„Da steht ein Jahreswechsel auf′m Flur! Ein echter Jahreswechsel auf’m Flur! Ja, Ja ein Jahreswechsel auf′m Flur! Der ist so nieeeeeedlich! Und guckt mich aaaaannn!!“ So sangen wir gestern noch beschwingt, bis die Gastgeberin uns nahelegte, dass es doch langsam Zeit sei zu gehen. Macht nichts! Denn heute steht schon wieder ein neues Jahr parat und der Jahreswechsel hat hoffentlich nicht in den Flur geschissen, bevor er ihn verlassen hat. Alles andere als scheiße war das Gamingjahr 2025. Mensch, wat war’n da Perlen dabei, ja leck‘ mich anne Füße! Dementsprechend ist auch unser obligatorischer Polyreuxblick wieder sagenhaft saftig und unglaublich umfangreich geworden. Das ist schön, weil ihr einerseits ordentlich was zu lesen habt, während ich euch durch die erste Januarwoche langweilt. Und andererseits haben wir den ganzen Spielekram des letzten Jahres aus dem Kopp, um uns 2026 das Hirn von all den neuen Videospielhighlights frittieren zu lassen. Es wird geil und ihr seid mit dabei! Danke euch und uns für ein großartiges Jahr auf Polyneux.de! Und ein Extra-Dank an Dr. Jörg, der wieder für die formidablen Grafiken gesorgt hat. Jetzt aber flott fertig werden hier, damit ihr euch den Reuxblick auch schafft, bevor 2026 schon wieder vorbei ist. Viel Spaß und bleibt uns gewogen!

1000xResist [Console Release]

Jenni (SILBER): Iris überlebt als einziger Mensch ein tödliches Alien-Virus. Sie klont sich viele Male, gründet eine Art Kult um sich als Allmutter herum, was allerdings viele Probleme verursacht. Als einer dieser Klone in einer fernen, undefinierten Zukunft erforschen wir Iris Erinnerungen und versuchen, diese mit ihrem verherrlichenden Bild von ihr zusammenzubringen. Ein unfassbar gut gemachtes Spiel, was mich in seiner Dichte und Machart sehr überrascht und mitgerissen hat.

30 birds
Jenni: Super schönes ARTE-Adventure, in dem die Vogelgöttin nach ihrem langen Schlaf von einem bösen Zauberer entführt wird. Um sie kontaktieren und zurückholen zu können, braucht man die namensgebenden 30 Vögel, die man in der bunten Stadt aus fliegenden und drehbaren Laternen erstmal finden und überzeugen muss.

9 Kings
Pascal: Meine Weihnachtsobsession Nummer 1. Ein wunderbar kurzweiliges Strategiespiel, bei dem man durch nebeneinander platzierte Gebäude und Figuren eine Verteidigungsarmee aufstellen muss, die dann in Autobattles angreifende Gegner besiegt. Clever wird’s dabei durch die Synergieeffekte nebeneinerstehender Bataillone, die sich gegenseitig buffen, beschützen und so weiter. Lasst euch nicht von der Kartenoptik der Figuren abschrecken, wenn euch Deckbuilder so nerven wie mich – damit hat es spielerisch wirklich gar nichts zu tun.

A Game About Digging A Hole
Norman: Ich habe in der Woche vor Weihnachten 3 Stunden lang ein Loch in einem Garten gebuddelt, Steine, Silber und Gold abgetragen, Upgrades eingekauft und am Ende einen Schatz gefunden. Das Spiel ist genauso blöd, wie man es sich vorstellt, aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.
Pascal: Nett, aber merklich auf die Streamer-Bubble und „OMG Did You See That?!?1!“ Momente ausgelegt. Hab das Durchspielen nicht bereut und freue mich auch für den eigentlich sehr nischigen deutschen Publisher Rokaplay, dass sie da so einen Hit an der Hand haben, aber den kommenden Nachfolger werde ich nicht mehr spielen müssen.

Afterlove EP
Jenni: Ein Musiker einer Band fällt ein Jahr lang in ein sehr tiefes Loch, nachdem seine Freundin sehr plötzlich stirbt. In dieser Zeit vernachlässigt er nicht nur sich selbst, sondern auch seine Freundschaften und ersetzt seine ganze Welt durch die Stimme seiner Freundin in seinem Kopf, mit der er weiterhin über alles spricht. Nach dem Jahr versucht er wieder zurückzufinden und wir können entscheiden, wie er das tut. Entschuldigen wir uns bei Menschen? Fangen wir eine Therapie an? Lassen wir uns vielleicht sogar auf jemand neuen ein? Oder versinken wir weiterhin in unserer Trauer? Eine extrem berührende Geschichte, der das quasi fehlende Gameplay kaum etwas ausmacht.

The Alters
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma
Lebenswege
Christian: Was habe ich mich darauf gefreut! Die Trailer und Previews haben mich echt heiß gemacht, auf das neue Werk der Frostpunk-Macher:innen. Dass es mich dann nicht sonderlich lange fesseln konnte, lag an dem seltsamen Mix aus Basenbau und Welterkundung, dem teils frickeligen Abbau von Ressourcen und einer Grundidee, die zwar schön ist – jedoch einerseits recht lieblos durch Bilder und Texte präsentiert wird und andererseits auf der seltsamen Prämisse fußt, dass man nur sich selbst klonen kann, obwohl die eigentliche Schiffsmannschaft tot in der Landschaft verstreut liegt und das Klonen eben dieser eigentlich viel effizienter sein sollte. Tja, nun…
Norman: Endlich, ein Spiel bei dem Spieler:innen schon in der ersten halben Stunde ewig viel Uninteressantes lesen sollen, um eine Bindung mit der Hauptfigur aufzubauen und danach vor allem Ressourcen managen. Geht mal weg damit.

SpielerZwei (GOLD): Diese Jahr hat mich kein anderes Spiel so sehr begeistert wie The Alters. Es ist ein ausgezeichnetes Management-/Survival-Spiel mit einer ungewöhnlich starken Narration. Interessanterweise fanden fast alle Leute in meinem Dunstkreis, dass genau diese eher nervt: „Joa, ist ein echt schickes Spiel und die Mechaniken gehen auch gut von der Hand. Wenn da bloß nicht das viele Gelaber mit den Klonen wäre…“ – Tja, ist schon verrückt. Da gibt ein Studio seinem Aufbauspiel einen ungewöhnlichen Spin, damit es aus dem altbekannten Genre herausragt, und dann ist das auch Vielen nicht recht… Aber mir egal, dann gebe ich The Alters eben erst recht den Gold-Pokal! So!

American Arcadia
Jenni: Ich hatte einen Truman Show-Abklatsch erwartet und habe dann doch etwas komplett Neues bekommen. Der Protagonist Trevor lebt zwar auch unwissenderweise in einem riesigen Filmstudio und versucht zu fliehen, aber mit seinen vielen Wendungen, in die unsere Insider-Freundin Angela uns hinein manövriert, und auch durch die visuellen Tricks blieb der Platformer dauerhaft spannend!

Another Farm Roguelike: Rebirth
Janina: Du optimierst gerne deine Stardew Valley Farm bis zur letzten Vogescheuche, aber das idyllische Dorfleben kann dir gestohlen bleiben? Genau hier setzt Another Farm Roguelike an, ein Spiel so zweckmäßig wie sein Titel. Das rundenbasierte Ausknobeln der perfekten Taktik zum Geld scheffeln hat allerdings einen Nerv bei mir getroffen, und besetzt eine Lücke im Farming Genre, von der ich vorher nicht dachte, dass sie besetzt werden muss.

Arc Raiders
Polyneux tritt nach. Episode 17: Polyneux investigativ
Polyneux tritt nach. Episode 18: Sein Sohn, die Kaulquappe

Christian (GOLD): Bis zum Playtest im Frühjahr hatte ich praktisch noch nichts von diesem PvPvE-Extraction-Shooter aus dem Hause Embark – dem Studio hinter dem grandiosen The Finals – gehört. Was einem hier geboten wurde, konnte aber bereits mit manchen längst etablierten – und mehrfach gepatchten -Titeln den Boden aufwischen. Die Release-Fassung steht dem in nichts nach. Was man auch an den anhaltend hohen Spielendenzahlen und dem Umstand ablesen kann, dass unzählige neue, monothematische Youtube-Channels rund um das Spiel in Rekordzeit gewachsen sind und selbst Spieler:innen, die mit Extraction Shootern bislang gar nichts anfangen konnten, angerannt kommen (mich selbst eingeschlossen). Als Konsequenz daraus vergebe ich in diesem Jahr nicht nur einen, sondern gleich zwei goldene Pokale. Und der erste geht ganz klar an ARC Raiders.
Norman: Christian hat mich zum Ende des Jahres erfolgreich mit seiner Hype-Seuche für diesen Titel angesteckt, obwohl Extraction Shooter eher körperliches Unwohlsein in mir auslösen. Und was soll ich sagen, es ist ein gutes Spiel. Das liegt vor allem am Sounddesign des Spiels und der ständigen Frage: Schießt das Schwein da vorne auf mich oder können wir, in dieser von schießwütigen Robotern überlaufenden Welt, vielleicht doch friedlich koexistieren? Die Arcs stampfen und zurren nah oder fern, das Aufbrechen der Lootschränke ist wahnsinnig laut und ständig hat man Angst, dass der gelootete Schrott doch noch geklaut oder ein riesiger Roboter auf meine Spielfigur aufmerksam wird. Dann startete ich Elden Ring Nightreign und merkte, dass das Wühlen in Kisten für Plastikteile oder Gummibänder auf Dauer doch nicht ganz so spannend ist.

Assassin’s Creed Shadows
Norman: Wer schon mal einen Teil der Reihe gespielt, weiß genau was hier passiert: ein paar Stunden Spaß, potente Grafik, dann die Realisation, dass dahinter das gleiche Assassin’s Creed steckt wie immer. Eine lauwarme Rachegeschichte mit unzähligen Nebenaufgaben, Aussichtspunkten, feindlichen Festungen und farbcodiertem Loot, das man schon nach wenigen Spielstunden ignoriert. Also alles beim Alten, Assassin’s Creed Shadows ist ein weiteres mittelmäßiges Ubisoft-Spiel, an das man nach drei Monaten nur noch denkt, weil es für 60 % Rabatt in jedem Sale landet.

Atomfall

SpielerZwei (SILBER): Rebellion’s Open-World-RPG ist sehr britisch, sehr schick, sehr schräg-witzig und ganz anders als die meisten anderen Open-World-RPGs. Es gibt nicht die eine Hauptquest mit Nebenaufgaben, sondern sechs Story-Lines, die alle zum Ende führen. Je nachdem, wie man es angeht, dauert es unter 10 Stunden oder weit über 30 Stunden. Die Schwierigkeit kann man in gleich drei Bereichen individuell einstellen, so dass eigentlich kein Spieler-Typ auf der Strecke bleibt. Diese alternativen 60er-Jahre sind so frisch und haben mir dermaßen Spaß gemacht, dass ich dafür glatt einen Pokal rausrücke!

Avowed
Protect my companions at all costs!

Jenni (GOLD): Eigentlich ist das Action-RPG überhaupt nicht mein Genre, aber ich wollte wegen Obsidian zumindest mal in Avowed reinspielen. Dann wars aber plötzlich doch so schön und witzig und vor allem die Companions haben sich alle zu den besten Freund*innen der Welt entwickelt und nichts konnte mich davon abhalten, auch fast alle Nebenquests einzusammeln, um möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen.
Norman: Hier hat Urs dieses Jahr vermutlich das erste Mal „Game of the Year“ geschrien, ist ja auch ein Titel von Obsidian. Aber auch ich hatte hier Spaß: Das lag zum einen an der wundervollen Spielwelt, über die ich mich zwar nach den ersten Trailern eher abschätzig äußerte, aber die mich doch schnell in ihren Bann zog. Zum anderen waren es die gut geschriebenen Quests und Nebenfiguren, die meine stumme Hauptfigur begleiteten. Marius und Kai waren großartig, auch wenn ich nach 12 Stunden schon zu neuen Ufern aufgebrochen bin.
Urs: Was für ein Jahr! Obsidian beglückte uns 2025 gleich mit zwei CRPGs. Und obwohl sie beide aus dem gleichen Stall kommen, unterscheiden sich das weiter unten besprochene The Outer Worlds 2 und Avowed merklich! Das drückt sich nicht nur im Sci-Fi- bzw. Fantasysetting aus, sondern auch in der Mechanik. Während erstgenanntes ziemlich straight der Fallout-Formel folgt, sind bei Avowed Look und Feel deutlich anders. Dazu gibt es noch melee-trächtiges Kampfsystem mit ordentlich Wumms! Das Sahnehäubchen sind aber die hervorragend geschriebenen Gefährt:innen, deren Geschichte und emotionales Innenleben uns durch die genretypischen (Side-)Quests und Lagerfeuergespräche nähergebracht werden. Dass sich Avowed sein Universum mit Pillars of Eternity teilt, schadet sicher auch nicht. Zwar habe ich letzteres nicht gespielt, aber ich hatte immer das Gefühl, mich in einer konsistenten Welt zu bewegen, die hinter den Grenzen des Spielareals noch weiter geht. Ein weiterer Beweis, dass Obsidian es einfach drauf hat. Hoffen wir, dass sie uns noch lange erhalten bleiben und nicht auch der wahnwitzigen Geschäftsstrategie Microsofts zum Opfer fallen.

