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Wie ist unser Vektor, Victor?

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Der Traum von Flugzeugspielen am heimischen Elektrogerät ist so alt wie Grobi. Ich war schon immer von Flugzeugen fasziniert und damit ist natürlich klar, dass ich meine Zeit immer gerne mit diversen „Simulatoren“ zugebracht habe. Ihr wisst schon, ganz vorne war natürlich Microprose mit „F-15 Strike Eagle“, „F-117 Nighthawk“ und diesem ganzen Quatsch. Sogar diese B-17-Variante habe ich ausprobiert und Nazi-Deutschland bombardiert, aber das war ja stinkend langweilig. Meine Favoriten waren damals das gute, alte „F/A 18 Interceptor“ (weil man im Combat-losen Rumdümpelmodus cool unter den Brücken von San Francisco durchfliegen konnte) und „Gunship 2000„, weil dieser Kampfhubschrauber-Simulator einfach eine verdammt gute Spielmechanik geboten hat. Hubschrauber ausrüsten, im Tiefflug an die Ziele heranpirschen, die Geländedeckung ausnutzen und immer kurz hinter Hügeln aus circa 3 Polygonen hervorpreschen, um erst die gegnerische Luftabwehr und anschließend das Primärziel zu bekämpfen. Ich war immer sehr, sehr aufgeregt, wenn sich meine Cockpitaussicht langsam über den Hügelkamm schob und ich dann die Ziele beschießen musste, bevor mich das feindliche Radar erfasste – immerhin eine Sache von wenigen Sekunden. Ach, diese Spannung!

Solche Handarbeit wird ja heute kaum noch gemacht. Ein Umstand, dem sich dieses Jahr schon ein raffiniert geschriebener RPS-Artikel gewidmet hat. Vielleicht bin ich auch selbst schuld, denn ich hocke ebenfalls nur noch vor meiner XBox, deren Controller gerade genügend Knöpfe hat, um einen GTA-Hubschrauber halbwegs adäquat zu steuern und vielleicht ein bisschen zu schießen – aber wenn’s dann an Feineinstellungen geht, hört’s auch schon wieder auf. Für eine gepflegte Modernisierung von „Comanche“ oder „Wings“ sollte das allerdings ausreichen. Wo wir gerade von „Wings“ sprechen – Cinemaware FTW! Aber ich schweife mal wieder ab, bedecke die Vernachlässigung meines PCs mit dem Mantel des Schweigens und schwenke über zu einem Spiel, dass für die Controller-Fast-Food-Generation wie gemacht ist:
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„Tom Clancy’s H.A.W.X. 2“. Keine Ahnung, wofür die Abkürzung steht, ist auch egal – Hauptsache, der Zusammenhang zur Welt des Tom Clancy wird deutlich. Damit ist auch die Geschäftsidee hinter diesem Titel klar: Afterburner + kitschiger Militärschmonzes = H.A.W.X. Die *hust* Storyzusammenhänge mit anderen Spielen fallen wahrscheinlich noch nicht mal Clancy-Veteranen auf, deshalb werden sie auch vom Spiel mit der Nase drauf gestoßen. Aber auch das ist egal. Im Kern geht es um Fliegen und Ballern. Das könnte einem Simpel wie mir ja fast schon reichen. Und oft habe ich während meines Spiels die 3rd Person-Kamera kreisen lassen, um mich an den Details meiner fliegenden Kiste zu ergötzen. Wenn wir schon bei Augenweiden sind: die einem Satellitenbildunternehmen abgekauften Landschaftsdigitalisierungen sehen richtig, richtig toll aus – leider nur bis zu mittleren bzw. niedrigen Flughöhen, denn darunter fängt die Welt an, in unscharfen Texturen abzusaufen. HAWX2 sieht also auch nur teilweise gut aus und klingt auch nach der generischen Kriegsmasche mit Militärdramamusik und peinlichen Sprüchen und Briefings, die einem die Fremdschäm-Röte ins Gesicht treiben. Gut, was bleibt da noch? Richtig, das Spiel. Aber auch hier liefert „H.A.W.X. 2“ bei Weitem kein tragfähiges Konstrukt ab. Da wäre das Flugmodell. Ihr habt richtig gelesen: DAS Flugmodell. Singular. Da gibt’s vielleicht vage unterschiedliche Parameter bei Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und dem Beginn des Strömungsabrisses – aber auch nur „vielleicht“. Das Spiel gibt mir allenfalls Informationen über die Geschwindigkeit zurück und effektiv ist es einfach egal, ob ich mit meiner A-10 im extrem langsamen Tiefflug Panzerkolonnen zu Altmetall verarbeite oder die F-22 kurz vor der Schallmauer durch einen Luftkampf steuere. Eigentlich hat man auch gar keine Zeit, sich um diese Feinheiten zu kümmern, denn ob nun Luft- oder Bodenziele bekämpft werden – immer geht es darum, die Flugzeugnase Richtung Gegner zu drehen, entweder die Zielaufschaltung abzuwarten oder manuell zu feuern und sich nach dem Treffer dem nächsten Ziel zuzuwenden. Währenddessen darf man sich noch um anfliegende Raketen kümmern, die entweder per Täuschkörper abgelenkt werden oder – wenn diese verschossen sind – denen man durch exzessives Rumkurven ausweichen kann. Die ausgeschlafenen Leser werden bemerkt haben, dass dieses Ausweich-Rumkurven in direkter Konkurrenz zum Zielanvisier-Rumkurven steht. Echt, Leute: die Spielmechanik ist ähnlich ideenlos, wie das Szenario austauschbar. Mit Skill hat der Missionserfolg jedenfalls nichts zu tun. Mehr mit Zufall. Die einzigen Ausnahmen sind meines Erachtens die Landung auf einem Flugzeugträger ohne Unterstützung (wird konsequent mit einem Achievement belohnt) und das Auftanken in der Luft. Beides ist nicht besonders schwer, erfordert aber zumindest mal 5 Minuten Konzentration und ’ne ruhige Hand.
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Um das Luftkampf-Einerlei zu durchbrechen, gibt es noch eine Handvoll etwas “anderer” Missionen. Zum Beispiel die mit den Drohnen, in denen man eine solche von Zielmarkierungsübung zu Zielmarkierungsübung steuern muss; mitunter darf auch mal mit Raketen geworfen werden. Und dann wäre da noch die Kopie der berühmt-berüchtigten Gunship-Mission aus “Modern Warfare” – ein dreister Klon, bei dem man natürlich nicht das Flugzeug steuert – das wäre für ein Flugzeug-Spiel auch etwas viel verlangt – sondern die Geschütze bedient und Tod von oben regnen lässt. Zusammen mit den eins zu eins kopierten Zwischensequenzen mit ausgelutscht grünstichigen Satellitenbildkamerafahrten darf sich der benebelte Spieler hier auch mal kurz verwirrt fühlen und sich fragen, in welcher Militärwerbungs-Spieleserie er sich jetzt eigentlich befindet. “Hawx of Modern Honor”, oder wie? Der Rest… ist Schweigen. Es gibt noch ein paar Sondermodi, wie Storymissionen mit erschwerten Parametern oder die Survivalmaps, auf denen man mehrere heranrasende Gegnerwellen abwehren muss. Das ist eigentlich noch ganz unterhaltsam, kommt der Arcade-Faktor hier doch ein bisschen zur Geltung und durch bestimmte Aktionen und dem Sammeln von Erfahrungspunkten kann ich Features und Flugzeuge freischalten und eine etwas obskure „Flugzeugmeisterung“ aufleveln, die wohl beschreiben soll, wie gut ich das Flugzeug beherrsche und mich mit Sonderlackierung oder frei zu gestaltender Waffenkonfiguration belohnt. Das bringt zwar nix – okay, Multiplayer habe ich nicht getestet – aber versucht zumindest leidlich, das Gefühl der inhaltlichen Leere und des Stillstands zu übertünchen. Im Grunde ist sowas anspruchsvolles wie Langzeitmotivation hier nicht vorhanden und wer sich durch den Singleplayer gekurvt hat, sitzt vor den Endcredits und wundert sich, was er da gerade gemacht hat und wieso einem so schlecht ist. Ich nenne es das „Post-Whopper-Syndrom“: zuviel Fett, kein Nährwert, aber dafür latentes Unwohlsein. Ach was, „H.A.W.X. 2“ hat noch nicht mal Fett, denn das würde ja zumindest kurzfristig ein bisschen glücklich machen.

