Portal – Ocarina of War

Viele Leute, die in der Vergangenheit behaupteten, man könne Krieg nicht spielen, sind nun eines Besseren belehrt. In Vigil Games‘ Darksiders reitet Krieg auf Ruin durch die Gegend und verspritzt Dämonenblut im vierstelligen Liter-Bereich. Krieg ist einer der 4 Reiter der Apokalypse und ziemlich gereizt (siehe Dämonenblut).

Um was es in Darksiders geht, dürfte inzwischen jedem Interessierten geläufig sein, deshalb möchte ich in diesem Text mehr auf spielmechanische Aspekte eingehen. In diesem Zuge wird es sich nicht vermeiden lassen, ein paar Dinge zu spoilern. Wer Darksiders noch auf seiner Liste stehen hat, liest ab jetzt auf eigenes Risiko.

Um eines klarzustellen: wir haben es hier mit dem am dreisteten zusammengeklauten Flickenteppich zu tun, der mir bisher untergekommen ist. Jeder, der es gespielt hat, dürfte sich an God of War [Grundsetting], Zelda [Waffen, Lebensbalken, Level- und Rätseldesign] und natürlich Portal [wtf?!] erinnert fühlen. Wer ein bisschen genauer hinschaut, kann aber auch eine Reminiszenz an Panzer Dragoon Orta [Engelsbestie] finden. Sind euch noch weitere aufgefallen?

Ich habe gerade mit Absicht ein Mal von „klauen“ und ein Mal von „Reminiszenz“ gesprochen. Das ist natürlich Auslegungssache. Der Designer wird wahrscheinlich von Letzterem sprechen, ebenso wie ein potenzieller Fanboy. Ein kritischer Konsument hingegen wird wohl eher von geklaut sprechen. Ist aber auch erstmal nicht weiter schlimm, wenn gut geklaut wurde. Und da macht Darksiders fast alles richtig. Bis auf ein paar Kleinigkeiten.

Ein klarer designtechnischer Fauxpas ist die Herausforderung, was die Endgegner betrifft. Eigentlich ist man es gewohnt, dass die Zwischenbosse von Boss zu Boss stärker und ehrfurchteinflößender werden. Nicht hier, sie werden nicht nur nicht schwerer, sondern sogar leichter. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass man im Verlauf des Spiels mehr Leben und bessere Waffen und Fähigkeiten hat, denn das würde durchaus Sinn machen. Nein, die Gegner an sich werden schwächer. Kein Gegner nach Tiamat hat es geschafft, mir mehr als zwei Balken abzuziehen. Bei keinem anderen habe ich mehr als einen Versuch gebraucht. Die Quälerin zum Beispiel ist ja wohl ein Vollwitz.

Zudem offenbart das Spiel (in der PS3 Version) noch so einige handwerkliche Mängel. Gut, die Kamerasteuerung kann einem manchmal gewaltig auf den Zünder gehen, vor allen Dingen, wenn man Dinge unter Zeitdruck erledigen muss. Dies ist allerdings zu verzeihen, da es anscheinend dem derzeit gültigen Industriestandard entspricht. Mal im Ernst, eine Kamera, die so gut ist, dass sie einem nicht das ein oder andere Mal übel auffällt, ist mir bewusst noch nicht untergekommen.

Viel schlimmer wiegen da die diversen Clipping-Fehler. Darksiders hat es bei mir dreimal geschafft, dass ich in Wänden oder an Abgründen derart fest hing, dass ich das Spiel neu starten musste. Das darf heutzutage eigentlich nicht mehr passieren. Gut, in Sacred 2 ist das auch häufiger mal vorgekommen, aber das war von Ascaron. Und die haben schließlich einen Ruf zu verlieren.

Die Krönung war allerdings ein kompletter Systemabsturz während eines Reitausfluges. Ohne nennenswerte Action auf dem Bildschirm, maximal 4-5 Gegner. Keine Ahnung, was da passiert sein mag, bei einem wiederholten Spielen der Szene trat der Fehler nicht mehr auf.