Ball x Pit
Pascal: Meine Weihnachtsobsession Nummer 2. Das perfekte Steam-Deck-Spiel für mich, in seiner Kombination aus Pinball, Brickbreak und Vampire Survivors. Dass man im Metagame dann auch noch ein Dorf aufbaut, ist dann nur das Krönchen auf dem fesselnden Konzept. Ach, erwähnte ich, dass dieses Dorf ebenfalls eine Pinballkarte ist und man Dorfbewohner zum Abernten der Felder in es hineinflippert?

Battlefield 6
Christian: Der Kampf der Giganten! Während Call of Duty sich ein weiteres Jahr auf das Re-Skinnen eines bestehenden Titels zum Vollpreis beschränkt, setzt Battlefield 6 alles daran, den desaströsen Vorgänger vergessen zu machen – und gewinnt damit nicht nur die Herzen der BF-Community zurück. Nein, sogar die CoD-Gemeinde pilgert in Heerscharen ins gelobte Land, um der inflationären Welle an kunterbunten Nicki-Minaj-Skins ein für alle Mal den Rücken zu kehren. Wie gut, dass die herausragend pathetische und herausragend egale Singleplayer-Kampagne all die stumpfe Doofheit von CoD mehr als kompensiert und Freunde eigentlich deutlich schnellerer und leichter zu meisternder Arcade-Shooter-Action sich auch hier schnell heimisch fühlen. Und auch EA wäre nicht EA, wenn ihnen nicht noch Mittel und Wege einfielen, dem endlos langen Waffengrind in BF6 mit Pay-to-Win-Mechaniken ein adäquates Mittel zur Spielendenvergraulung entgegenzusetzen. Aber hey, die Saudis wollen ihren Invest schließlich auch florieren sehen.

The Berlin Apartment
Pascal: Ein kleiner Diamant aus, Überraschung, Berlin. In fünf Episoden verfolgen wir das Leben in einem spezifischen Apartment in Ostberlin, die sich natürlich hauptsächlich um den 2. Weltkrieg und die DDR drehen, aber auch die Covid-Isolation nicht aussparen. Gerade die Episode um 1933 hittet wirklich hart. Und das ganze ohne mahnenden Zeigefinger, sondern einfach als gut erzählte Geschichten durch die Augen von Unschuldigen und Betroffenen.

Blue Prince
Polyneux tritt nach. Episode 13: Shit in der Pipeline

Janina (GOLD): Mein Spiel des Jahres kam völlig aus dem Nichts und hat mich auf eine Weise gefesselt, wie es seit Ewigkeiten keines mehr geschafft hat. Die Grundmechanik mit den Räumen wäre ja alleine schon ganz nett, aber was seinen wahren Reiz ausmacht, zeigt Blue Prince erst, wenn man begreift, dass das Ziel nur ein Köder ist. Und dass es eigentlich zahhlose Ziele gibt. Die Welt, die sich dann auftut, hat mich immer wieder zum Staunen und sogar zum aufgeregt Aufspringen gebracht. Es gibt so viel zu entdecken und zu rätseln, dass ich ein komplettes Notizbuch gefüllt habe! Selbst der Glücksfaktor, den man anfangs als Störfaktor vermuten könnte, spielt keine wirkliche Rolle mehr. Blue Prince ist für mich pure Perfektion und enorm belohnend. Vor allem hat es mir gezeigt, dass ich immer noch so begeistert von einem Videospiel sein kann, dass ich mich reinknie wie in eine Abschlussprüfung. Das hat mir dieses Jahr wirklich gut getan.
Norman: Nachdem ich erst 2023 durch The Talos Principle 2 meine Liebe für Rätselspiele entdeckte, dachte ich natürlich: Toll, endlich kann ich mich wieder so richtig smart fühlen, während ich stundenlang mit halboffenem Mund auf meinen Fernseher starre. Allerdings merkte ich recht schnell, dass Blue Prince so gar nichts für mich war. Ich saß bereit, mit Stift und Block, wurde aber mit der Roguelike-Element des Titels und dem zufallsbasierten Ziehen der Räume überhaupt nicht warm.

Pascal (SILBER): Ich komme nicht drumherum, ich muss Blue Prince aufs Treppchen heben. Kein anderes Spiel meiner gesamten Spielelaufbahn hat mich jemals dazu gebracht, ein echtes Notizbuch aus Papier aufzuschreiben. Diese Mischung aus von Brettspielen inspirierten Puzzle-Games, Roguelight-Plättchenlegen und Denktwister a la The Outer Wilds hat mich so sehr fasziniert, dass ich wirklich alles gemacht habe, von dem die Community bisher weiß. Und das, obwohl ich Puzzlegames üblicherweise nicht mag. Aber die räumliche Integration von Rätseln, die wiederum andere Rätsel in sich verschachteln, hat mein Gehirn auf höchst angenehme Weise gekitzelt. Eines der besten Puzzlegames aller Zeiten, fürchte ich, und für mich absolut auf einer Stufe mit The Outer Wilds.
Urs: Ach ja, da hatte ich doch auch reingespielt! Ich bin leider zu dumm für solche Spiele, aber ich freue mich, dass sich so viele daran erfreuen können. Freude find‘ ich immer erfreulich.

Bokura: Planet
Janina: Ein niedlich aussehendes, aber thematisch gar nicht mal so harmloses Co-Op-Puzzle-Abenteuer, das für mich leider nicht ganz an seinen Vorgänger herankommt. Ein, zwei Rätsel waren zu frustrierend, aber insgesamt hat es doch wieder Spaß gemacht.

Bye Sweet Carole
Pascal: Ich bin immer skeptisch, wenn Spiele sich allein über ihre Optik bewerben, schlucke diesen Impuls aber bei Indiegames meist herunter. In Bezug auf Bye Sweet Carole hat sich meine Angst leider bewahrheitet, denn hier steckt außer dem zum Werben genutzten “Sieht aus wie ein abgefuckter Disney-Film” nicht viel drin. Schlechte Stealth-Sequenzen, viel Wiederholung und schwammige Steuerung, dazu eine ziemlich furchtbare englische Sprach- und Schriftausgabe machen hieraus einen Flop.

Cabernet
Jenni: Sind auch Sie eines nachts alleine in einem Keller aufgewacht, um herauszufinden, dass sie zum Vampir geworden sind? Keine Sorge! Trinken Sie Cabernet, um möglichst stressarm durch ihre Allnacht zu kommen. Beim Trailer war ich noch unsicher, ob das Spiel sehr großartig oder sehr durchschnittlich werden würde und zum Glück ist es ersteres geworden! Es steckte so viel komplett unerwartetes in diesem Spieleschatz. Sehr geschickt werden gesellschaftliche Probleme in die Vampirgeschichte eingeflochten, so dass man sich automatisch mitten in ihnen wiederfindet. Eine sehr besondere Veröffentlichung!
Urs: Ich weiß gar nicht mehr, wer mich darauf gebracht hat, aber Cabernet ist eine der Perlen, die dieses Jahr unterm Radar geflogen sind. Und wenn ihr euch wundert, seit wann Perlen fliegen können und an welcher Stelle da ein Radar ins Spiel kommt, spitzt jetzt eure Bleistifte. Cabernet ist ein RPG mit starken Adventureanklängen, das neben einem schönen Grafikstil mit einer Vampirgeschichte mit viel Herz besticht. Protagonistin Liza wird im Osteuropa des 19. Jahrhunderts zum Vampir, obwohl sie doch eigentlich Ärztin werden wollte. Verdammte Axt! Selbstredend ist das Leben als Vampirärztin geprägt von Widersprüchen und moralischen Dilemmata. Es ist an uns, Liza dabei zu begleiten und die Geschichte zu einem (hoffentlich) glücklichen Ende zu führen. Und zumindest ich hatte in einigen Momenten auch eine kleine Träne im Knopfloch. Leider gibt es ein paar technische und inszenatorische Schwächen. So ist das Spiel auf der Switch etwas wackelig und manche Figur ist hörbar von begeisterten Amateur:innen gesprochen. Aber trotz dieser kleinen Mängel ist Cabernet für RPG-/Adventure- und vor allem Vampirfreund:innen absolut empfehlenswert!

Call of Duty: Black Ops 7
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma
Polyneux tritt nach. Episode 16: Uncanny Ellenbogen

Christian (KACKHAUFEN DES JAHRES): Ja nee, komm‘, geh‘ weg. Lass gut sein und mal ein paar Jahre ins Land gehen, ehe Activision den Karren wieder aus dem Dreck gezogen hat. Das brauchte jetzt wirklich kein Mensch.
Norman: Hier sind sich die Expert:innen einig, dass das der Spiele-Scheißhaufen des Jahres ist. Habe kein Gegenargument.

Cauldron
Janina: Könnte ich mit Idle Games etwas anfangen, hätte ich wahrscheinlioch mehr Freude an Cauldron gehabt. Mir gibt es einfach nichts, wenn langweilige Kämpfe, statt sie spannender zu gestalten, einfach automatisch ablaufen. Wieso sind sie dann überhaupt da? Einige der Minispiele haben Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, was andere hieran finden… aber ich bin einfach nicht die Zielgruppe. Dass mir trotzdem 12 Stunden Lebenszeit gestohlen wurden, spricht wahrscheinlich für Cauldron.

Citizen Sleeper 2
Jenni: Hab direkt zur Veröffentlichung des Nachfolgers beide Spielteile am Stück durchgesuchtet. Großartige Science-Fiction-Geschichte, die mich stellenweise auch viel an Murderbot erinnert hat. Besonders finde ich aber vor allem die Mechanik, mit der man täglich seinen Würfelwurf für seine Aufgaben einsetzen muss, was einen manchmal wie bei chronischen Krankheiten in den Überlebensmodus bringt, statt sichtbaren Fortschritt zu erreichen. Dadurch entstehen sehr interessante Situationen, die das Spiel zu etwas sehr Besonderem machen.

Civilization VII
Was für Civ VI Catan, ist für Civ VII ein Taschenrechner
Pascal: Leider kein guter Nachfolger zu einem meiner Lieblingsspiele aller Zeiten. Firaxis hat zwar einige spannende Ideen aus anderen 4X-Spielen zusammengeklaut, aber die funktionieren fast genauso wenig wie bei den Vorlagen Humankind und co. Außerdem möchte ich von Firaxis auch eigentlich keine bessere Kopie vorhandener Systeme sondern ein genredefinierendes Meisterstück, denn genau das war bisher jedes einzelne Civ-Spiel vorher. Das darf dann auch ruhig erstmal etwas rough und schlecht balanciert sein, denn die Updates zu Civ V und VI waren herausragend. Leider bietet VII dafür nicht wirklich eine gute Basis, glaube ich, denn das Grundkonzept der unterschiedlichen Ären ist schlicht misslungen – so sehr sogar, dass Firaxis schon begonnen hat, es herauszupatchen.

Clair Obscur: Expedition 33
Polyneux tritt nach. Episode 13: Shit in der Pipeline
Polyneux tritt nach. Episode 14: Woke.

Christian (GOLD): Herzlos, wer hier nicht geheult hat. Ahnungslos, für wen das nicht der absolute Titel des Jahres ist. Clair Obscur: Expedition 33 bringt gerade durch den Rückgriff auf alte Tugenden frischen Wind in das Genre der Final-Fantasy-ähnlichen JRPGs. Wo diese sich in immer mehr Echtzeit-Action verrant haben, serviert uns Clair Obscur klassische, taktische Rundenkämpfe und garniert sie mit Reaktionsspielchen sowie einer Story und einem Soundtrack zum Dahinschmelzen. Gold, die zweite!
Norman: Opfer, wer hier geheult hat. Ja bla, es ist ein nettes Spiel, aber abseits der spaßigen Kämpfe sind mir vor allem der schmierige Soundtrack und die maximal-pathetischen Figuren im Kopf geblieben – nur eben nicht positiv. Wer auf Hyper-Kitsch steht, wird hier super bedient.
Pascal: Clair Obscur schrammt für mich nur ganz leicht am Treppchen vorbei. Es ist das beste RPG des Jahres, ganz klar, es ist ein Überraschungserfolg, es hat tolle Figuren, tolle Optik, tolle Charaktere, und es ist ein unglaublich ermüdender Teil des Online-Diskurses, in dem es als Retter der Videospielindustrie überhöht wird und das Team gleichzeitig in der Kritik steht für seine Nutzung der Plagiatsmaschinerie, die wir “AI” nennen. Auch wenn sich in letzterem nun immerhin eine klare Positionierung von Sandfall ergeben hat. So oder so, dieses Spiel ist ein Meilenstein, wie man es auch dreht und wendet, und als solchen möchte ich ihn hier auch feiern, auch wenn ich vermutlich in ein paar Jahren ähnlich wenig an dieses Spiel zurückdenken werde wie an die meisten Final Fantasy-Teile, mit denen es ja eifrig verglichen wird.
Urs: Okay. Ich verstehe, dass dieses Spiel in seinem Genre alles richtig macht und es ist offenkundig auch technisch kompetent umgesetzt. Aber trotz eines aufrichtigen Versuchs konnte ich mich damit nicht anfreunden. Selbst nach über zehn Stunden gab das Kampfsystem mir nichts und auch das Erkunden der Welt bereitete mir keine Freude. Der absolute Killer waren neben der schmierigen Musik aber die Figuren. Ich bin der Letzte, der nur abgewichste Kompetenzbolzen als Protagonist:innen sehen will, aber dieses Dauergewinsel von Teilen des Casts war unerträglich. Wenn ich Nerds flennen sehen will, verbrenne ich ein paar Funko Pops in der Fußgängerzone oder so. Und spätestens als der erste emotionale Höhepunkt des Spiels bei mir statt Ergriffenheit nur Genugtuung auslöste, wurde deutlich, dass da nichts passieren würde zwischen mir und Expedition 33. Fast schade, aber am Ende egal.