Und wer macht mir jetzt „Comanche“ oder „Wings“? Oder gar *lufthol* „Wing Commander„?

Grobi hat für diesen Text ein von Ubisoft zur Verfügung gestelltes Exemplar von „Tom Clancy’s HAWX 2“ für die Xbox 360 gespielt.


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8 Kommentare

  1. plasticactor - 11.10.2010 03:29

    Mein Beileid für’s Durchspielen.

    Das Genre nennt sich wohl Flug Em Up :D

  2. Manu - 11.10.2010 11:37

    Ich habe es auch mal ein Stündchen angespielt im Singleplayer und kann Grobis Meinung leider nur unterstreichen. Ist leider nicht so der große Wurf geworden.

  3. Missingno. - 12.10.2010 00:48

    Ach ja, Gunship 2000, daran habe ich zwei Gravis Joysticks zerspielt bis ich beim Sidewinder gelandet bin.

    Die einzigen Ausnahmen sind meines Erachtens die Landung auf einem Flugzeugträger ohne Unterstützung (wird konsequent mit einem Achievement belohnt) und das Auftanken in der Luft. Beides ist nicht besonders schwer, erfordert aber zumindest mal 5 Minuten Konzentration und ’ne ruhige Hand.

    5 Minuten eine ruhige Hand? Da ist es ja schwerer im Flugsimulator auf dem blöden Träger zu landen. Oder in USNF. Das habe ich einmal so lange probiert, bis es geklappt hat. Danach durfte das der Autopilot machen. ;)
    Aber es ist ja wohl sowieso klar, dass ein *-„Sim“, was (nur) für Konsole kommt, nix taugen kann, oder?

  4. Nass - 12.10.2010 01:15

    Bei Gunship2000 und Comanche klingelt noch was bei mir. Ich hatte damals diesen schweren Knüppel von CH, den Flightstick Pro und war mächtig stolz drauf damit meine Kreise in der Luft zu fliegen.
    Gab es nicht damals auch von LucasArts bzw. LucasFilm Games dieses Secret Weapons of the Luftwaffe?
    Hat das von Euch einer gespielt? Weiß noch, wollte das immer unbedingt haben aber es hat nicht sollen sein :(

  5. Manu - 13.10.2010 14:20

    i ♥ Voxel!

  6. Pascal - 13.10.2010 14:48

    Ich hasse Flugsimulationen jeder Art, aber Whopper sind jetzt ja mal echt der König unter den Burgern (no pun intended, ehrlich).

  7. Manu - 13.10.2010 18:05

    ich nenne Pascal ab sofort nur noch Cartman.

  8. Pascal - 14.10.2010 13:01

    Da bist du nicht der einzige >.< Aber wartet mal, Comanche Teil Irgendwas hab ich als ganz kleiner Bub glaube ich sogar gespielt, aber ich bin zu jung für diesen Scheiß.

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