Skyrim auf der PS4

Was musste ich mich in den ersten fünfzehn Minuten zusammenreißen, die Skyrim Special Edition auf der PS4 nicht gleich wieder auszuschalten. Die langweilige Intro-Sequenz des Original-Skyrims überzeugte damals nur beim allerersten Spielstart so halbwegs. Begann man das Spiel später mit anderen Charakteren erneut oder startet man es jetzt eben auf der PS4 erstmals, muss man das gesamte Intro mit seinen langen, nicht interaktiven Filmsequenzen und hölzernen Dialogen erneut durchleben. Ohne eine Möglichkeit, vorzuspulen oder Teile davon zu überspringen.

Das stößt einen gleich zu Beginn auf zwei wichtige Erkenntnisse: den Spielstand des PS3-Skyrims aus dem PSN zu importieren, um direkt die DLCs Dawnguard und Dragonborn nachzuholen, die ich damals auf der PS3 verpasst habe, ist nicht möglich. Zweitens beschränkt sich die SE im Wesentlichen darauf, den technischen Unterbau und die Grafik Skyrims zu überholen. Änderungen am eigentlichen Spiel wurden selbst dort nicht durchgeführt, wo sie sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand umsetzbar gewesen wären.

Skyrim mit schöneren Wolken

Sobald man das Intro hinter sich gelassen hat und frei in die Welt hinausstapft, ohne der Hauptquest zwingend folgen zu müssen, tritt das allerdings in den Hintergrund und das Spiel entfaltet seinen altbekannten Sog. Zu dessen Hauptelementen gehört sicherlich das Sightseeing. Die 7.000 Stufen nach Hoch-Hrothgar hinaufzusteigen, bleibt ein Erlebnis. Die Musik von Jeremy Soule ist immer noch grandios und die Darstellung der Landschaften und des Wetters wurde gegenüber der PS3-Fassung erheblich aufgewertet. Gerade die neuen Wassereffekte, der dichtere Pflanzenbewuchs und die hübscheren Wolken sorgen dafür, dass Skyrim SE zu den Spielen gehört, bei denen ich regelmäßig auf die Screenshot-Taste drücke. Die neuen Lichteffekte, insbesondere die Sonnenstrahlen, überzeugen mich allerdings nicht restlos, obwohl technisch einwandfrei und hübsch anzusehen. Im Vergleich zur bläulich kühlen Optik des Originals, die einen erst glaubhaft in den Norden versetzte, sorgt die Sonne nun aber häufig für gelb- bis orangestichige Bilder.

Skyrim in orange
Ein weiterer Pluspunkt ist die deutliche Verkürzung der Ladezeiten bei jedem Betreten einer Stadt, eines Dungeons oder eines Gebäudes. Auf der PS3 hatte Skyrim grundsätzlich arg mit dem begrenzten Arbeitsspeicher – wie auch mit dem einen oder anderen Memory Leak der Engine – zu kämpfen, was zu schwer erträglichen Lade-Orgien führte. Das ist auf der PS4 kein Thema mehr, auch wenn natürlich mehr drin gewesen wäre: Mit Mods kann man die Ladebildschirme beim Betreten von Städten entfernen. Die Städte sind dann schlicht komplett in die Außenwelt integriert. So etwas hätte eine Special Edition auch ruhig von sich aus leisten können, ohne Mod-Einsatz.

Dass es Mods nun auch für die Konsolenfassungen gibt, wird vielerorts als großer Vorteil angepriesen. Richtig ist natürlich, dass PC-Mods die Lebensdauer Skyrims erheblich verlängert haben. Auf der PS4 dürfen Mods allerdings keine neuen Assets enthalten. Im Store findet man deshalb bisher vor allem Cheats, Bugfixes, aufgebohrte Grafikeffekte und Komfortfunktionen wie beispielsweise die Möglichkeit, das Spawnen der Vampire aus Dawnguard in Städten abzuschalten, damit keine wichtigen NPCs von ihnen getötet werden. Wer aber auch nur eine einzige Mod installiert, und sei es nicht mehr als ein neuer Schnee-Effekt, schaltet damit automatisch die Trophäen ab. So leid es mir tut: Ich habe bisher im Store noch nicht eine einzige Mod gesehen, die es mir wert wäre, auf die Achievements zu verzichten. Dass Skyrim auf der PS4 mit einer komplett neuen, von der PS3-Fassung unabhängigen Trophäenliste aufwartet, hilft bei der Problematik auch nicht unbedingt.

Wolkenverhangene Berge in Skyrim

Wem kann die Special Edition auf der PS4 nun eigentlich empfohlen werden? Rollenspielbegeisterte Konsolenspieler im PlayStation-Universum, an denen Skyrim bisher vollständig vorbeigegangen ist, sollten zugreifen – stellt sich nur die Frage, wie viele es von denen überhaupt noch gibt. Wenn man das Spiel schon von der PS3 kennt, ist die Sache komplizierter. Die Download-Erweiterungen kamen damals aus technischen Gründen sehr viel später als für alle anderen Plattformen auf die PS3. Wer sie – so wie ich – verpasst hat, könnte sie nun mit der Special Edition nachholen. Glücklicherweise muss man nicht die komplette Hauptquest durchspielen, um die Questlinien zu Dragonborn oder Dawnguard zu starten.

Ob es sich lohnt, dafür noch einmal annähernd 50 Euro auszugeben, zumal man im Gegensatz zur PC-Version seinen möglicherweise locker über 100 Stunden schweren Spielstand aus dem bisherigen Spiel nicht mitnehmen kann und der Mod-Support der PS4-Fassung im Vergleich zu allen anderen Plattformen deutlich hinterherhinkt und meines Erachtens erst noch beweisen muss, dass er überhaupt praktisch zu irgendetwas gut ist, das muss dann jeder für sich selbst entscheiden.

Sonnenstrahlen in Skyrim


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