The Metro is a lie!

Da Metro: Exodus ein narrativer Singleplayer-FPS ist, werde ich versuchen, auf größere Story-Spoiler zu verzichten, um Euch den Spaß nicht zu verderben. – „Ja, aber, aber, aber… …deine Überschrift…!“ – Naja, dass es außerhalb der Moskauer Metro doch noch andere Überlebende des Atomkrieges gibt und Artyom in diesem Spiel aufbricht, um einen besseren Ort zum Leben für sich und seine Frau Anna zu finden, dürfte schon jeder, der sich nur ansatzweise für die Metro-Reihe interessiert, im Vorfeld mitbekommen haben. Und wer die Bücher von Dimitry Glukhovsky gelesen hat, weiß ohnehin schon seit mehreren Jahren, dass es im Metro 2033 Universum noch mehr gibt, als nur die vermeintlich letzten Überlebenden in der Moskauer Metro. Spätestens seit seinem letzten Buch, Metro 2035, ist klar, dass die Leute dort mehr als 20 Jahre belogen wurden und absichtlich vom Rest der Welt abgeschirmt wurden.

Metro: Exodus spielt im Jahr 2036 und fasst die Geschehnisse aus Metro 2035 schon in den ersten paar Spielstunden zusammen, wobei man sich, wie schon beim Vorgänger Metro: Last Light, nur noch grob an der Buchvorlage orientiert. Danach beschreitet die Story komplett eigene Wege; eine Tatsache, über die sich Dimitry Glukhovsky in Interviews übrigens eher wenig amüsiert äußerte. Das liegt aber vermutlich nicht daran, dass die Story des Spiels grundsätzlich Mist ist (Spoiler: Ist sie nicht!), sondern ist wohl eher der Tatsache geschuldet, dass Metro: Exodus story-technisch einige Türen hinter sich zuschlägt, die Glukhovsky wohl lieber weiter offen gesehen hätte. Wenn man das Ende (oder besser: eines der beiden möglichen Enden) des Spiels erreicht hat, fragt man sich zurecht, was denn jetzt wohl überhaupt noch kommen kann. Das Ganze wirkt definitiv wie ein runder Abschluss der bisherigen Story. Und wenn doch noch weitere Spiele folgen sollten, dürften sie eigentlich nicht mehr den Namen „Metro“ so prominent tragen wie bisher und höchstens noch SpinOffs oder dergleichen sein. Ein weiteres Problem innerhalb des Universums ist, dass die ersten beiden Spiele aller Freiheiten zum Trotz auch von Glukhovsky als Kanon angesehen wurden. Der spätere Verlauf der Geschichte macht es allerdings schwierig, das auch weiterhin so zu sehen, denn die Vorstellungen des Autors bezüglich der Zukunft des Metro 2033 Universums scheinen ganz andere zu sein…

Trotzdem muss ich sagen, dass mir der narrative Aspekt des Spiels sehr gut gefallen hat, auch wenn Metro: Exodus hier wieder die gleichen Macken bereit hält, die mich schon bei den beiden Vorgängern ein wenig störten. Damit meine ich im wesentlichen die nicht als solche für den Spieler kenntlich gemachten Entscheidungspunkte, die den Ausgang der Geschichte beeinflussen – bis heute eine Eigenheit der Serie, bei der ich mich einfach nicht entscheiden kann, ob ich sie cool oder ärgerlich finden soll – , und die Tatsache, dass Artyom unter dem „Gordon Freeman-Syndrom“ leidet: Er spricht wie gewohnt nur in den Ladebildschirmen, ansonsten ist er stumm. Es wirkt auf mich einfach anti-immersiv, wenn die NPCs ständig mit dem Protagonisten reden, aber dieser nie ein Wort entgegnet. Das fand ich schon damals in den Half-Life-Spielen blöd und werde es auch in anderen Spielen immer blöd finden. Davon mal abgesehen, erzählt Metro: Exodus seine Geschichte aber spannend, emotional und insgesamt wirklich gelungen.