So, genug gemeckert. Nachdem ich meinen Text mal gelesen habe ist mir aufgefallen, dass der Titel irgendwie ziemlich schlecht wegkommt. Schlechter als er eigentlich ist, immerhin habe ich ihn durchgespielt. Trotz (oder wegen?) der Klauerei und trotz der angeführten Kritik ist Darksiders ein Spiel, das durchaus Spaß macht. Die (design-)technischen Unzulänglichkeiten verhindern leider, dass man sich in dem Spiel verliert. Was schade ist, denn wenn das mit der Immersion besser geklappt hätte, dann hätte man selber zum Krieg werden können.


Tags: , , , , , , ,  

7 Kommentare

  1. SpielerZwei - 06.02.2010 18:17

    Bin mal gespannt, wie mir das Teil gefällt. Nachdem mich Bayonetta kürzlich an den Rand des Amoklaufens gebracht hat, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich außer GoW noch andere Vertreter des Genres liebhaben kann…
    Ich habe Darksiders witzigerweise schon seit 2-3 Wochen eingeschweißt auf dem Schreibtisch liegen. Mass Effect 2 sorgt aber gerade dafür, dass ich nicht mal daran denke, die Folie aufzureissen bevor ich wieder mal die Galaxie gerettet habe. Statt dessen gedenke ich, heute Nacht endlich durch das Portal zu fliegen und den Kollektoren den Arsch aufzureissen. ME2 hat mich wieder genauso fest im Griff wie Teil 1. Sehr tolles Spiel!

  2. Jander - 06.02.2010 18:49

    Höhö, netter Seitenhieb auf Ascaron. ;D

    Die beschriebenen Clipping-Fehler sind bei meinem Durchspielen nicht aufgetreten, allerdings hatte ich einen Freeze, als ich Ruin gerufen habe. Nett finde ich, dass in diesem „Review“ nicht auf dem Tearing herumgeritten wird, da es meiner Meinung nach wirklich zu vernachlässigen ist und dem Spielspaß nichts nimmt.

    Darksiders mag sich bei anderen Spielen bedient haben, zeigt aber im Gegensatz zu Dante’s Inferno, dass man da trotzdem ein sehr unterhaltsames Spiel draus machen kann.

  3. spieler eins - 06.02.2010 22:44

    hab darksiders mangels interesse erst zu ca. 2/3 durch, halte es für einen wirklich vernachlässigbaren „best-of“ actiongame-clon, der zwar nix falsch macht, aber leider auch nix besonders gut/neu/originell. ein zelda für leute, denen zelda zu „kindisch“ ist („digga isch spiel KRIIIIEEG! uarrr! voll fett – und dazu hör ich MEEETAAAL!! yeah!). als budgetgame für’s sommerloch wäre es aber sicher okay gewesen

  4. Aulbath - 06.02.2010 22:56

    „Alder, ich bin KRIIIIEEG! uarrr! voll goil – und dazu schön MEEETAAAL!! yeah!“

    So habe ich das meinen Kumpels erzählt :)

    Darksiders = Super.

  5. spieler eins - 06.02.2010 23:13

    ich hatte bei diesem kommentar auch genau dich vor meinem geistigen auge :)

  6. Aulbath - 06.02.2010 23:20

    Hmmm, ist das jetzt gut oder schlecht :'(

  7. SpielerZwei - 25.02.2010 17:04

    Nachdem ich es durch habe, muß ich mal eine Lanze für das Spiel brechen:
    Ich fands sehr geil! Ja, es ist eine Mischung aus God Of War und Zelda, wobei es anfangs mehr GoW ist und den Schwerpunkt im Verlauf immer mehr in Richtung Zelda verschiebt, da die Rätseldichte und -schwierigkeit ansteigt. Ich dachte beim Spielen zwar oft an diese beiden Spiele, aber die Bezeichnung „Klon“ ist dann doch zu negativ, um Darksiders gerecht zu werden. Hat mich super unterhalten das Teil! Ich wäre einer Fortsetzung mit allen 4 Reitern, so wie das Ende es andeutet, ganz sicher nicht abgeneigt. Hat mir auf jeden Fall besser gefallen als der alberne und überzogen schwere Devil May Cry Klon (Bayonetta)…

    P.S.: Die technischen Mängel, von denen Holger sprach, konnte ich auf der 360 nicht feststellen. Liegt anscheinend an der PS3…

Hinterlasse einen Kommentar