Peterchens Mondfahrt

Schon beim Aufploppen des Hauptmenüs dachte ich; „Haaach, so eine schöne Musik! Und was sind das für tolle Symbole hier? Ich klick direkt mal alles an, huch?“ LUNA The Shadow Dust war ursprünglich ein Kickstarter mit einem größtenteils aus China stammenden Team. Ob die eingenommenen 17000 US-Dollar für ein Point & Click-Adventure oder Puzzle-Spiel nun viel sind oder nicht, darüber kann man sich wohl streiten. Aber es ist auf jeden Fall nicht genug, um den vier Entwicklern von Lantern Studio davon mehrere Jahre den Lebensunterhalt zu finanzieren. Und TROTZDEM wurde hier an eine Linux-Version gedacht (Ja, ich gucke euch an, liebe Leute, die ihr „für PC“ schreibt, wenn ihr doch nur Windows meint)!

Der Hauptcharakter ist ein Junge, der – wie auch schon z.B. die Hauptfigur in Gris – am Anfang des Spiels sehr tief fällt und sich nach und nach durch einen mysteriösen sehr hohen Turm Zimmer für Zimmer wieder hocharbeiten muss. Warum er dabei nun eine Art Hasenkostüm trägt? Ich weiß es auch nicht, aber zusammen mit seinem plüschigen, kugelförmigen Begleiter, den er sehr bald kennenlernt, sieht er einfach sehr goldig aus, also beschwere ich mich nicht!

Mit seinem Stummfilm-Appeal und seiner putzigen Grafik erinnert das Spiel sehr an die hierzulande bekannten Amanita Design-Titel wie Machinarium oder Samorost. Die wenigen Gespräche, die im Spiel überhaupt stattfinden, werden über Sprechblasen dargestellt, die einzelne Satzzeichen oder ein Symbol für das aktuelle Gesprächsthema beinhalten. Das ist nicht nur extrem praktisch, weil man sich sehr viel Lokalisierungsaufwand spart, sondern funktioniert auch tatsächlich sehr gut, weil das gesamte Spiel darauf ausgelegt ist, keine Erklärungen zu brauchen.


Nerviges Pixelhunting oder Durchklicken aller Hotspots auf dem Screen, was mich in so vielen anderen Adventures schon fast hat wahnsinnig werden lassen, hat man sich hier komplett gespart. Auswählbar sind immer nur exakt die Bildbereiche, die man tatsächlich für die Lösung braucht und der Kniff ist herauszufinden, was genau man mit ihnen anstellen soll.

Die Rätsel sind alle ziemlich fair, so dass man gut durchkommt, und doch alle sehr unterschiedlich. Mal muss man an einen eigentlich unerreichbaren Ort kommen, indem man Schatten erzeugt und den süßen Begleiter, zu dessen Steuerung man switchen kann, in dieser neu erschaffenen Schattenwelt Hindernisse überwinden und Feinden ausweichen lässt. In einem der Zimmer muss man genau das tun, indem man relativ schnell aufeinander folgend verschiedene Gegenstände anklicken muss. Das klingt vielleicht nach einer nur sehr kleinen Hürde, ist man aber motorisch etwas eingeschränkt, könnte man hier Probleme bekommen. Eine wie ich finde schönere Lösung wurde für ein Musikrätsel gefunden, für dessen Töne auch immer das dazu passende Symbol an der Wand aufleuchtet. So kommt man hier auch wunderbar ohne Ton ans Ziel.

Dass ich bei dieser wunderschönen und handgezeichneten Grafik gefühlt alle drei Sekunden einen Screenshot gemacht habe, dürfte wohl klar sein! Die liegen dann wieder mit dem Vorsatz einfach ständig mein Hintergrundbild am Rechner auszutauschen auf der Festplatte rum, bis ich sie kurz danach vergesse. So ist das mit den Screenshots und trotzdem freu ich mich bei jedem dieser großartigen Szenarien, dass ich es so schön eingefangen habe und das ist ja auch was wert! Mir gehen langsam die positiven Adjektive für die Optik aus, aber das macht ja auch gar nichts, denn ihr wollt das Spiel bestimmt sowieso alle schon kaufen, nachdem ihr meine tollen Bilder hier gesehen habt.

Ein großer Story-Twist kommt mit einer Tragödie, durch die der Junge und sein putziger Freund auf sehr herzzerreißende Weise getrennt werden und sich alleine durchkämpfen müssen. OB SIE JE WIEDER ZUEINANDER FINDEN?! Man weiß es nicht, man weiß es nicht, aber ihr müsst es schon selbst zu Ende spielen, um mit dem Weinen aufzuhören!


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