Aber nicht nur Hardcore-Fans der Bücher könnten im Gegensatz zu mir eventuell ein Problem mit Metro: Exodus haben, sondern auch Hardcore-Fans der ersten beiden Spiele. Zumindest jene, die die Spiele in erster Linie wegen ihres klaustrophobischen Tunnel-Settings mochten, denn das dritte Spiel geht hier einen etwas anderen Weg als noch Metro 2033 und Metro: Last Light. Dass Metro: Exodus ein richtiger Open-World-FPS ist, wie vor der Veröffentlichung vielerorts zu vernehmen war, kann man so eigentlich nicht sagen. Vielmehr ist es eine Art „postapokalyptischer Roadtrip“ per Zug, bei dem man von „Open-Worldchen“ zu „Open-Worldchen“ reist. Es gibt mehrere offene Gebiete mit Haupt- und Nebenaufgaben, bei denen das grundlegende Vorgehen des Spielers nicht ganz linear vorgegeben ist. Man kann die Nebenaufgaben machen und man kann die Areale bis in die kleinste Ecke erkunden, was durchaus Vorteile in Form von mehr Hintergrundinformationen und besserer Ausrüstung mit sich bringt, aber man muss nicht. In jedem „Open-Worldchen“ gibt es eine klare Hauptaufgabe und wenn die erledigt ist, geht es mit dem Zug weiter zum nächsten Ziel der Reise gen Osten.

Als richtiges Open-World-Spiel ist Metro: Exodus also definitiv nicht. Außerdem gibt es über den gesamten Verlauf des Spiels immer wieder Abschnitte, die dem Metro-Fan genau das liefern, was er aus den Vorgängern gewohnt ist: gruselige Tunnel-Action, (optionale) Stealth-Abschnitte, postapokalyptische Mutanten, bekloppte Fraktionen von Überlebenden, beschlagene Gasmasken, selbstgebaute Luftdruckgewehre, Handgeneratoren, usw. Insgesamt muss man schon sehr engstirnig sein, wenn man behauptet, Metro: Exodus wäre gar kein richtiges Metro-Spiel mehr. Ich für meinen Teil kann die Entscheidung von 4A Games, das Spielprinzip kein zweites Mal unverändert aufzuwärmen, vollkommen nachvollziehen und bin mit dem Ergebnis überraschend zufrieden. Die nun zusätzlich hinzugekommenen Mad Max– und S.T.A.L.K.E.R.-Vibes sehe ich als willkommene Öffnung der Reihe.

Metro: Exodus ist, wie schon seine beiden Vorgänger, keine richtige AAA-Produktion. Es ist immer noch kein glattgelutschtes Spiel ohne Ecken und Kanten, das auf Teufel komm raus jedem gefallen will und bis zur Transparenz poliert wurde. Das Movement ist manchmal immer noch etwas hakelig, einige der Serien-Gimmicks, wie beispielsweise die Luftdruckwaffen oder der Filterwechsel der Gasmasken, werden den Freunden von EA- und Activision-Shootern immer noch unnötig sperrig vorkommen und die Gegner-KI ist auf den unteren Schwierigkeitsgraden eher als bräsig zu bezeichnen. Das muss man alles nicht mögen, aber genau diese Ecken und Kanten wecken bei mir eine besondere Sympathie für diese Reihe. Hinzu kommt, dass Metro: Exodus viele größere Produktionen in Sachen World Building und Detailverliebtheit locker in die Tasche steckt.

In einem Punkt ist Metro: Exodus dann aber doch irgendwie Triple-A: Ich muss mir dieses Jahr wieder dringend einen neuen Spiele-PC zulegen und bin derzeit noch mit einer inzwischen betagten GeForce 970 GTX. Aber meine Fresse, selbst auf meiner relativ ollen Gurke sieht das Spiel absolut großartig aus! Ich finde das insbesondere deshalb erwähnenswert, weil der Schritt raus aus der Metro auch ganz andere Anforderungen an die Engine stellt. Dass der relativ kleine Entwickler 4A Games in den meist engen und dunklen Arealen der beiden Vorgänger schon grafisch Beeindruckendes auf die Beine gestellt hat, ist bekannt. Aber was man im aktuellen Teil der Serie zu sehen bekommt, ist echt wirklich erste Sahne, drinnen wie draußen! Und wenn ich in ein paar Wochen einen neuen Rechner am Start habe, wird Metro: Exodus das erste Spiel sein, das ich darauf wieder installieren werde. Raytracing, Baby! Ich bin schon seit vielen Jahren kein Grafik-Fetischist mehr, aber schaut Euch einfach mal Videos an, in denen das Spiel auf aktuellen High-End-Rechnern läuft. Das ist echt der Hammer!