Clues by Sam
Janina: Früher habe ich mir immer mal diese Logik-Trainer-Rätselhefte am Bahnhof gekauft, um einige Seiten daraus auszufüllen und sie dann auf dem Nachttisch einstauben zu lassen. Dieses kostenlose Browser-Game ist im Grunde genau das, mit einer bequemen Steuerung und ohne Staub. Und Kriminellen, es gibt wirklich viele Kriminelle. Täglich erscheint ein neues Rätsel und ich habe dieses Jahr viel zu viele davon gelöst.

Constance
Pascal: Was Feines von der btf aus Köln. Leider voll in die Post-Silksong-Metroidvaniaermüdung gecrasht, zumindest bei mir. Ich werde dem sicher irgendwann noch einmal eine längere Chance geben, denn Constance ist ein toll gezeichnetes, super smooth zu steuerndes 2D-Plattforming-Game mit tauglichen Kampfsystem. Wenn ich Kritik hätte, dann wäre das eigentlich nur dass die Bosse mehr Plattforming als Kampf fordern, aber für viele Leute ist das ja genau das Richtige.

Consume Me
Pascal: Das Spiel dieses Jahr, das ich gerne mehr geliebt hätte, als ich es tue. Ein RPG voller Minigames über die wilde Teenagerzeit, mit Fokus auf die mentale Last, die auf Teens liegt? Leider ist das Ding knüppelhart (wobei das definitiv Absicht ist und die Botschaft auch trägt) und sorgt deswegen dafür, dass der harte Game-Over-State, der sehr leicht zu erreichen ist, allzu oft passiert. Das bringt viel Wiederholung mit sich, die gepaart mit Zufallsevents auch nicht unbedingt beim zweiten Versuch zum Erfolg führt. Schade, aber immer noch ein extrem wertvolles künstlerisches Projekt.

Cook Serve Forever
Pascal: Eine meiner Überraschungen des Jahres. Ich ging enttäuscht hinein, weil es ein Singleplayer-Storyspiel statt eines Multiplayer-Kooptitels ist (Cook, Serve, Delicious 2 ist einer meiner liebsten Couch-Koop-Titel aller Zeiten) und war angenehm investiert in die nette kleine Geschichte und die süßen Figuren, als ich nach nicht einmal 10 Stunden fertig damit war. Gebt ihm eine Chance.

Date Everything
Jenni: Da verliert man am ersten Arbeitstag wegen KI seinen Job, bekommt dafür aber eine Brille, die alle Haushaltsgegenstände zu potenziell date-baren Personen zum Leben erweckt, man kennt das! Die insgesamt 100 neuen Leute, die man nun jeden Tag treffen kann, sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können, von schüchtern, abweisend, prollig, elegant, bis zu extrem horny, was auch immer man sucht, man kann es finden. Extrem unterhaltsame Backstorys und Adventure-Quests haben mich langfristig überzeugt. Mein einziger Wehmutstropfen war, dass es keine neuen Unterhaltungen mit denen gibt, mit denen man bereits einen der drei möglichen Status (Hass, Freundschaft, Liebe) erreicht hat. Absolut verständlich beim riesigen Umfang des Spiels, aber um mich absolut umzuhauen, hat mir das gefehlt.

Dawnfolk
Pascal: Ein süßes kleines Placement-Game, das sich ein bisschen wie ein Mini-Civ spielt. Hat eine nette Kampagne, diverse Puzzles und Herausforderungen, und spielt sich einfach sehr gut zwischendurch, wenn man auf Rundenstrategie und Ressourcenmanagement steht.

Death Stranding 2: On The Beach
Polyneux tritt nach. Episode 12: Ryu hat ein Ninja-Mopped
Polyneux tritt nach. Episode 13: Shit in der Pipeline
Polyneux tritt nach. Episode 14: Woke.
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma
Polyneux tritt nach. Episode 16: Uncanny Ellenbogen
Polyneux tritt nach. Episode 17: Polyneux investigativ
Paketbote mit Teermindruck
Norman: Es klingt dramatischer als es ist, aber Death Stranding 2 ist vermutlich meine größte Enttäuschung. Ich mochte den ersten Teil einfach zu gern und der On the Beach macht zu wenig neu und nervt auf Dauer mit seinem Schleich- und Kampffokus. Aber weil die grundlegende Mechanik immer noch so gut ist, habe ich trotzdem fast 60 Stunden Pakete ausgetragen, Infrastruktur aufgebaut und Ghost-Mechs zerlegt.
Pascal: Es ist mehr Death Stranding, aber nichts daran ist so gut wie Death Stranding, weil die Grundmaxime von Teil 2 wohl war “jetzt wird hier aber mal ordentlich gekämpft!”. Ich habe mich gute 80 Stunden massiv gelangweilt, obwohl mich das reine Liefern schon auch irgendwie wieder unterhalten hat, eine bizzare Situation. Das cinematische Ende ist großartig, aber gebraucht hätte ich an dieser Fortsetzung tatsächlich wenig bis gar nichts.
Urs: Kojimaaaaaa!! Death Stranding 2 ist im Prinzip Death Stranding, nur besser. Und da ich den ersten Teil schon mochte, ging mir auch das Sequel gut rein. Alles ist schicker und größer, die Kämpfe flutschen besser und die Story ist noch beknackter. So muss das! Zum Spiel des Jahres reicht es damit nicht, aber das ist ja nicht schlimm.

Defender’s Quest 2: Mists of Ruin
Janina: Vor 11 Jahren habe ich Defender’s Quest 2 gebackt, weil ich den Vorgänger mochte. Leider folgten dann für den Entwickler harte Rückschläge, so dass ich irgendwann nicht mehr wirklich damit rechnete, dass es jemals erscheinen würde. Dann gab er das Projekt ab, und huch – es war auf einmal fertig! Nur ist es leider nicht gut geworden, denn von der ursprünglichen Vision scheint nicht viel übrig geblieben zu sein. Es wirkt lieblos zusammengeschustert, schlecht gebalanced und reicht in keinem Moment an den ersten Teil heran. Meinem Geld trauere ich nicht hinterher, aber für den Entwickler tut es mir sehr Leid.

Delta Force
Christian: Ich habe mir ein Battlefield mit besserer Steuerung gewünscht und Delta Force bekommen. Und nun hänge ich an der Frage, welches Spiel beschissener ist: Battlefield 2042, mit seiner schwammigen Dreckssteuerung und den hundsmiserablen Drecksleveln – oder Delta Force, das die flüssige Steuerung direkt durch die absurdesten Tastenbelegungen kompensiert, die mir je untergekommen sind und die Scheißlevel einfach noch hübsche Dreingabe oben drauf kackt.

Dinkum
Janina: Nur weil man die Mechaniken von Animal Crossing nach Australien überträgt, bedeutet das leider nicht automatisch, dass man auch den Charme der Vorlage einfangen kann. In Dinkum steckt bestimmt viel Mühe, keine Frage, und anfangs hatte ich Spaß. Aber die Charaktere bleiben furchtbar blass und haben mich ehrlich gesagt nur dazu gebracht, zu überlegen, wo meine Switch eigentlich liegt.

Dispatch

Christian (BRONZE): I came for the game and stayed for the story. Dispatch hat den Weg zu mir erst gaaaanz kurz vor Redaktionsschluss gefunden – und sich direkt in mein Herz gespielt. Wobei… kann man hier überhaupt noch von Spiel sprechen? Das Ding ist in Episoden angelegt, das Allermeiste erlebt man gemütlich aus der Zuschauer:innen-Perspektive (sofern man denn die Quick-Time-Events ausgeschaltet hat, wozu ich nur dringend raten kann) und die eigentlichen spielerischen Mechaniken rund um das Management der einzelnen Charaktere, sowie das integrierte Hacking-Minigame, sind eigentlich nicht der Rede wert. Stattdessen liegt der Fokus komplett auf der liebevoll erzählten Story rund um einen Haufen vermeintlicher Superheld:innen, die mich wirklich in den Bann ziehen konnte. Dazu kommt, dass nicht nur die Charaktere hervorragend gezeichnet sind, sondern der gesamte Zeichenstil in sich einfach wahnsinnig stimmig ist. Aaron Paul und Laura Bailey machen in ihren Sprechrollen einen herausragend guten Job und selbst der Rest des Cast muss sich hinter den beiden nicht verstecken. Hoffentlich gibt es eine zweite Staffel.
Jenni: Geführtes Resozialisierungsprogramm für Bösewichte. Man selbst steuert einen ehemaligen Superhelden, der seine Rüstung verloren hat und jetzt inkognito Dispatcher für das Chaos-Team spielen soll. Mit Entscheidungen kann man Leute zusammen- oder auseinanderbringen, während sie auf Missionen sind, die man auf einem Büro-Monitor anleitet. Auch wenn es eine kritikwürdige Szene gab, in der einem ein “romantischer” Kuss aufgezwungen wird, fand ich die Story und natürlich auch die Optik sehr überzeugend.

Donkey Kong Bananza

Urs (SILBER): Seit dem N64 hatte Nintendo offenkundig keine Ahnung, was mit Donkey Kong in 3D anzufangen ist. Dementsprechend beschränkte man sich auf klassische 2D-Action. Das war zwar schön und gut, aber nach einem guten Vierteljahrhundert kam ENDLICH die zündende Idee: Lasst den Affenfürsten alles kurz und klein hauen! Und siehe da, es funktioniert! Bananza ist eine Nintendo-typische Spielspaßgranate und bis jetzt der stärkste Titel auf der Switch 2. Die Zerstörungsmechanik funktioniert so gut und ist so befriedigend, dass ich mit kindlicher Freude Stunden damit zugebracht habe, ganze Level zu zerbröseln. Aber auch abseits der totalen Zerstörung ist Bananza zu spielen ein Fest. Sidekick Pauline sorgt für herzige Momente und bringt eine charmante musikalische Komponente ins Spiel. Obendrauf gibt es wunderschöne Welten und eine Reihe neuer und alter Kongs, die wir allesamt hoffentlich nicht erst in 25 Jahren wiedersehen. Denn meines Erachtens hat Nintendo hier einen großartigen Ansatz gefunden, um die Donkey-Kong-Reihe neben Titanen wie Mario oder Zelda zu positionieren. Hoffentlich machen sie etwas draus.

Doom: The Dark Ages
Christian: Klatschbummschrädderpeng! Ich starker Mann. Ich machen alle platt. Kawumms! Ach nee Du, lass‘ mal.

Norman (GOLD): 2025 hatte ich richtig Bock auf Doom: The Dark Ages und guck mal einer an: Es war richtig gut. Doom Guy hat in The Dark Ages so viel Wumms, dass ich nicht müde wurde in Gegnermengen zu springen und Dämonen wegspratzen zu sehen. Dass es nun gerade ein Schild und eine fucking Parry-Mechanik sind, die Doom: The Dark Ages zu meinem Spiel des Jahres machen – damit hätte ja nun wirklich keiner rechnen können. Aber wenn mich ein Titel dazu bringt, direkt im Anschluss die beiden Vorgänger zu spielen (und damit das klar ist: Doom Eternal = bestes Doom), dann reicht das 2025 für Gold.
SpielerZwei: Dem Serien-Reboot von 2016 küsse ich bis heute die Füße! Absolut großartig! Dem darauffolgenden DOOM Eternal mit seiner viel zu überladenen Spielmechanik und der schwafelnden High-Fantasy-Klischee-Story zeige ich hingegen immer noch den Stinkefinger. The Dark Ages hat nun viele der nervigen Mechaniken aus Eternal wieder gestrichen und gefällt mir dadurch auch deutlich besser. Das neue Schild-Gameplay ist sogar eine echte Bereicherung. Leider wurden andere, unnötige Mechaniken, wie z.B. die Titanen-Kämpfe eingebaut, die ich maximal tolerieren kann. Der Soundtrack von Finishing Move bemüht sich redlich, den Verlust des weggegraulten Mick Gordon zu kompensieren, kann letztendlich aber nicht ganz mit seiner Arbeit mithalten. Und die Story ist leider immer noch der nichtssagende High-Fantasy-Quatsch ohne jeden Nährwert, den man schon aus DOOM Eternal kennt. Für mich ist The Dark Ages insgesamt kein Ärgernis wie Eternal, aber immer noch weit vom modernen FPS-Klassiker von 2016 entfernt.
Urs: Als Doom 2016 rauskam, konnte ich mich vor Begeisterung kaum halten. So ein Comeback hatten weder ich und auch sonst niemand von dieser Reihe erwartet! Durch die gelungene Kombination aus extrem eingängigem Gameplay, der brachialen Präsentation und einer charmanten Doofmannstory, hatte id hier nach langer Zeit wieder einen Klassiker auf den Markt geworfen. Der Nachfolger Eternal konnte zumindest für mich die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Zu viele Systeme, zu lange Level, irgendwie zu viel von allem. Dark Ages geht einen Schritt zurück und platziert sich elegant zwischen den Vorgängern. Die neue Schildmechanik ging mir hervorragend rein und trieb die Spielspaßkurve in die Höhe. Auch das Höllendesign tritt Arsch wie eh und je. Aber leider nimmt die Story um Space-Wikinger und Höllenhexen sich selbst so ernst, dass sie mich schnell anödete. Außerdem gibt es, abgesehen vom Schild, keine starken neuen Ideen. Ein herausragendes Spiel ist Dark Ages in Zeiten des ewig gleichen Militärshooterschwachsinns im Shootergenre selbstverständlich immer noch. Aber die Höhen des 2016er-Dooms erreicht es nicht, weshalb die ganz große Lobeshymne hier leider ausbleiben muss. Vielleicht beim nächsten Reboot.

