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Professor Layton und der Fluxkompensator

Meine Damen, meine Herren, darf ich vorstellen: Er ist ein englischer Gentleman, wie er im Buche steht, Professor für Archäologie an der Gressenheller Universität in London und der Hobby-Detektiv, der das Rätsel um das „geheimnisvolle Dorf“ und die sagenumwobene „Schatulle der Pandora“ entzaubert hat: Professor Hershel Layton. Ihm zur Seite steht sein treuer Assistent, Spürnasen-Gehilfe (und, seien wir ehrlich, elendiger Besserwisser) Luke Triton. Aber wem muss ich diese zwei Herren überhaupt noch vorstellen? Wer einen Nintendo DS sein Eigen nennt, kann, nein, Verzeihung: DARF an diesen zwei Gentlemen eigentlich nicht vorbei gekommen sein.

Im dritten Ableger der Serie mit dem Titel Professor Layton und die verlorene Zukunft, welches in Japan übrigens schon vor zwei Jahren erschienen ist, erhalten unsere beiden Protagonisten einen geheimnisvollen Brief aus der vermeintlichen Zukunft. Luke, der treue Gehilfe, schreibt aus dem 10 Jahre älteren London und bittet den Professor um Hilfe, um einer schrecklichen Bedrohung Herr zu werden, die ganz London in Angst und Schrecken versetzt.

Dass dieser Brief mit dem fehlgeschlagenem Experiment zu tun haben mag, an dem eine Zeitmaschine präsentiert werden sollte und der Erfinder samt englischem Premierminister verschwunden ist, dafür braucht es kein Genie wie Professor Layton.

Für die über 165 Rätsel, die uns auf der Geschichte begleiten, braucht es dagegen einiges mehr an Hirnschmalz und Kombinier-Gabe. Wer die Serie noch nicht kennt: Mit den 165 Rätseln meine ich wirklich Rätsel im klassischen Sinne. Das Spielprinzip von Professor Layton vereint nämlich das gute, alte Rätselbuch, welches uns auf der Rückbank in der Familienkutsche nach Italien für Stunden beschäftigt hat, mit den grafischen, handgezeichneten Geschichten eines „Point and Click“-Adventures.

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Wir navigieren uns mit eingeblendeten Pfeilen durch wunderschöne Standbilder, auf denen wir mit Personen sprechen und Gegenstände untersuchen. Wie bei jedem guten Adventure lösen wir die uns dabei gestellten Rätsel, um so die mysteriöse Geschichte um das London der Zukunft Schritt für Schritt aufzudecken und voranzutreiben. Klassische Denksportaufgaben, mathematische Kopfnüsse, Schieberätsel, reine Textaufgaben, Logikpuzzles, Bilder- und Kombinationsrätsel: die komplette Palette erwartet uns im Laufe des ca. 12-15 stündigen Abenteuers. Das Besondere daran: die Rätsel sind dabei, manchmal weniger, manchmal mehr, passend in die Geschichte eingebettet. Finden wir also einen Gegenstand mit einer mysteriösen Inschrift, die uns mutmaßlich weiterhelfen möge, begegnet diese uns natürlich als Bilderrätsel, natürlich haben alle Türen komplizierte Schaltermechanismen und eine Frau, die wir nach dem Weg fragen, bietet uns ein Sandwich an, wir sollen ihr jedoch helfen, die Zutaten nach einem bestimmten Rezept wieder richtig anzuordnen. Manchmal genügt auch ein Stichwort, eine gefundene Bananenschale beispielsweise, und Professor Layton erinnert sich spontan an ein spannendes “Bananen-Rätsel”, welches Luke natürlich sofort lösen möchte. Das Spiel nimmt sich dabei auch alles andere als ernst. Ein Türsteher der Mafia gibt uns selbstironisch (“Der Chef bezahlt mich nicht dafür, euch zu verprügeln”) genauso ein Rätsel als Hindernis vor dem Passieren auf wie die Köchin im Hotel. Das Universum von Professor Layton ist sehr märchenhaft gestaltet, daher verwundert es in diesem Kontext auch nicht, dass praktisch alle Menschen die ganze Zeit verrückt nach Rätseln sind und das Lösen dieser ihre einzige Freizeitbeschäftigung zu sein scheint. Wenn diese Charaktere noch dazu so liebenswürdig gezeichnet und erzählt sind wie hier, dann kann man dieses Spiel und seine Art einfach nur lieben.

