Vor ein paar Wochen begab es sich, dass ich Urlaub, aber kein interessantes Videospiel zur Hand hatte. Wir Videospielexperten sprechen in diesem Zusammenhang auch gerne vom sogenannten „Sommerloch“. Was also tun? Raus in die Natur und bei lebendigem Leib vom Klimawandel verbrannt werden? Es sah nicht gut aus… Allerdings hatte ich mitbekommen, dass alle Welt 007 First Light abfeierte. Ich lebe ja nicht unter einem Stein. Die Sache hatte jedoch einen Haken: Das neue Bond-Spiel ist von IO Interactive und die sind ja bekannt für ihre Hitman-Reihe, mit der ich leider gar nichts anfangen kann. Nicht weil es keine guten Spiele wären, sondern schlicht, weil sie nicht mit mir kompatibel sind. Dieses kleinteilige puzzeln und planen und immer wieder von vorne beginnen ist nicht so mein Ding. Und da ich von dem Studio eigentlich nichts anderes als einen 007-Reskin ihrer Hitman-Spiele erwartete, kam es für mich zum Release nicht in Betracht.




Ja, ich höre die GoldenEye-Crowd schon die Messer wetzen, aber lasst mich ausreden…
Was Rare da mit GoldenEye 1997 für das N64 auf die Beine gestellt haben, war ein echter Meilenstein! Ein richtig schicker Konsolen-Ego-Shooter, der sich auch noch mit einem Gamepad ordentlich steuern ließ, war damals schon für sich eine Sensation. Dazu kam noch, dass GoldenEye das Geballer noch mit Schleichen und Puzzeln kombinierte und das Gameplay so deutlich abwechslungsreicher war, als andere populäre Konsolen-Shooter wie z.B. Turok oder Quake64. Und der absolute Knaller war natürlich das fantastische (weil funktionierende) 4-Spieler-SplitScreen-Deathmatch! Das haben meine Freunde und ich damals bestimmt öfter als Mario Kart 64 gespielt, wenn wir uns trafen. GoldenEye 64 war damals einfach ein super Spiel und zu Recht bis heute ein Klassiker!
Aber es war kein cineastischen Erlebnis. Und inhaltlich kein Stück eigenständig. Ich hatte nie das Gefühl, James Bond (respektive Pierce Brosnan) zu sein. Man spielte halt einfach Set Pieces vom letzten Bond-Film nach, mehr nicht. Der war 1995 zugegebenermaßen auch richtig gut und es ist schon fast ironisch, dass Brosnans Einstand als Bond auch gleichzeitig der Höhepunkt seiner 007-Zeit war, aber GoldenEye 64 war inhaltlich einfach nur das Spiel zum Film, mehr nicht. Meilenweit entfernt von der Gesamterfahrung, die IO Interactives 007 First Light darstellt…

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