Drop Duchy
Pascal: Was, wenn Tetris ein Strategiespiel wäre? Drop Duchy ist ein wenig rough around the edges und gerade der Militärpart könnte mir gestohlen bleiben, aber die Kombination von Tetronimos aus unterschiedlichen Geländetypen, die mit Spezialblöcken zu ressourcenproduzierenden Bauernhöfen und Holzfällercamps werden ist ehrlich gesagt echt nett. Schön für zwischendurch.

Duck Detective – The Ghost of Glamping
Jenni: Die rheinländische Noir-Ente ist wieder da! Mit seinem ungeliebten neuen besten Freund ist der Detektiv mit Brotsucht diesmal an einem Urlaubssee unterwegs, an dem gruselige Dinge passieren. Übersinnlich oder nicht, es gilt, ihnen auf den Grund zu gehen! Genau wie beim Vorgänger bekommt man eine ganz tolle und witzig-süße Erfahrung für unverschämt wenig Geld.

Echoes of the Plum Grove
Pascal: Ein Farming-Game, das damit warb, man könne jede Figur aus der Welt schaffen wenn man sie nicht um sich haben will, könne Rivalitäten schmieden und selbst zum schlimmsten Kerl im Dörfchen werden… was prinzipiell stimmt, nur leider sind alle Figuren aus einem Bausatz zusammengeklöppelt, niemand hat Persönlichkeit und wenn ich eine Figur umbringe, indem ich sie zum Beispiel mit auf meiner Farm angebauten Kräutern vergifte, rückt sofort eine neue Figur nach, die genauso wenig Persönlichkeit hat. Das Farming ist dann auch noch ziemlich schwerfällig und bringt nichts Neues mit. Finger weg.

Elden Ring Nightreign
Polyneux tritt nach. Episode 13: Shit in der Pipeline
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma

Norman (BRONZE): Ich stelle fest: Elden Ring im Dauersprint und mit Online-Randos ist immer noch um Welten besser als die meisten sonstigen Soulslikes. Ich war total skeptisch, als der Titel angekündigt wurde, doch hat man erst mal verstanden, wie man die Spieltage pro Run gestaltet, bietet Nightreign einen ganz eigenen, ganz wunderbaren Flow. Überraschenderweise wissen die meisten Mitspieler:innen worauf es ankommt und es ist wahnsinnig befriedigend, zu dritt auf riesige Drachen oder Bossgegner:innen aus vorherigen Souls-Teilen einzudreschen.
Pascal: Elden Ring mit drei unbekannten Coop-Partnern, die sich Battle-Royale-Style durch die immerselbe Karte kloppen, sollte nicht funktionieren. Und doch hatte ich dieses Jahr Unmengen Spaß mit Nightreign und werde auch im Januar für den im Dezember erschienenen DLC mit zwei neuen Bossen und neuen Kartenmodifikationen zurückkehren. Leider nicht mit Norman zusammen, weil der nicht die richtige Konsole benutzt. Sad!

The Elder Scrolls: Oblivion Remastered
Urs: Weil das neue Elder Scrolls noch vierzigtausend Jahre Entwicklungszeit braucht, gibt es zur Überbrückung Oblivion in hübsch. Why auch not. Und so verlockend der Gedanke war, nach all den Jahren erneut eine dreistellige Stundenzahl in dieses Spiel zu pumpen, kniff ich nach kurzem Anspielen wieder ab. Der Reiz ist da, die Optik stimmt, aber bei der aktuellen Schwemme an interessanten neuen Titeln will ich nicht so viel Zeit mit ollen Kamellen verbringen. Es sei denn, es gibt bald mal ein Switch-2-Upgrade für Skyrim. Dann spiele ich selbstverständlich wochenlang nichts anderes. (Nachtrag: Kurz nachdem ich diese Zeilen schrob, wurde Skyrim tatsächlich für Switch 2 „optimiert“. Diese Fassung ist allerdings so beschissen, dass ich sie etwa zwei Minuten ausprobiert habe. Dodged a bullet there, würd‘ ich mal sagen.)

Europa Universalis V
Pascal: Ich könnte jetzt hier irgendwelche Vergleiche zu Crusader Kings 3 und Victoria 3 ziehen, die für Leute ohne Erfahrung mit Paradox’ Grand-Strategy-Spielen wie arkane Beschwörungen klingen würden, aber ich beschränke mich aufs Wesentliche: Ich habe es nicht geschafft, Europa Universalis V zu spielen. Trotz gut eintausend Stunden in Paradox’ vergleichbaren Produkten war mir das einfach zu viel ineinandergeschichtetes System, eine zu kleinteilige Karte und ein zu unübersichtliches UI. Wahrscheinlich werde ich es immer wieder versuchen und irgendwann kommen sicher Quality-of-Life-Updates, die mich dann abholen, aber für dieses Jahr bin ich abgeprallt.

Expelled!
Jenni: Inkle mit ihren tausenden verschiedenen Wegen durch ein Spiel kennt man natürlich spätestens seit 80 Days oder Heaven’s Vault. In Expelled! manövriert man eine arme, unschuldige, junge Stipendiatin auf einem Privat-Internat durch einen Mord an einer Mitschülerin, der ihr in die Schuhe geschoben wird! Je öfter man den schicksalhaften Tag aber spielt, um herauszufinden, was eigentlich passiert ist und sich aus der Misere heraus zu manövrieren, desto mehr verändert sich aber auch der Charakter. Wie immer extrem spannend und unterhaltsam!

Fauna Fight
Janina: Einige erinnern sich vielleicht daran, dass Sven (stiftnuersel) früher für Polyneux geschrieben hat. Neulich hat er plötzlich angefangen, Videospiele zu programmieren. Die ersten drei findet man auf https://spazone.itch.io, und Fauna Fight ist davon das bisher aufwändigste. Trotz meiner offensichtlichen Voreingenommenheit empfehle ich, mal vorbeizuschauen! Der Schwierigkeitsgrad ist herausfordernd und es gibt putzige Pixel-Tiere mit individuellen Fähigkeiten.

Gloomy Eyes
Jenni: Sieht aus wie ein Koop-Spiel, ist aber solo. Gruselig-niedlicher Zombie-Abenteuerpuzzler auf der Suche nach einer besseren Welt.

Gnomdom
Jenni: Ein alter Gartengnom will alle seine Freunde zum 100. Geburtstag einladen. Die sind allerdings alle verhindert. Einer hängt in einem riesigen Schuh fest, ein anderer kommt nicht über den Fluss hinüber. Wir müssen also allen bei ihren speziellen Rätseln helfen. Die sind sehr süß und schaffbar – BIS auf das letzte, das plötzlich unfassbar viel schwerer ist und die Freude über die Cuteness ein wenig dimmt. Geht mit Lösung aber sicher auch und der schöne Rest geht ja nicht verloren!

Gnomes

Janina (BRONZE): Möglicherweise trifft der unscheinbare Grafikstil nicht jeden Geschmack, aber GNOMES hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Es verbindet Mechaniken aus verschiedenen Genres auf eine Art miteinander, die ich so noch nicht gesehen habe, und diese Mischung fühlt sich sehr erfrischend an. Man kann aus einem großen Pool unterschiedlicher Gnome und Relikte wählen, und sich so die merkwürdigsten Strategien zur Verteidigung zusammenbasteln. Bereits die Demo hat einen großzügigen Umfang, also probiert sie aus!

Hades II
Urs: Nachdem ich den Vorgänger noch verschmäht hatte, da meine Liebe für Roguelikes/-lites nicht besonders heiß brennt, nahm ich mir Hades II für die langen Zugfahrten um die Feiertage vor. Um dem Spiel ERNSTHAFT eine Chance zu geben, erschien mir die Geiselhaft bei der Deutschen Bahn als das angemessene Setting, mit jeder Menge potenzieller Spielzeit durch stundenlanges Warten in stehenden Zügen und/oder eiskalten Bahnhofshallen am Arsch der Heide. Tatsächlich verliefen meine Fahrten ohne die üblichen, privatisierungsinduzierten Katastrophen. Trotzdem nutze ich meine ohnehin üppige Reisezeit nicht ausschließlich für Hades II. Einerseits war ich gefesselt vo Emma Dabiris grandiosem Buch „What White People can do next“. Und andererseits konfrontierte mich das Spiel trotz offensichtlicher Qualitäten mit den gleichen Problemen, wie fast jedes andere Rogue-Gedöns: Der Loop vom Sterben und von Neuem beginnen, ist langweilig. Klar gibt es eine spürbare Progression, aber das ist mir nicht genug. Ich habe keine Lust, die immergleichen Gebiete abzulaufen und Bosse zu kloppen, auch wenn da zwischendurch andere Dialoge aufpoppen oder meine Spielfigur irgendwas dazulernt. Vielleicht muss ich dem Spiel einfach noch etwas mehr Zeit widmen, in Ruhe, vorm Fernseher, damit es wirklich klicken kann. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich noch die Geduld dafür aufbringen werde.

Hell is Us
Polyneux tritt nach. Episode 14: Woke.
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma
Polyneux tritt nach. Episode 17: Polyneux investigativ
Pascal: Also das war mal wirklich eine positive Überraschung. Ich habe ein Mid-Budget-Soulslike erwartet und ein sehr innovatives, semi-offenes Actionspiel bekommen, bei dem mich vor allem die Welt, die Quests und die (wenigen) Figureninteraktionen abgeholt haben. Schöne Sache. Macht auch einige nette Dinge mit persistent besiegbaren Gegnern, die ich interessant fand. Leider deutet das Ende auf einen DLC hin, bei dessen Release in der noch undefinierten Zukunft ich wohl kein Interesse mehr am Zurückkehren haben werde.

Hollow Knight Silksong
Polyneux tritt nach. Episode 16: Uncanny Ellenbogen
Christian: Wurde eigentlich mittlerweile vollständig und allumfassend geklärt, worauf das Internet sehnlicher gewartet hat? GTA VI, Silksong oder den Tod von Ian Watkins? Anyways… wir haben zwei von drei bekommen. Nice! Vom Hocker hauen konnte mich Silksong trotzdem nicht, weil es einfach nicht mein Spielprinzip ist. Frust schiebe ich bei Battlefield 6 bereits genug.
Norman: Ich hab’s 45 Minuten lang versucht, weil der Hype mich dann doch erwischt hat. Doch wie schon bei Hollow Knight merkte ich sehr schnell: Das hier, das ist nichts für mich. Sowohl Artstyle als auch Mechanik machen genau gar nichts mit mir, ganz davon abgesehen, dass mich die Kämpfe und das Platforming schon frustrierten, bevor ich überhaupt zum ersten Boss kam.
Pascal: Ach, Hornet… Mit diesem kleinen Text habe ich mir bis ans Ende all meiner Kurzrezensionen hier Zeit gelassen. Weil ich Silksong zwar in etwa 60 Stunden komplettiert habe, wobei ich auch oft Spaß hatte, aber doch sehr gespalten zurückgeblieben bin. Denn wie dieses Spiel all die falschen Lehren aus den Fandiskursen um Hollow Knight, um Soulslikes, um Metroidvanias gezogen hat, ist schon faszinierend. Bosskämpfe, die so unglaublich frustrierend schwer sind, dass ich mir nicht vorstellen will, wie jemand ohne so obsessive Kenntnis der Genres sie bestreitet. Wiederholte Runs zur Bossarena, die wirklich alle anderen vergleichbaren Spiele längst abgeschafft haben. Backtracking aus der Käferhölle. Zufällig generierte Minispiele-Setups. (Hinter den beiden letztgenannten Negativbeispielen verbergen sich jeweils wichtige Waffenupgrades, sie sind also bestenfalls auf dem Papier optional). Ja, Silksong mit seinen unendlichen Produktionswerten, kostenlos kommenden DLCs, sympathischen Entwickler*innen ist ein ‘gutes’ Spiel. Aber für mich ist das kein ‘gutes Spiel’.