Metro: Exodus ist kein echter Meilenstein und auch nicht Everybody’s Darling. Dafür hat es dann doch einfach zu viele Ecken und Kanten. Aber genau die machen es, wie schon seine Vorgänger, zu etwas Besonderem. Wer nicht sofort rumheult, weil ihm wieder zur falschen Zeit die Druckluft im Gewehr ausgegangen ist oder weil er beim herumlaufen an kleinen Trümmern am Boden hängengeblieben ist, bekommt einen gut erzählten, spannend inszenierten und todschicken Singleplayer-Shooter in einer faszinierenden Spielwelt, der von der ersten bis zur letzten Minute toll unterhält.

Ach so, wer übrigens die ganze Zeit darauf gewartet hat, dass ich hier ein flammendes Statement zum exklusiven PC-Release auf dem Epic Games-Launcher verliere, hat umsonst bis hier her gelesen. Man kann da sicherlich unterschiedlicher Ansicht sein, aber ich wollte in diesem Text ganz bewusst nicht über diese Kontroverse sprechen, weil das gelungene Spiel an sich nichts dafür kann und diese Verkaufsplattform-Diskussion lieber gesondert geführt werden sollte. Danke schön, weiter gehn.


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4 Kommentare

  1. Missingno. - 26.02.2019 10:42

    Ich […] bin derzeit noch mit einer inzwischen betagten GeForce 970 GTX.

    *Schaut auf seinen PC mit einer „neuen“ (> 3 Jahre alt) GTX 960* Hm…

  2. SpielerZwei - 26.02.2019 15:13

    Ich wollte hier niemanden runterziehen. ;-)
    Für die aller meisten Spiele ist die 970 GTX auch jetzt noch voll in Ordnung, sofern man nicht mehr als 1080p will und teilweise auf „Ultra“-Einstellungen verzichten kann. Aber da bei mir jetzt eh wieder ein Rechnerwechsel ansteht, werde ich in den neuen auf jeden Fall eine der RTX-Karten mit Raytracing einbauen. Ob man dieses Feature in Zukunft wirklich haben muss oder es sich in 2-3 Jahren als Hype entpuppt, weiß ja jetzt noch niemand…

  3. Missingno. - 27.02.2019 12:04

    Ach, da TVs gerade immer größer und „pixeliger“ (mehr Pixel) werden, bin ich da sowieso vollkommen abgehängt so lange mein alter 1680×1050-Pixel-20″-TFT-Monitor werkelt.
    Wenn ich da mal blöd frage: Warum steht bei dir ein Rechnerwechsel an? Einfach nach x Jahren mal wieder was neues oder Leistung schon nicht mehr ausreichend für dich?

  4. SpielerZwei - 27.02.2019 15:59

    Warum? Der Rechner ist jetzt sage und schreibe 7 Jahre alt! Einmal zwischendurch die Grafikkarte gewechselt, ansonsten unverändert. Ich kann darauf zwar immer noch alles spielen, muss aber immer öfter auf die Top-Einstellungen verzichten. Aber da kannste auch Leute fragen, warum sie sich ein neues Auto kaufen, obwohl das alte noch fährt…
    Ich habe einfach wieder mal Bock drauf, mir eine neue Kiste zu kaufen, die die nächsten 3-4 Jahre über die Hardwareanforderungen jedes neuen Spiels lacht und die höchsten Grafikeinstellungen ohne Probleme stemmt. Und die Nummer mit dem Raytracing, so es denn in Zukunft von mehr Spielen unterstützt wird, ist die Kirsche oben drauf.

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