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Die Rätsel variieren selbstverständlich auch in ihrer Schwierigkeit. Sie sind jedoch stets fair und mit etwas Geduld und Nachdenken immer lösbar. Bei falschen Antworten erhalten wir Punktabzug, gefundene „Tipp“-Münzen können wir dazu verwenden, uns bei harten Nüssen Hinweise geben zu lassen, die uns daraufhin oft auf den richtigen Pfad lenken. In diesem Layton-Teil kam ein „Super-Tipp“ hinzu, der einem die Lösung für eine vierte Münze quasi komplett verrät, so bleiben Frust-Momente an den Stellen aus, an denen die Geschichte ohne des Rätsels Lösung nicht vorangehen würde, was an manchen Stellen leider vorkommen kann. Nicht alle 165 Rätsel sind zur Beendigung des Spiels nötig. Verpasste Rätsel, die wir nicht durch einen Dialog oder dem Anklicken eines Objektes gefunden haben, werden an zentralen Stellen in der Welt von Layton gesammelt und können von dort in beliebiger Reihenfolge nachgeholt und gelöst werden. Alle fertigen Rätsel sind natürlich ebenfalls jederzeit wieder aufrufbar.

Neben den eigentlichen Denksportaufgaben gibt es auch wieder wie bei den Vorgängern eine kleine Auswahl an Mini-Spielen frei zu schalten, die ebenfalls rudimentär mit der Story verwoben sind. Diese dienen dann eher der Langzeitmotivation und würden für sich gesehen auch einzeln als iPhone und iPod Touch Spiele sicherlich wunderbar funktionieren.

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Zwischen den Rätseln wird die Geschichte immer wieder von kurzen, aber unheimlich hochwertigen Zwischensequenzen im Zeichentrick- bzw. Anime-Stil aufgelockert, die unsere Helden mit kompletter Sprachausgabe Schlüsselmomente erleben lassen. Im Vergleich zu den Vorgängern hat Level-5 hier den Action-Anteil deutlich nach oben geschraubt. In den Animationen gibt es wilde Verfolgungsjagden, Schießereien aber auch sehr emotionale Momente. Von allen bisher bei uns erschienenen Teilen ist dieses Layton, was die Story betrifft, mit Abstand das erwachsenste. Eine wirklich schön erzählte Liebes-Sequenz gegen Ende hat mich sogar ernsthaft fast zu Tränen gerührt, das schaffen nicht viele Spiele.

Die Charaktere, die uns im Laufe des Spieles begegnen, erinnern entfernt ein wenig an die Figuren aus dem Oscar-Nominierten Film „Das große Rennen von Belleville“. Jede Menge skurrile Menschen sind unterwegs in diesem London, so viel steht fest. Die Musikuntermalung ist sehr stimmungsvoll und unterstreicht den filmischen Anspruch, den das Spiel hat, einzig die immer gleiche Melodie während der Rätsel wurde mir irgendwann zu eintönig.

Besonders erwähnenswert: Über die Rätsel des eigentlichen Spiels hinaus können Spieler über das DS Wi-Fi Zugang zu herunterladbaren Bonus-Rätseln bekommen. Woche für Woche kommt ein neues Rätsel hinzu.

Professor Layton verliert auch in seinem dritten Adventure nichts von seinem Reiz. Die stimmungsvolle und dichte Atmosphäre, die liebenswürdigen Charaktere, eine großartig erzählte Geschichte und die stets cleveren Kopfnüsse liefern eine perfekt auf den DS abgemischte Unterhaltung ab. Wer auch nur im Ansatz an fordernden Knobeleien Gefallen findet, wird Professor Layton lieben. Dass es in Japan bereits den vierten Teil gibt und Teil 5 und 6 bereits angekündigt sind, lässt mich Freudentänze aufführen. Und als besonderes Schmankerl wird es einen Teil zusammen mit Staranwalt Phoenix Wright (Videotrailer) geben, von der Version für das 3DS ganz zu Schweigen. Diese Vorfreude tröstet mich dann auch ein wenig über die Entzugserscheinungen hinweg, die man verspürt, wenn man wie ein Süchtiger durch die über 160 Rätsel gefegt ist. Nörgler würden sagen, dass man sich natürlich auch alternativ ein Rätselheft am Kiosk kaufen kann. Das wäre durchaus billiger, aber dann würde man abseits der Rätsel eines der schönsten und märchenhaftesten Adventure des Jahres verpassen.