Horses
Urs: Horses ist wohl das eines der bekanntesten Spiele dieses Jahres, das kaum jemand gespielt hat. Warum? Weil Valve eine Veröffentlichung auf Steam nicht zugelassen hat, da es angeblich „[scenes that] depict sexual conduct involving a minor“ enthielte. Solche Szenen sind nicht in Horses enthalten, doch da Valve sich weder öffentlich, noch gegenüber Entwickler:innen zu getroffenen Entscheidungen äußert, wissen wir nicht, auf was sich die Entscheidung genau gründet. Das ist allerdings nebensächlich, da sich eines offenbart: Monopole sind schlecht. Durch Konzerne ausgeübte Kontrolle ist schlecht. Das gilt für Spiele, für Social Media, für Technologie, für Infrastruktur und einfach alles, was eine Rolle spielt auf dieser Welt. „Moment mal!“, mag an dieser Stelle jemand sagen. „Valve gehören doch zu den Guten!“ Und hier liegt der fundamentale Irrtum. Es gibt keine guten Konzerne, ob privat oder öffentlich. Allein von Profitinteressen gelenkt, sind sie getrieben durch ihre Gier bzw. die der Aktionär:innen. Wir sind wiederum ihrer Willkür ausgeliefert, im Großen wie im Kleinen. Es ist wichtig, dass wir das erkennen und darüber sprechen. Dieser konkrete Vorfall hat den positiven Nebeneffekt, dass wir über Horses sprechen, was wir sonst vermutlich nicht tun würden. Es bleibt zu hoffen, dass Entwickler Santa Ragione auch finanziell vom Medienecho profitieren kann, denn es sah sich durch den Steam-Ausschuss und die damit ausbleibenden Einnahmen in seiner Existenz bedroht. Ob Horses ein gutes oder schlechtes Spiel ist, ist unerheblich. Denn es ist ein Kunstwerk und sollte als solches rezipiert werden können. Dafür braucht es Öffentlichkeit. Ob es diese bekommt, darf nicht von der Gunst eines Konzerns abhängen.

Indiana Jones and the Great Circle
Christian: Über den Vatikan bin ich leider nicht hinausgekommen, weil mir dieses open-worldige Von-A-nach-B-und-wieder-zurück-Schleichen nicht so wirklich zusagen wollte. Der Sam-Fisher-Ansatz wollte mir einfach nicht zu Indy passen. Etwas geradlinigere Adventure-Action wäre mir lieber gewesen.
Jenni: Für Indiana Jones steig selbst ich ins AAA-Gaming ein! ‘Benutze Handbesen mit Faschistenkopf’ hätte es in einem der alten Adventures geheißen. In diesem hier kann man das noch viel ausführlicher auskosten, während man Indy durch den von Soldaten besetzen Vatikan leitet und heimlich italienischen Unterhaltungen lauschen kann. Ein absolutes Highlight!
SpielerZwei: „Was? MachineGames machen als nächstes ein Indiana Jones-Spiel? Ey, die schulden mir noch den Abschluss ihrer großartigen Wolfenstein-Trilogie! Und geballert werden soll im Indy-Spiel auch kaum? WTF?!?“ – So sah in etwa meine Reaktion auf die Ankündigung von The Great Circle aus. Mir fehlte einfach die nötige Vorstellungskraft, um auch nur im Traum daran zu glauben, dass die Schweden das beste Indy-Spiel seit The Fate of Atlantis (1992) machen würden. Haben sie aber! BÄM! (Das dritte Wolfenstein-Spiel schulden sie mir aber immer noch…)

Islets Defense
Janina: Ich habe dieses Jahr meine alte Tower Defense Leidenschaft wieder aufleben lassen, und Islets Defense ist ein gelungener Vertreter. Ein Ressourcen-System erweitert das klassische Türmchengebaue und sorgt dafür, dass sich die einzelnen Maps fast wie Puzzles spielen. Man muss sich für jede eine Taktik zurechtlegen und nach und nach optimieren. Das fühlt sich sehr belohnend an und hat genau den passenden Umfang für einen solchen Titel.

The Jackbox Party Pack 11
Janina: Mit Jackbox ist das so eine Sache… die meisten Packs bieten ein bis zwei spaßige Partyspiele, aber nach inzwischen 10 Fortsetzungen und diversen Spin Offs häufen sich die eher mäßigen Varianten von bekannten Zeichen-, Quiz- oder Social-Deduction-Titeln. Ob ich nun einen Keks bemale oder einfach Montagsmaler spiele, macht für mich keinen Unterschied, nur weil auf dem Keks weniger Platz ist. „Legends of Trivia“ hat mir als kooperatives Quizspiel ziemlich gefallen, auch wenn die Auswahl an Fragen nicht ganz ideal war. Und „Doominate“ war noch lustig. Ansonsten würde ich eher andere Klassiker vorziehen, oder das 2024 erschienene „Jackbox Survey Scramble“. Egal zu welchem Jackbox Titel man letztendlich greift, punkten sie aber immer noch alle damit, wie einfach man mit größeren Gruppen zusammenspielen kann.

Keeper
Keeper – Wo Schatten ist, ist auch Licht
Christian: Es tut mir leid, aber es war mir einfach zeitlich nicht mehr möglich, Keeper länger als… hmmm…. 45 Minuten (?) zu spielen. Allerdings waren das 45 Minuten, in denen sich die Welt überaus atmosphärisch und wunderschön präsentierte – und allein deshalb werde ich auf jeden Fall nochmal dahin zurückkehren und Keeper versuchen zu beenden. Bis dahin hoffe ich inständig, dass Normans Lobpreisungen nicht wieder mit einer gewissen Prise je ne sais Jusant zu genießen sind.
Jenni: Der wackeligste Leuchtturm der Welt muss mit seinem neuen Vogelfreund die Dunkelheit aus der Welt vertreiben und das Leben zurückbringen. So eine liebe Geschichte mit so einigen unerwarteten Wendungen. Ich habe zwar nicht weniger von Double Fine erwartet, war aber trotzdem noch positiv überrascht.
Norman: Es ist das erste Spiel von DoubleFine, das ich jemals durchgespielt habe und es war sehr gut. Die Reise von Leuchtturm und Vogelkumpel war grafisch umwerfend, spielerisch überraschend abwechslungsreich und – und das ist inzwischen besonders viel wert – erfrischend kurz. Man kann nur hoffen, dass Microsoft vergisst, dass DoubleFine existiert, wenn das nächste Mal tausende Stellen gekürzt werden.

Kirby and the Forgotten Land + Star-Crossed World – Nintendo Switch 2 Edition
Urs: Mein erstes richtiges Kirby und es war ein Vergnügen! The Forgotten Land ist einer der Switch-Titel, die ordentlich für die Switch 2 optimiert wurden. Dementsprechend sieht es toll aus und läuft sehr flüssig. Die Star-Crossed-World-Levels, quasi Remixes der alten Gebiete, sind besonders spaßig. Nach einmal Durchspielen reichte es mir aber auch wieder. Mal gucken, was das nächste Kirby zu bieten hat, da bin ich dann wohl day one dabei.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild – Nintendo Switch 2 Edition
Urs: Kaum zu glauben, das beste Spiel aller Zeiten sieht jetzt NOCH hübscher aus! Obwohl sich am Inhalt nichts geändert hat, ist das Switch-2-Upgrade transformativ. In 4K und 60FPS ist Breath of the Wild einfach noch atemberaubender als ohnehin schon. Ein Spiel für die Ewigkeit, nicht mehr und nicht weniger.

Lego Party!
Janina: Bisher gab es kaum würdige Konkurrenz zu Nintendos Mario Party, und deshalb kann man LEGO nur dazu gratulieren, so vieles richtig gemacht zu haben. Die Präsentation wirkt hochwertig, die Regeln entsprechen so ziemlich der berühmten Vorlage, der Umfang scheint ordentlich zu sein und die Minifigs eignen sich perfekt als anpassbare Avatare und Sammelobjekte. Wenn nur Remote Play Together zuverlässiger funktionieren würde… aber daran wird angeblich gearbeitet.

Lego Voyagers
Christian: Was erhält man, wenn man das Spielprinzip und die Charaktere von It takes Two und Split Fiction auf zwei einfache 1×1 Lego-Steine reduziert, die durch eine fantastisch atmosphärische Landschaft aus… nun ja, Lego eben… mäandern, hier und da mal einige smoothe Rätsel rund ums – Ihr ahnt es sicher schon – Legobauen lösen müssen und das Ganze dann mit einen wundervoll träumerischen Soundtrack und lustigen Geräuschen unterlegt? Eines der herzerwärmendsten kleinen Spiele dieses Jahres!

Lok Digital
Pascal: Ein schönes kleines Puzzlegame mit linguistischem Einschlag. Aus wenigen Buchstaben lassen sich Fantasiewörter (wie Lok) machen, und jedes Wort hat dabei einen eigenen kleinen Effekt, der das Spielbrett beeinflusst. Durch die Effekte und die Wörter muss am Ende das ganze Spielbrett eingefärbt sein. Sweet.

Lonely Mountains: Snow Riders
Urs: Schönes Spiel, genau wie der Vorgänger mit den Fahrrädern. Leider bin ich zu schlecht und ungeduldig dafür.

Lost Records: Bloom & Rage
Jenni: 90s Nerd-Riotgrrrl-Nostalgie pur! Sehr schönes entscheidungsbasiertes Spiel im Stil von Life is Strange, aber absolut kein Abklatsch. Die Mädchen dieser Geschichte zeigen wie wunderbar Teenager-Freundschaften sein können. Sie stehen bedingungslos füreinander ein und erweitern sich gegenseitig die Sicht auf die Welt. Aber trotzdem geschehen manchmal Dinge, die einen auseinandertreiben. Sehr mysteriös-aufregende Geschichte.

Lushfoil Photography Sim
Polyneux tritt nach. Episode 13: Shit in der Pipeline
Pascal: Sehr realistische Fotografiesimulation mit malerischen Orten und echten Kameraeinstellungen. Dafür sind die Progressionsmechaniken leider schrecklich undurchdacht, der Leerlauf zwischen neuen Gebieten ist enorm und die letzten Level sind hinter viel zu sehr videospieligen Geheimnissen versteckt. Nett zum casual reinschauen, wenn ihr nicht alles sehen wollt, aber warum kauft man sonst eine Fotografiesimulation mit echten, fotorealistisch designten Orten, wenn nicht um alle zu sehen?

Mafia: The Old Country
Jenni: Ein Mafia-Spiel? Auf Sizilianisch?! Count me in! Die Geschichte um Enzo ist schön klassisch, man weiß ungefähr, was einen erwartet, aber die Figuren und die Welt sind alle einfach so überzeugend geschrieben, dass ich staunend durch die wunderschöne Macchia fuhr und ritt und anfing an meinen Freunden aus meiner neugewonnenen Familie zu hängen. Traurig nur, dass ich ihnen mein dunkles Geheimnis nie würde erzählen können! Stellenweise merkt man, dass sie das Spiel gerne größer gemacht hätten und irgendwie etwas fehlt, aber mir hat die Story meines ersten Spiels der Reihe vollkommen ausgereicht und durchgehend Spaß gemacht.
Norman: The Old Country ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe und das hat mich am Ende deutlich mehr gestört als gedacht. Zieht man die grafische Exzellenz ab, bleibt ein Spielgerüst von ca. 2010. Erzählerisch gibt’s eine solide, aber vorhersehbare Mafia-Geschichte mit genau den Stereotypen, die man aus entsprechenden Filmen oder Büchern seit jeher kennt. Spielerisch gibt’s generisches Third-Person-Geschleiche und -Geschieße und viel zu lange Messerkampf-Bossfights, die 2025 wirklich niemand mehr braucht – auch nicht mit Konter-Mechanik.
Urs: “I’ve been-a a Gucci-a all-a my life-a!” Mafia ist eine Spielereihe, die nie zu wissen schien, wo ihre Stärken liegen. Gerade in Mafia 3 wurde deutlich, dass Spielmechaniken und die (offene) Welt sicher nicht dazugehören, Figuren und Geschichte aber schon. Tatsächlich scheinen Entwickler und Publisher das jetzt auch eingesehen zu haben und vermarkten The Old Country dementsprechend als kürzere, fokussierte Erfahrung. “Bravo!”, sage ich da. Allerdings bin ich mir nach knapp acht Spielstunden noch nicht ganz darüber im Klaren, wo die Reise hingeht. Die Gebiete sind überschaubar und die Geschichte wird stringent erzählt, allerdings gibt es parallel Open-World-typische Sammelobjekte und ein Waffensystem mit Upgrades usw. Vielleicht verschmilzt das alles Richtung Ende noch zu einem stimmigen Ganzen. Vielleicht sehe ich aber das Ende nie, weil ich bei einem dieser lahmen Schleichsegmente abkneife. Wir werden sehen.

Mario Kart World
Pascal: Ach, das gab’s ja auch noch! Ich habe mir im Black-Friday-Craze eine (tatsächlich ordentlich billigere) Switch 2 geholt und das war dabei. Wir haben es eine Runde gespielt, es war nett. Es ist halt Mario Kart. Kenner sagen, es ist nicht gut, aber wer bin ich, um das zu bewerten? Ich spiele drei mal im Jahr ein Mario Kart.
Urs: „Jaaa, endlich ein neues Mario Kart!”, riefen alle, bis sie dann merkten, dass Mario Kart 8 echt perfekt war und World irgendwie nicht. Ich liebe die Switch 2 sehr, aber dieses Spiel nicht so. Liegt vielleicht an dem Umstand, dass ich noch nie ein Mario-Kart-Sicko war oder daran, dass World tatsächlich keine Bäume ausreißt. Weiß man’s? Man weiß es nicht.

