Manchmal kommen sie wieder

Ja na klar, ich bin selbstverständlich immer im Bilde und total am Puls der Zeit. Videospiele sind mein Metier, ich kenne einfach alles. Zumindest fast. Gelegentlich rutscht auch mir mal was durch, logo. ALLES kann ich schließlich auch nicht wissen, auch wenn ich gelegentlich so tue. Metal Wolf Chaos ist so ein Fall. Irgendwie gehört hatte ich von dem Spiel schon früher, denke ich. Also ganz genau weiß ich es auch nicht, irgendwo ist es mir mal untergekommen. Ganz bestimmt.

Ein großes Ding war das, ja. Also eigentlich nicht, denn das ist im Westen ja gar nicht erschienen, ursprünglich. Und das, obwohl die Sprachausgabe komplett Englisch und die verhandelten Themen sehr… nun, amerikanisch waren. Und dann war das Ganze auch noch ein Exklusivtitel für die erste Xbox. In Japan! Verblüffend. Und wie gesagt, obwohl Metal Wolf Chaos im Westen nicht nur kein großes, sondern eigentlich überhaupt kein Ding war, schleimte es sich über die Zeit in das kollektive Gedächtnis der hiesigen Spielefans. Das liegt unter Umständen auch am Aufstieg Youtubes zur Mitte der 00er-Jahre, wo amüsierte Spieler*innen Videos dieses reichlich beknackten Spiels hochluden.

Denn beknackt ist Metal Wolf Chaos tatsächlich für zwei. Spielerisch eine mehr oder weniger originelle 3rd-Person-Mech-Knallerei, schaltet es in puncto Geschichte und Setting voll in den Absurditätsmodus. Kurz umrissen: Der Vizepräsident der USA startet einen Putsch im eigenen Land, der Präsident, dessen Rolle wir übernehmen, versucht dieses mit geballter Mech-Gewalt zu verhindern. Diese Prämisse, unterfüttert mit einer unnachahmlich japanischen Mischung aus ungebremster Verrücktität und Schmiermetal from hell, reichte damals, um den Freund*innen des gepflegten Schwachsinns ein Wonnegefühl zu bescheren.

Was das Spiel in der Gunst der Feens dieser Tage noch weiter steigen ließ ist der Umstand, dass Metal Wolf Chaos ein Kind des allseits beliebten Entwicklers From Software (ja, genau DIE) ist. Gespielt haben es damals wohl die Wenigsten, was vermutlich kräftig zum Status des allseits bekannten Geheimtipps beigetragen haben wird. Denn es ist leichter sich über ein Video zu beömmeln, als über ein Spiel, das für sich genommen eventuell nicht übermäßig reizvoll ist.

Und das hat Metal Wolf Chaos, das jetzt von Devolver in der „XD“-Variante (hihi) neu aufgelegt wurde, im kulturellen Gedächtnis lebendig gehalten. Dass es sich um ein Original-Xbox-Remaster handelt, sieht man ab der ersten Minute. Alles ist ziemlich grau, eckig und verwaschen. Für jemanden wie mich, der keinerlei warmen Gefühle für frühe(re) 3D-Grafik empfindet, ist das schon der erste Abturner. Dass auch das Spiel abseits der Präsentation reichlich eckig ist (see what I did there?), macht es nicht besser. In erster Linie latscht man halt mit seinem Mech durch die Gegend, knallt sich durch Gegnerhorden, befreit Geiseln, besiegt dicke Bossgegner usw. Das alles mit einem Waffenarsenal, das man mit der Zeit aufleveln kann etc. pp. Das funktioniert alles ziemlich okay und irgendwie soll das so ähnlich wie Armored Core sein, las ich irgendwo. Aber das habe ich auch nie gespielt.

Das klingt jetzt alles ziemlich lustlos und hey, das ist versinnbildlichend für meine Spielerfahrung. Ich hatte anfangs schon Bock auf das Spiel, wegen eben seines Status, wurde aber zuverlässig ernüchtert und strich nach einigen Missionen die Segel. Witzigkeit kennt keine Grenzen, Humor ist wenn man trotzdem lacht und kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie es ist. Und dennoch genießt man Metal Wolf Chaos XD, wie oben angedeutet, wohl am besten als Video, da einem dann das Spiel nicht in die Quere kommt. Was man jedoch würdigen sollte und gut finden kann ist der Umstand, dass Devolver und From dieses Kuriosum aus der Japan-Xbox-Exklusivität befreit und einem großen Publikum zugänglich gemacht haben. Denn auch wenn es kein gutes Spiel ist, stellt Metal Wolf Chaos schon ein Kulturphänomen dar. Ein bisschen. Irgendwie. Und das ist für ein Videospiel in jedem Fall bemerkenswert.


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