuck it, der Text ist fertig. Ich bin frei.


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3 Kommentare

  1. SpielerZwei - 14.03.2019 19:02

    Es kommt ja nicht oft vor, aber dies ist einer dieser Texte, bei denen ich herauslese „Gut, dem Autor hat es nicht gefallen und ich verstehe warum, aber für mich könnte das glatt etwas sein…“.
    Wie sieht es denn auf der Switch mit Bugs aus? Die PC-Version scheint da ja echt Probleme zu machen…

  2. Jannick - 14.03.2019 19:10

    Also Bugs habe ich keine erlebt. Nur die Ladezeit zu Beginn des Spiels ist lang, also ich meine: sehr, sehr lang. Fast schon störend, obwohl mich das sonst nicht so kratzt.

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