Master Lemon

Jenni (BRONZE): So wunderschön, dass ich die Demo abgebrochen habe, um schnell die Vollversion anfangen zu können. Master Lemon ist ein Geschenk und eine Hommage an einen Freund der Entwickler*innen, dessen größter Traum als Sprachenliebhaber ein Trip nach Island war. Leider ist er aber genau dabei gestorben. In dieser Story wird er deswegen in eine fantastische Welt katapultiert, in der er mit seinen vielen Sprachkenntnissen Menschen helfen und die Magie wiederherstellen muss.

Metal Gear Solid Delta: Snake Eater
Polyneux tritt nach. Episode 15: Gute Firma, schlechte Firma
Polyneux tritt nach. Episode 17: Polyneux investigativ
Norman: Auch im Remake bleibt Metal Gear Solid 3 mein liebster Teil der Reihe. Trotz plumper Expositionsdumps, quatschiger Figuren und lächerlichem Plot – oder gerade deswegen. Wenn (noch nicht ganz Revolver) Ocelot minutenlang mit seinen Revolvern jongliert und David Hayters Snake klingt, wie der Typ von den Honest Trailers, dann fühle ich mich genau richtig abgeholt. Die unangenehmen Sexismen waren auch schon in den 2000ern unangenehm und sind entsprechend schlecht gealtert, dafür bleibt Snake Eater mechanisch über jeden Zweifel erhaben und wurde dank modernisierter Steuerung sogar noch etwas besser. Zudem sieht der Titel 2025 wahnsinnig gut aus und seine kompakten Levelabschnitte sind eine wunderbare Abwechslung zu den etablierten Riesen-Spielwelten moderner Titel.
Pascal: Eines der besten Spiele aller Zeiten, das ich bisher nur als Let’s Play verfolgt habe und dass ich wenig überraschend auch beim selbst Spielen liebe. Die aktuelle Grafik macht aus der noch originalgetreuen Mimik und Gestik leider ziemlich schwer anzusehende Grimassen, das funktioniert in Originalgrafik alles deutlich besser. Die gibt es dank Master Collection ja aber zum Glück auch noch zu spielen. Und die aktualisierte Steuerung ist einfach klasse.
Urs: Ich beteilige mich gerne an Diskussionen um die (mangelnde) Sinnhaftigkeit von Remakes und habe dazu wie üblich eine starke Meinung. Im Rahmen des Polyreuxblicks lassen wir die Grundsatzdebatte aber und gucken uns an, was Konami uns mit MGS Delta beschert hat. Während Optik und Steuerung modernen Standards angepasst wurden, ist das Spiel das Gleiche geblieben. Das ist ein kluger Ansatz, da bei Klassikern wie diesem jede kleine Abweichung die Superfans sofort auf die Palme bringt. Über Snake Eater waren dementsprechend wenige Klagen zu hören. Es ist unbestritten einer der Höhepunkte der Reihe, wenn nicht DER Höhepunkt. Und so hatte auch ich sehr viel Spaß beim erneuten Durchspielen und empfehle allen, die es nachholen wollen, zum Remake zu greifen. Das Original hat selbstverständlich historischen Wert, aber wer einfach eine möglichst gute Zeit haben will, spielt Delta.

Metroid Prime 4: Beyond
Urs: Gott, was haben wir auf dieses Spiel warten müssen! Nach einer exorbitanten Entwicklungszeit ist Metroid Prime 4 endlich da und… die Geister scheiden sich. Vor allem Fans der Reihe bzw. der Prime-Titel im Besonderen sind nicht begeistert. Der typische Metroidvania-Aufbau wurde zugunsten einer an klassische Zeldas erinnernde Struktur aufgegeben. Mit dem Moped knallt man durch eine recht karge Oberwelt, um darüber die einzelnen Levels anzusteuern, in denen man dann aufräumt. Das klassische Entdecken der Welt mittels des Ausbauens der eigenen Fähigkeit ist damit im Vergleich zu anderen Metroids recht eingeschränkt. So sehr ich die Kritik an dieser Umstellung verstehe, so wenig stört sie mich. Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Super-Fan bin, aber mir hat Metroid Prime 4 wirklich gefallen. Getrübt wurde meine Freude leider durch einen der nervigsten und blödesten Endkämpfe, die ich je das Missvergnügen hatte zu ertragen. Füllt doch wenigstens meine fucking Energie wieder auf, wenn ihr mich schon durch vierzigtausend Scheißphasen jagt. Nun. Abgesehen davon hatte ich meinen Spaß. Und auch wenn Retro Studios mit Metroid Prime 4 nicht Geschichte geschrieben haben, abgeliefert haben sie auf jeden Fall.

Miami Hotel Sim
Janina: Mit einigen Freund*innen habe ich dieses Jahr angefangen, Demos zu obskuren Multiplayer-Titeln bei Steam auszuprobieren. Wir haben schon Tierheimtiere vermittelt, Döner befüllt und ein Hotel in Miami eröffnet. Letzteres will ich hier erwähnen, auch wenn es natürlich ein wenig unfair ist, ein Spiel nur anhand der Demo zu bewerten. Aber meine Güte, war das ranzig! Nichts daran schien ausgereift genug zu sein, um es auf die Menschheit loszulassen. Gleichzeitig hatten wir sehr viel Spaß, als wir z.B. einen Stuhl entdeckt haben, der zuverlässig einen von uns (und nur ihn) zum normalerweise außerhalb des begehbaren Spielbereichs liegenden Strand teleportieren konnte. Nach dieser Erfahrung frage ich mich, ob Trash-Games vielleicht den selben Reiz entfalten können, wie Trash-Filme.

Monster Hunter Wilds
Pascal: Wenn mich Monster Hunter World zum Fan gemacht hat, dann hat mich Wilds wohl auch wieder davon geheilt. Ist nicht schlecht, gerade für jemanden, der wie ich gar kein Interesse am Endgame-Grind hat. Aber irgendwie merkte doch auch ich, dass das reibungslose Durchspielen der Hauptstory, ohne auch nur einziges Mal ein Monster zum zweiten Mal besiegen zu müssen, um mein Gear zu verbessern, nicht das ist, was Monster Hunter sein sollte.

Ninja Gaiden II Black Remastered
Norman: Ich verstehe die Faszination mit dieser Reihe nun mehr. Die absurd-bekloppten Story-Beats haben mein Herz auf Fast-and-Furious-Art erwärmt, die unangenehmen Charakterdesigns der Frauenfiguren hätten gern im Jahr 2008 bleiben können. Hack’n’Slashes werden niemals mein Lieblingsgenre, aber das war definitiv eine nette, mechanische Abwechslung für mich.
Urs: Geile Ninja-Kopp-ab-Action mit Blutfontänen! That’s it. That’s the review.

Ninja Gaiden 4
Norman: Ich merkte recht schnell, dass Ninja Gaiden II Black meinen Need an Ninja Gaiden für die absehbare Zeit gestillt hatte, denn mit Ninja Gaiden 4 wurde ich so gar nicht warm. Zwar war vieles hier schneller und grafisch beeindruckender, doch die neue Hauptfigur noch langweiliger als Ryu. Die Steuerung wurde komplexer, die Mechaniken umfangreicher und ich war schnell überfordert.

Nordhold
Janina: Obwohl Nordhold relativ beliebt zu sein schien, konnte ich dieser Tower Defense Variante nicht viel abgewinnen und war am Schluss sogar etwas wütend. Ich habe das Gefühl, dass die roguelike Elemente nur dafür eingebaut wurden, die Spielzeit künstlich zu strecken. Und das ist immerhin meine Lebenszeit, die ich hier damit verschwende, in kleinen Schritten vorwärts zu schleichen. Professionell präsentiert mag das alles sein, aber auch ein wenig unterkühlt… die beste Strategie bringt nichts, wenn das eigene Vorankommen dadurch gedrosselt wird, dass man zuerst eine Menge in der Stadt freischalten muss. Das war mir irgendwann zu ärgerlich.

Old Skies
Jenni: Wadjet Eye-Adventure UND Zeitreisen, ja nice! Für mich zumindest. Für die Angestellten der Zeitreise-Agentur, die als einzige täglich viele Weltveränderungen mitbekommen, die durch die bekannten Schmetterlings-Flügelschläge passieren können, ist das auf Dauer etwas zermürbend. Diese begleitet man durch verschiedene Abenteuer, die ihre Einstellung zu allem infrage stellen. Wie immer bei Wadjet Eye kann man absolut bedenkenlos zugreifen!

Once Upon A Katamari
Nanaaa nanananananana na na na nanana

Pascal (BRONZE): Once Upon a Katamari hat sich ein ganz knappes Rennen mit Clair Obscur im den Bronzepokal geliefert, da ich mit beiden unglaublich viel Spaß hatte, beide aber auch so ihre das Spiel umgebenden Probleme haben. Während Bandai Namco hier nämlich wohl das beste Katamari ever abgeliefert haben, musste der Katamari-Erfinder wegen zu wenig Einkommen dieses Jahr aus den USA nach Japan zurückziehen, weil er keine Royalties für sein Spiel bekommt. Letztendlich hat sich Once Upon a Katamari für mich jedoch durchgesetzt, erstens weil auch Clair Obscur so seine Kontroversen hat (siehe oben), zweitens weil die Verbindung aus altem Katamari-Gameplay und neuen, frischen Ideen mich wirklich nicht losgelassen hat. Ich wollte gar nicht, dass dieses Spiel aufhört, und habe deswegen sogar Platin gemacht, was ich mir bei einem Katamari niemals vorstellen hätte können.

SpielerZwei (BRONZE): Endlich wieder ein richtig gutes Katamari-Spiel! Dass ich das noch erleben darf… Obwohl das Spielprinzip so denkbar simpel ist, hat es fast 20 Jahre und unzählige enttäuschende Serienableger gebraucht bis Namco die Sache wieder auf den Punkt gebracht hat. Wenn der J-Pop-Soundtrack jetzt auch noch das Niveau der ersten beiden Spiele hätte, wäre ich komplett im Low-Poly-Himmel. Aber sei’s drum, für einen verdienten Bronze-Pokal reicht es trotzdem!

The Outer Worlds 2
SpielerZwei: Obsidian haben ihren Vorgänger genommen und nahezu alles daran noch eine Spur besser gemacht. Das Gameplay, die Grafik, die Figuren, das witzige, kapitalismuskritische Writing – alles noch besser! Das muss eigentlich jeden begeistern, der den Vorgänger schon toll fand. Tja, außer denen vielleicht, die The Outer Worlds genau deshalb so herausragend fanden, weil es für ein RPG einen überschaubaren Umfang hatte. Der zweite Teil ist nämlich deutlich größer und damit auch viel länger. So lang, dass ich gegen Ende auf die noch ausstehenden Sidequests gepfiffen habe, um mit ziemlich genau 60 Stunden durchs Ziel zu gehen. TOW2 ist ein tolles Spiel, aber es wäre noch toller, wenn es so kompakt wie der erste Teil geblieben wäre.
Urs: „You were the chosen ooone!“ Wie schon der Vorgänger, hat Outer Worlds 2 mich vom Fleck weg gehabt und ich warf mich mit Anlauf in die Fallout-Gedächtnis-Tour. Obsidian weiß einfach, wie’s geht! (Siehe oben.) Allerdings hatte ich aus irgendeinem Grund erwartet, dass mir hier praktisch das New Vegas der 2020er serviert würde, was aber selbstverständlich nicht zutrifft. Outer Worlds 2 atmet den gleichen Geist (kann man Geister atmen?), aber ist, wie schon Avowed, ein Kompaktrollenspiel, das sich einerseits nicht in endloser Weite verrennt, sich andererseits aber auch nicht zu den Höhen der großen Vorbilder aufschwingen kann. Und obwohl es ein wunderbares Spiel ist, ließ es mich aufgrund meiner Erwartungshaltung ein bisschen enttäuscht zurück. Sorry Spiel, du kannst nichts dafür, es liegt an mir. Aber wir können ja Freunde bleiben.

Pachinko TD
Janina: Selbst in Kombination mit Tower Defense kann ich Pachinko einfach nichts abgewinnen.

Painkiller
SpielerZwei: People Can Fly’s Painkiller von 2004 war ein richtig cooler FPS irgendwo zwischen Quake und Serious Sam. Schicke Engine, riesige Gegnerhorden und echt gutes Gun-Play! Warum ich dachte, das diesjährige Remake wäre einen Blick wert? Keine Ahnung. Ich glaube, die Trailer sahen ganz nett aus… Auf jeden Fall war es ein Fehler. Das Remake ist ein eigentlich ganz kompetenter Co-Op-FPS, wie es sie zu Hauf gibt. Kein Schrott, aber leider nicht mein Bier. Und vor Allem: Es hat mit dem Original rein gar nichts zu tun und ist damit eine echte Mogelpackung, auf die alte Männer wie ich reinfallen sollen…

Parallel Experiment
Janina: Wer bereits den Vorgänger Unboxing the Cryptic Killer mochte oder allgemein eine Schwäche für Escape Rooms und Exit Games hat, macht hiermit nichts falsch. Die Handlung ist größer geworden und die Rätsel fallen gewohnt abwechslungsreich aus. Man löst sie wieder kooperativ, ohne zu sehen, was der Partner oder die Partnerin bei sich auf dem Bildschirm sieht. Das war neben dem räudigen Hotel Simulator wahrscheinlich meine beste Multiplayer-Erfahrung dieses Jahr, die Reihe darf also ruhig in der Art weitergehen.