Gespielt wurde ein von Nintendo zur Verfügung gestelltes Expemplar von Professor Layton und die verlorene Zukunft für den Nintendo DS.


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11 Kommentare

  1. David - 22.11.2010 14:51

    Du hast für das Spiel nur 12 Stunden gebraucht? Du lügst doch! :P

  2. Manu - 22.11.2010 15:01

    hehe, nein, sind ziemlich genau 12 Stunden auf meinem Timer gewesen nach Ende der Hauptstory. @NeoNacho von Twitter schrieb auch was von 12 Stunden auf Twitter. Allerdings habe ich das Spiel mit nur 115 Rätseln beendigt, fällt mir gerade auf, ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich so viele habe „liegen lassen“. Schön, dann habe ich ja noch was zu tun! :-D

    (Und ich habe auch die Minispiele nicht weit gespielt, die finde ich nicht so reizvoll, irgendwie. Dummer Papagei, dummer.)

  3. David - 22.11.2010 15:08

    Durch die Rätsel bin ich auch durchgerast. Hab zwar alle gefunden und auch die Minispiele gemacht und alle Münzen aufgesammelt, aber das erklärt für mich nicht die 5 Stunden mehr, die ich gebraucht habe. Ich hatte den Eindruck, sehr schnell gewesen zu sein (zumindest bei den Rätseln), ein Neuling braucht sicherlich 20 Stunden für das Game.

  4. Manu - 22.11.2010 15:22

    Naja, 50 Rätsel hast du mehr. Nehmen wir mal an, pro Rätsel 5 Min wären schon ca. 4 Stunden. Dann noch eine Stunde in den Minigames, das haut schon hin! Also ich melde mich einfach, wenn ich alle 165 Rätsel habe :-)

    (Und ich bin auch ein Schnelleser)

  5. Missingno. - 23.11.2010 12:26

    Ich muss ja sagen, dass ich das geheimnisvolle Dorf sehr ausgiebig erkundet habe, aber irgendwie wollte ich mir weder die Schatulle noch die Zukunft unbedingt kaufen.
    Die meisten Rätsel fand ich zu einfach, andere wiederum schlecht beschrieben (z.B. bei potentiellen „Scherzfragen“).

    (Und außerdem habe ich meinen DS Lite verkauft und warte auf den 3DS. ;))

  6. SenorKaffee - 23.11.2010 16:46

    Jetzt erklärt doch mal einem Unwissenden, was den Reiz an diesen digitalen Rätselheften ausmacht.

    Ich kann mir irgendwie einfach nicht vorstellen, dass es Spaß macht, von jeder Person irgendwelche Stolpersteine vorgesetzt zu kriegen, die nur lose etwas mit dem Spielszenario zu tun haben.

    Das würde mir in einem Adventure nachhaltig jegdlichen Spielspaß abtöten. Wie macht Professor Layton aus der Blockade den eigentlichen Spaßbringer?

  7. Missingno. - 23.11.2010 17:17

    Statt „Benutze Gummihuhn mit Drahtseil“ löst man eben ein Schieberätsel um die Türe zu öffnen. Statt dass man einem NPC fünf Mal Item X und Item Y bringt, hilft man ihm bei der Lösung eines Rätsels. Und so weiter…

  8. Manu - 23.11.2010 19:18

    @SenorKaffee: Wie ich oben schrieb, sind die Charaktere einfach wunderbar und die ganze Stimmung dieser Welt. Und dafür spiele ich Spiele doch. Ein Monkey Island habe ich auch nicht wegen der Rätsel gespielt sondern wegen der Stimmung, Humor und den Dialogen, die die Charaktere geformt haben.
    Noch dazu sind die Rätsel in Layton auch gerne mal etwas knackiger, weil sie sich eben nicht auf „Benutze x mit y“ beschränken müssen und auch mal völlig abstrakt, von der Story losgelöst sein können.

  9. Adam Pavlukov - 24.11.2010 11:06

    Ich will das gar nicht lesen, ich will das gar nicht lesen! Ihr seid so fies mit eurem Layton. Pah. Dafür haben wir auf dem PC auch voll tolle Spiele. >_<

  10. Manu - 24.11.2010 11:18

    @Adam: Schau dir mal Puzzle Agent an von Telltale, das geht in die Layton-Ecke für PC (und iPad)

  11. Adam Pavlukov - 29.11.2010 11:55

    Stimmt sieht ähnlich aus und gibt es bei Steam zu holen, mal schauen. :)

    Danke.

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