Peak
Janina: Bergsteigen hat Spaß gemacht, aber im Wald wurde es mir zu chaotisch.

Plants vs. Zombies Replanted
Pascal: Die um Couch-Koop und diverse Bonuslevel ergänzte Spielversion der PS3, nun endlich auch auf modernen Konsolen spielbar. Leider eines meiner liebsten Spiele aller Zeiten und nun kann ich es mit meiner Partnerin zusammen spielen, da brauche ich nicht viel mehr. Ist genauso gut, wie es immer war.

Pocket Boss
Pascal: Kleines ironisches Mobile Game über beschissene Jobs, beschissene Bosse und beschissene Produktivitätstools aus der Schweiz. Ist ein Grinsen wert.

Possessor(s)
Urs: Ein Metroidvania von Heart Machine? Ich raste aus vor Begeisterung! So oder so ähnlich reagierte ich, als ich kurz vor Release eher zufällig von diesem Spiel erfuhr. Als es draußen war, stürzte ich mich sofort darauf und… war ernüchtert. Possessor(s) sieht Heart-Machine-typisch wunderhübsch aus und ist auch ein gutes Spiel, aber für Genregranaten wie Dead Cells oder die Hollow Knights stellt es keine Konkurrenz dar. Das liegt unter anderem an der wirren Levelstruktur und an der hakeligen Steuerung. Ich bin kein Künstler am Controller, aber wo ich in Ori durch die Levels jage, verpasse ich bei Possessor(s) regelmäßig die Peitschenschwingpunkte und falle JEDES FUCKING MAL von der Leiter. Ich hatte trotz allem wirklich meinen Spaß. Aber vom Studio, das uns Hyper Light Drifter und Solar Ash bescherte, hatte ich mehr erwartet.

Powerwash Simulator 2
Norman: Leute, es ist Powerwash Simulator. Was schmutzig ist, wird sauber. Keine Sorgen, nur das stetige Rauschen des Strahls (beherrscht euch). Dieses Mal im Couch-Co-op. Geilo. IYKYK.

Promise Mascot Agency

Pascal (GOLD): Sie haben es wieder getan! Das UK-Team von Kaizen Game Works, die schon Paradise Killer gemacht haben (Mein Polyreuxblick-GOTY 2020!). Promise Mascot Agency ist eigentlich etwas ganz anderes, aber fängt die Stimmung, die ich beim mehrfachen Durchspielen von Paradise Killer bekommen habe, dann auch wieder super ein. Als Yakuza, synchronisiert vom Kiryu-Sprecher aus Yakuza, werde ich aufs platte Land Japans verbannt, um eine gescheiterte Maskottchenagentur aus einem verlassenen Bordell heraus aufzubauen, bei der alle Maskottchen personifizierte gescheiterte Gottheiten sind. Die einzige zu steuernde Spielfigur ist dabei ein Kei-Truck, mit dem ich Collectathon-Style Unmengen von Schildern umfahre, Tunnel aufbreche und mit seltsamen Upgrades irgendwann Maskottchen-schießend über die Weltkarte fliege. Absolut großartig. Dazu der unglaubliche Soundtrack von Alpha Chrome Yayo, der dem vom Barry “Epoch” Topping aus Paradise Killer in nichts nachsteht. Für mich keine Frage, eine absolute Goldtrophäe.

Reign Breaker
Pascal: Traurige Geschichte eigentlich. Studio Fizbin’s letztes Werk vor der Schließung, ein nie ganz fertig gewordenes linksradikal-anarchistisches Hades, das richtig Spaß macht. Habs gerne durchgespielt und mich an seiner Kürze und dem Thema erfreut. Kostet regulär schon nur einen Zehner, also bitte gebt ihm eine Chance.

Road to Empress
Janina: Zwar habe ich dieses historische Palast-Drama noch nicht komplett durchgespielt, aber ich möchte es trotzdem kurz erwähnen. Denn ich bin schwer beeindruckt von den für ein FMV-Game erstaunlich hochwertigen Filmaufnahmen. Die Kulissen, die Kostüme, die Farben… Natürlich folgt man einer vorgegebenen Geschichte, in der man immer wieder überraschend stirbt und das Kapitel neu starten muss. Vorhersagen lassen sich die Fallen eher nicht, was frustrierend sein kann. Aber wen das nicht stört, der bekommt hier einiges an Production Value geboten!

Rogue Light Deck Builder
Pascal: Rogue Light Deck Builder ist weder ein Roguelite noch ein Deckbuilder. Macht die Orthografie ja auch klar, oder? Aus dem dummen Wortwitz (genau mein Ding) macht das Spiel dann auch noch ein echt gutes, ziemlich kurzes Ragegame (nicht so sehr mein Ding, aber war nett).

The Roottrees Are Dead

Janina (SILBER): Viel näher werde ich der Erfahrung wahrscheinlich niemals kommen, als Privatdetektivin in meinem dunklen Büro zu sitzen und fremden Menschen im Internet hinterher zu schnüffeln. Deduction Games sind eines meiner Lieblings-Genres, aber nur wenige verfolgen einen Ansatz, der sich so realistisch anfühlt und einen deshalb komplett in eine verworrene Familiengeschichte saugt. Gleichzeitig gibt es keine (persönliche Meinung, Verzeihung) störenden Point & Click Elemente, sondern man kann sich komplett auf die Recherche konzentrieren. Für mein Notizbuch und mich war The Roottrees Are Dead eines der Top-Spiele des Jahres, und genau das richtige für lange Winterabende.

Ruffy and the Riverside
Pascal: Ein super innovativer 3D-Plattformer, bei dem man Texturen auf andere Objekte in der Spielwelt kopieren kann um Rätsel zu lösen. So wird aus einem Wasserfall zum Beispiel mit Pflanzentextur eine bekletterbare Ranke. Ist echt super. Kommt übrigens aus Bayern, was auch der Grund ist, warum ich es überhaupt gefunden habe, da ich nebenher Spielevorstellungen für den bayerischen Spieleförderer FFF schreibe #Schleichwerbung.

Sektori
Urs: Himmel, wie sehr hatte ich gehofft, dass das hier der von mir lang erwartete Nachfolger zu Geometry Wars 3 sein würde. Allein, wie der Beat schon im Startbildschirm pumpt, lässt meine Fingerspitzen kribbeln. Nach wenigen Stunden stellte sich aber leider Ernüchterung ein. Spielerisch und audiovisuell ist Sektori ein Fest! Aber ich habe es über das erste Level noch nicht hinaus geschafft, was meine Motivationskurve direkt ins Bodenlose absacken ließ. Ja ja, kurze Aufmerksamkeitsspanne, instant gratification, blabla. Aber wenn es Progression in einem Spiel gibt, will ich davon zumindest anfangs schnell was davon haben, damit ich richtig reinkomme. Das ist bei Sektori bis jetzt leider nicht passiert. Aber gelegentlich gucke ich noch rein, um spektakulär zu scheitern. Vielleicht wird es ja noch was…

Shadow Labyrinth
Urs: Ein Metroidvania mit einem abgefuckten Düster-Pacman, der kryptischen Kram labert und Monster frisst? Count me in! Das brüllte ich jedenfalls, als ich die Prämisse von Shadow Labyrinth las. In der Realität schwand meine Begeisterung dann leider schon nach wenigen Stunden. Das Spiel ist fad, schwierig und nicht besonders hübsch. Wer dringend NOCH ein Spiel aus diesem Genre braucht, kauft sich Possessor(s). Wer DANN noch nicht genug hat und außerdem scharf auf Namco-Nostalgie ist, kann hier mal einen Blick riskieren. Wenn nicht, dann aber lieber nicht.

Shinobi: Art of Vengeance
Urs: Geile Ninja-Pixel-Action mit Platforming! That’s it. That’s the review.

Silent Hill f
Christian: Immerhin drei Stunden habe ich es an der Seite von Hinako im japanischen Ebisugaoka der 60er Jahre ausgehalten. Dann war ich raus. Nicht, weil es so gruselig war (war es nicht), sondern so einschläfernd dröge.
Norman: Silent Hill f schrammt knapp am Treppchen vorbei und war, abseits von ein paar mechanischen Irritationen, die größte Überraschung des Jahres. Konami kann also doch noch gute (neue) Spiele veröffentlichen. Hier stimmt im Grunde alles: die verwinkelten und mysteriösen Spielabschnitte, die Soundkulisse und die wunderbar inszenierten Zwischensequenzen – ich war hin und weg.

Urs (GOLD): Waaas? Zwei Titel mit nicht-weißen Protagonistinnen auf dem Treppchen?! Verdammte Wokies! Tatsächlich hatte ich vorher noch nie ein Silent Hill gespielt, aber dafür bin ich mit einem absoluten Kracher in die Reihe eingestiegen. Von der ersten Minute war ich gefesselt von der Geschichte um Teenagerin Hinako, die im Japan der Sechzigerjahre mit einer um sie herum zusammenbrechenden Welt kämpft. Unter der Horroroberfläche werden Themen verhandelt, die hier und heute genauso relevant sind, wie damals. Und nachdem wir die Endsequenz gesehen haben, geht es eigentlich erst richtig los. Silent Hill f will mehrfach durchgespielt werden und offenbart bei weiteren Durchgängen, ähnlich wie bei Nier: Automata, neue Facetten. Spielerische Innovationen dürft ihr nicht erwarten, aber wenn ihr euch wie ich möglichst offen und ungespoilert auf dieses Spiel einlassen könnt, dann erwartet euch eine Welt, in der ihr über viele Stunden versinken könnt. Silent Hill f wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Und in der Welt der AAA-Videospiele hat das Seltenheitswert.

Skate Story
Pascal: Was für ein Überraschungshit am Ende des Jahres. Ich habe ein kurzes nettes Storyspiel mit Skate-Anteilen erwartet und ein sehr ausführliches Skating-Spiel mit seltsamer, ätherischer Waporwave-Story bekommen. Und das hat mich, als jemand der noch nie irgendeine Skating-Spiel gespielt hat, absolut abgeholt. Der unglaubliche Soundtrack tut sein Übriges. Absolut Empfehlung.
Urs: Ein wunderbar abstraktes, schräges Spiel. Leider hatte ich bei diesem wahnsinnig vollen Spielekalender zum Jahresende noch nicht genug Zeit, mich richtig damit zu beschäftigen. Aber im Januar steige ich wieder ein. Ganz sicher.

Sniper Elite: Resistance
Norman: Eine Spieleserie, die vor allem dafür bekannt ist, Hitler die Hoden und Nazis die Birne wegzuschießen, kann ja erst mal nicht schlecht sein. Allerdings wurde hier so wenig gesnipert und so viel geschlichen, dass ich den Titel bereits nach einigen Stunden ziemlich angeödet wieder deinstalliert habe.

SOPA – Tale of the stolen potato
Jenni: Der kleine Miho versucht seiner Oma beim Suppe machen zu helfen, aber da stiehlt einfach ein bunter Frosch die benötigten Kartoffeln aus der Vorratskammer und bringt sie in eine magische Welt?! Dreist! Seine Oma kauft ihm die Geschichte komischerweise nicht ab und sagt ihm nur, er solle sich beeilen. Jetzt muss Miho dem Frosch also hinterher und kleine aufregende Abenteuer überstehen, um endlich die wertvolle Zutat zurückzubekommen.

South of Midnight
Christian: Das soll ja ganz gut sein, habe ich mir sagen lassen. In der ersten Spielstunde wurde das noch nicht so klar. Wenngleich die Atmosphäre bereits da beachtlich dicht und stimmig war. Bloß leider kam dann Clair Obscur dazwischen und es war erstmal um mich geschehen. Tja…
Jenni: Wunderhübsches Stop Motion-Action-Adventure, das einen in die Mitte einer mythologischen Welt der US-amerikanischen Südstaaten katapultiert. Zusammen mit der Protagonistin, die nach einem Hurrikan ihre Mutter (und ihr Haus) sucht, lernen wir alle möglichen magischen Figuren kennen, die ihr mal mehr und mal weniger freundlich gesinnt sind. Sehen kann sie diese plötzlich, weil durch das erlebte Trauma ihre ‘Weaver’-Kräfte erweckt wurden, die sie durch die Zeit mit einer Frau verbinden, die Sklaven aus dem Land geholfen hat. Eine erstaunlich verschlungene und überzeugende Geschichte!
Norman: Was South of Midnight an Originalität in der Spielmechanik fehlt, macht es mit Charme, wunderschöner Spielwelt und einzigartigem Stil wett. Ich bin ein Sucker für nette mid-tier Action-Adventures und South of Midnight geht keine Risiken ein, um genau das zu liefern. Nett!

Urs (BRONZE): Na, wer erinnert sich noch, dass South of Midnight dieses Jahr rauskam? Die wenigsten, wie ich vermute. Denn, nachdem Microsoft es im Vorfeld mit einigen gut platzierten Trailern gepusht hatte, wurde es quasi ohne jegliches Marketing veröffentlicht. Ob das an M$‘ brutalem, AI-getriebenen Sparkurs liegt oder daran, dass das Spiel in Zeiten eines rechtsradikalen Mainstreams zu „woke“ ist, vermag ich nicht zu sagen. Sicher ist allerdings, dass es sich hier um einen ganz außergewöhnlichen Titel handelt. Nicht spielerisch, denn ist es ein Action Adventure alter Schule. Aber wie schon bei Silent Hill f, bringen hier Welt, Figuren und Erzählung die Synapsen zum Glühen. Protagonistin Hazel ist eine junge schwarze Frau, die versucht, ihre bei einem Wirbelsturm verschwundene Mutter wiederzufinden. Dabei begibt sie sich auf Odyssee durch die surreale Welt der Mythen und Legenden des amerikanischen „Deep South“. Die faszinierende Geschichte wird teils in Stop-Motion-Zwischensequenzen erzählt, deren Stil die Grundlage für die starke Bildsprache des Spiels ist. Die Levels sind kompakt, strotzen aber vor Details, an denen ich mich kaum satt sehen konnte. Wenn euch dieses Sujet auch nur im Ansatz interessiert, lasst euch nicht von den teils mittelmäßigen Reviews täuschen. South of Midnight ist ein Ausnahmespiel. Und da es schon im Frühling aus seinem Xbox-Gefängnis entlassen und auf PS5 sowie Switch 2 erscheinen wird, hoffe ich aufrichtig, dass zahlreiche Spieler:innen die Chance nutzen, es nachzuholen. Verdient hat South of Midnight es allemal.

Split Fiction

Christian (SILBER): In jedem anderen Jahr wäre Split Fiction definitiv ganz oben auf dem Treppchen gelandet. Weil es das kreativste, verrückteste, abwechslungsreichste, fantasievollste, turbulenteste, herzerwärmendste, sympathischste, chaotischste, überbordendste, wildeste und ideenreichste Spiel seit It takes Two aus gleichem Hause ist. OK – und seit Astrobot. Mindestens aber im Co-Op-Bereich. Leider ist es auch ein wenig sehr unausgewogen, was den sehr sprunghaften Schwierigkeitsgrad angeht. Die teils katastrophalen Rücksetzpunkte sind da auch nicht unbedingt hilfreich. Und trotzdem: Split Fiction FTW!
Norman: Der Hype-Titel des Frühjahrs und ich versteh’s immer nicht so ganz. Zusammen mit SpielerZwei habe ich mich durch die überraschend lange Kampagne gekämpft und aufgrund der selten dämlichen Geschichte so viel mit den Augen gerollt, dass sie mir fast rausgefallen wären. Split Fiction war abwechslungsreich, ich hatte aber zwischendrin auch das Gefühl, hier wurde wirklich jede Idee einfach umgesetzt. So manche Passagen und Bosskämpfe hätten davon profitiert, wenn sie einfach etwas eingehegt worden wären.
SpielerZwei: Ich fand den Vorgänger It Takes Two richtig klasse und habe mich wirklich auf Split Fiction gefreut. Spielerisch ist es eigentlich genau das Gleiche in Grün geworden. Das allein wäre für mich kein Problem gewesen, aber die völlig hirnverbrannte Narration mit diesen beiden naiven „Jungautorinnen“ ist mir richtig auf den Nerv gegangen. Schade. Insbesondere, weil It Takes Two gerade in dem Punkt so viel besser war und die Geschichte richtig gut mit dem Gameplay korrespondierte.
Urs: Koks-Kopp Fares serviert klasse Koop-Kost! Sagt das zehnmal schnell hintereinander und ihr könnt ein Fahrrad gewinnen.

Splitgate 2
Christian: Ein zweiter Teil, den keiner wirklich gebraucht hat. Mit einem toxischen Typen an der Unternehmensspitze, für den das Gleiche gilt. Und einem integrierten Battle-Royal-Modus, der egaler nicht sein könnte. Aber scheiß‘ drauf: Der Mix aus klassischem Arena-Shooter mit Portal-… äh… Portals macht Spaß und taugt immer wieder mal für eine paar schnelle Runden.

Super Mario Galaxy
Urs: Nintendo weiß wie man’s macht! 1. Nimm zwei fantastische Platformer. 2. Hübsche sie marginal auf. 3. Verkaufe sie zum Vollpreis. 4. Profit.

Super Mario Galaxy 2
Urs: Verdammt, jetzt hatte ich die beiden Galaxys einzeln in unsere Spieleliste eingetragen, aber nur einen Text geschrieben! Damit der gute Dr. Jörg den schönen Header nicht umsonst gemacht hat, schreibe ich hier jetzt einfach irgendwas rein, dubdiduuu…

Switch 2
Christian: Meine erste Nintendo-Konsole seit dem DS – und meine zweite überhaupt. Die Fanboy-Brille ist mir entsprechend völlig fremd uns so bleibt mir vor allem das Kopfschütteln über die teils billigst verarbeitete Hardware, die unverschämten Preise und der Unfähigkeit Nintendos, einfach jede:r Käufer:in einen Download-Code für Mario Kart World zur Verfügung zu stellen, wenn das physische Bundle mal wieder vergriffen ist.
Pascal: Na wenn Christian hier eine Kategorie draus macht gebe ich auch mal meinen Senf dazu. Läuft schneller als ne Switch, ist zu groß für angenehmes Handheld-Gaming und das mit den Magneten an den JoyCons ist ganz befriedigend. Passt schon.
Urs: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir hier je Hardware besprochen haben. Aber ich mache trotzdem mit, nur um Christian zu sagen, dass er Unrecht hat: “Christian, du hast Unrecht.”
PS.: Und für ein Bundle braucht’s selbstverständlich nicht nur den Key, sondern auch die gebrandete Verpackung. Marketing, Junge, Marketing!
PPS.: Pascal, das kannst du nicht wissen, aber für Menschen mit normal großen Händen ist Handheld-Gaming mit der Switch 2 schon ziemlich super.

Sword of the Sea
Polyneux tritt nach. Episode 16: Uncanny Ellenbogen
Pascal: Ein nettes, kurzes “Was wenn Journey und Abzu dasselbe Spiel wären” von den Leuten, die Journey und Abzu gemacht haben. Die Bewegung in diesem Spiel macht so viel Spaß, dass ich es in einem Rutsch dreimal durchgespielt habe, weil es ohnehin keine drei Stunden lang ist. Atmosphärisch wirklich große Klasse und fühlt sich angenehm videospielig an mit seinen Kombos und Zeit-Challenges.
Urs: Das Journey des kleinen Mannes. Wunderschön und herzig, aber irgendwie hat es mich nicht so mitgerissen, wie der große Vorgänger im Geiste.

Terminator 2D: No Fate
Urs: Heilige geile Pixelscheiße, Batman! No Fate ist das Terminator-Lizenzspiel, das wir in den 90ern niemals bekommen haben. Was habe ich damals am Amiga Zeit in die beschissene T2-Umsetzung von Ocean gepumpt. Aber wir hatten ja nix! Dass die Wiedergutmachung erst fast 25 Jahre später kommt, ist schade. Aber lieber spät als niemals. No Fate ist sicher nicht die Offenbarung auf dem Gebiet der 2D-Retro-Action, aber für nostalgische Sickos wie mich ein in Erfüllung gegangener Wunschtraum. Ach ja, The Terminator ist übrigens immer noch der bessere Film, als Terminator 2. Geht scheißen.

Time Flies
Pascal: Weird Shit aus der Schweiz, hell yes. Als Fliege versucht man hier, seltsam beschriebene Interaktionen in vier kurzen Levels durchzuführen, bevor die eigene Lebenszeit davonrinnt. Jede dieser Interaktionen ist seltsamer als die nächste, und genau das macht den Charme aus. Zwei Stunden, die sich lohnen.

Tiny Bookshop
Jenni: Endlich ein kleiner fahrender Buchladen, in dem ich Menschen passende gebrauchte Bücher empfehlen und verkaufen kann. Und wisst ihr, was das Beste ist? Ich muss den Shop nicht vergrößern, um ein Literatur-Emporium zu gründen! Ich kann mich einfach an einen Leuchtturm, eine Burg oder einen Strand stellen und mit den richtigen Einkäufen vorbereitet den Leuten dort ihre Wunsch-Genres anbieten. Eine kleine entspannte und heile Welt, die zwischendurch so richtig gut getan hat.

Wanderstop
Polyneux tritt nach. Episode 12: Ryu hat ein Ninja-Mopped
Wanderstop: Mehr Tee, weniger Grind
Jenni: Was ist man eigentlich noch wert, wenn man die eine Sache verliert, durch die man sich bisher definiert hat? Die Protagonistin Alta muss sich gerade durch genau diese Lebenskrise quälen. Statt Turniere zu gewinnen, kann sie momentan nicht mehr machen, als ein paar Pflanzen zu pflegen und Durchreisenden Tees zu kochen. Kein Wunder, dass sie damit nicht besonders gut klarkommt. Gut, dass ihr neuer Freund Boro sie durch ihre Probleme führt – ob sie will oder nicht. Auch wenn ich natürlich wusste, dass Davey Wreden wieder etwas Spezielles in der Hinterhand haben würde, hat er mich doch überrascht und Wanderstop war ein richtiges Highlight.

Norman (SILBER): Tee kochen, Laub zusammenfegen, Pflanzen züchten und sich mit Spielfiguren unterhalten: Mehr ist bei Wanderstop eigentlich nicht los. Doch die Entwickler:innen von Ivy Road durchbrechen und widersetzen sich so vielen Videospiel-Gewohnheiten, dass Wanderstop seinen Platz auf meinem Treppchen mehr als verdient hat. Die physisch und psychisch erschöpfte Hauptfigur Alta muss erst von der erfüllenden Arbeit im Teeladen überzeugt werden und trifft dabei auf eine Reihe wunderbar geschriebener Nebenfiguren, die ich alle sofort ins Herz schloss und deren witzige und charmante Geschichten das Herzstück dieses Titels sind.

Warhammer 40.000 Dawn of War: Definitive Edition
Pascal: Mein Year of Warhammer 40.000 hat zwar theoretisch schon 2024 begonnen, aber dieses Jahr habe ich mich noch weiter in dieses faszinierend blöde Universum eingelesen und gespielt. Ich habe mittlerweile ein ordentliches Regalbrett mit Warhammer-Büchern, das obligatorische RPG-Brett (Rogue Trader) installiert und lese manchmal sogar Warhammer-Wikis. Wild. Da kam das Dawn of War-Remake gerade recht, denn ich liebe Echtzeitstrategie und hatte wirklich eine Menge Spaß, die ersten drei Kampagnen aus dem Grundspiel und den Addons Winter Assault und Dark Crusade zu spielen. Während ich das hier schreibe, vergeht mir bereits ein wenig die Lust am letzten Addon, Soulstorm, aber ich hatte gute 30 Stunden Spaß und werde noch für so manches Skirmish-Match zurückkommen, von daher war das ein voller Erfolg für mich!

Warzone: Verdansk
Christian: Verdansk is back! Yeah! Das war’s dann aber auch schon. Seither herrscht gepflegte Langeweile und wir spielen einfach wieder exakt das Gleiche, wie seinerzeit von 2020-2022. Oder auch nicht. Denn das Ding wurde zur Strafe ratzfatz von der Platte geputzt.

Winter Burrow
Urs: Ich sitz’ zu Haus’, ich drück’ die Maus! In Winter Burrow sitzt die Maus nicht nur im Haus, nein, sie geht hinaus. Denn draußen liegen Klamotten rum, die sie einsammeln, in die Bude schlüren und an der Werkbank verwursten muss. Kenner:innen erkennen: Hier wird gecraftet bis zum Umfallen, bis die Schwarte kracht und bis der Arzt nicht nur kommt, sondern auch schon wieder geht. Man könnte behaupten, der Mauser lässt das Craften nicht. Das ist nicht beeindruckend, aber die handgemalte Grafik ist hübsch, der Mäuserich putzig und die Geschichte herzerwärmend bzw. -erweichend. Dafür gibt es keinen Pokal, aber ein anerkennendes Nicken sowie ein sanft gehauchtes: “Hach, wie schön…”.

Wuchang: Fallen Feathers
Norman: Wuchang macht wenig neu, aber klaut dafür besonders kompetent von den Souls-Genregrößen und ganz ehrlich: Reicht doch. Die herausfordernden Bosskämpfe, bei denen ich wirklich mal Bewegungsmuster lernen musste (und wollte), haben mich mitunter frustriert, aber nie demotiviert – selbst wenn einbrechende Framerates so manchen Versuch erheblich erschwerten. Dafür erlaubte der Titel das unbegrenzte Zurücksetzen und Neuverteilen des Skilltrees – das erleichterte so manchen Bosskampf. Ohne diese Funktion hätte ich Wuchang überhaupt nicht beendet. Was ich 2025 allerdings nicht mehr sehen will, sind „boob physics“, die unangenehm an Dead or Alive erinnern und Rüstungen aus Overknees, Schlüppi und BH.

Yooka Re-Playlee
Christian: Ist der Ruf erst ruiniert, remaked sich’s gänzlich ungeniert. Oder anders: hätte es wirklich ein Remake eines gerade mal 8 Jahre jungen Spiels gebraucht, das seinerzeit bestenfalls mediocre Wertungen einfahren konnte? Im Fall von Yooka Laylee kann man ganz klar sagen: Ja! Denn hier wird nicht einfach ein – eigentlich sowieso noch ganz hübsches – Spiel aufgehübscht, sondern vieles direkt generalsaniert. Neue Interaktionen, neue Bereiche, neue Entdeckungen – und die Erinnerung daran, dass ich doch endlich mal Astro Bot zu Ende bringen sollte.
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