Polyvieux: Grand Theft Auto

Ihr werdet es kaum glauben, aber der erste Teil des folgenden Artikels ist schon fast ein Jahr alt. Der gemeine SpielerZwei hat eines Nachts einfach das Script zusammengeknüllt und in die Tonne geschmissen, um so seine Antipathie gegenüber Rockstar Games zu demonstrieren. Ein Glück, dass wir in der miefigen Polyneux-Redaktion nur sehr unregelmäßig den Müll rausbringen, denn sonst hätte Chris nicht jetzt das betagte Script wiedergefunden. Wir fassen also zusammen: SpielerZwei mag Rockstar nicht und Chris wühlt nachts in Mülltonnen rum. Man kann das traurig finden, aber auch froh sein, denn sonst gäbe es diesen aktuellen unaktuellen Artikel einfach nicht. Und wir schwören, die bevorstehende Veröffentlichung von GTA V hat damit üüüberhaupt nichts zu tun…

DoreenDoreen: Als ich letztens Sleeping Dogs spielte, war es natürlich unausweichlich, zeitgleich auch an GTA zu denken. Logisch, der ganze Open World-Krams hat über die Jahre hohe Wellen geschlagen, ob einem das nun gefällt oder nicht. Und da ich das ganze Zeug eigentlich recht gerne mag, muss man sich auch zwangsläufig mit Rockstar auseinandersetzen. Leider konnten Rockstars letzte Machwerke L.A. Noire und Max Payne 3 so gar nicht bei mir punkten und demnach habe ich vor GTA V auch ziemliche Angst. Jedoch will ich auch Red Dead Redemption nicht vergessen, welches mir vor ein paar Jahren sehr viel Spaß gemacht hat. Das Verhältnis ist also etwas durchwachsen, aber ich versuche optimistisch zu sein.

Meinen Start mit Grand Theft Auto hatte ich im Jahre 2000. Den ersten Teil hatte ich ganz dreist übersprungen und versuchte mich gleich am zweiten, aber gefunkt hat es irgendwie nicht. Der Blick aus der Vogelperspektive lag mir nicht und ich fand die Aufträge schrecklich langweilig. Der dritte Teil, ungefähr ein Jahr später, änderte dann aber alles. Den habe ich ungefähr drei Mal durchgespielt. Unser Held hatte weder einen Namen, noch sprach er ein Wort mit seinen Auftraggebern, total merkwürdig im Grunde genommen. Dead Space lässt grüßen. Trotzdem funktionierte das Spiel für mich in jederlei Hinsicht. Endlich 3D, ein tolles Fahrgefühl mit den verschiedenen Autotypen und dieses riesige Liberty City sah einfach supergut aus. Mein Lieblingswagen war so ein Jeep, den fand ich voll schnittig und bin mit dem oft stundenlang ziellos durch die Stadt gefahren und habe Radio gehört. Insgesamt habe ich in das Spiel wirklich viel Zeit versenkt, hauptsächlich nur mit Cruisen. Was wäre GTA nur ohne Cruisen?

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2002 lag ich dann mehrere Monate fast durchgehend im Krankenhaus und hatte dort reichlich Zeit, den Nachfolger Vice City zu spielen. Wie ich das immer so empfand, ist dieser Teil bei der Crowd wohl der Beliebteste. Ich fand ihn auch super, besonders vom Setting her. Miami in den 1980ern, geile Musik, Männer in Schlaghosen und bunten Hawaihemden – meine Fresse. In diesem Teil bin ich hauptsächlich mit dem Motorrad gefahren, die gab es im Vorgänger noch nicht, wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe. Damals dachte ich, besser kann man GTA nicht machen, aber ich bin ja keine Expertin. Das habe ich spätestens dann begriffen, als San Andreas erschien.

Hier schlüpfte ich in die Rolle von Carl, einen (zumindest anfangs) hageren Typen, der nach Hause zu seiner Familie kommt und sich mitten in den Bandenkriegen von Los Santos wieder findet. San Andreas war riesengroß und alles sah nach einer Mischung aus Los Angeles und Las Vegas aus. Man hatte endlos viele Freiheiten und Möglichkeiten. Ich hing sehr häufig bei Taco Bell und im Gym ab. Irgendwann wurde mein Carl immer dicker, später dann sah er aus wie das Bibendum, war am ganzen Körper tätowiert und wechselte seine Frisur fast täglich. Ich fuhr auf der Harley raus in die ländliche Provinz, auf Straßen mit ranzigen Motels – ich fand es großartig. Auch die Story hatte teilweise obskure Momente. Am spaßigsten fand ich Carls Freundin, deren Namen ich natürlich vergessen habe, in den Wäldern. Sie nutzte ihn aus, um ihre merkwürdigen sexuellen Vorlieben auszuleben und hatte einen Befehlston drauf wie ein frustrierter General. Highlight war dann der Fallschirmsprung später im Spiel, ich konnte es nicht fassen. Und natürlich hatte ich auch mal den Hot Coffee-Mod ausprobiert. Naja, Sex in Klamotten war noch nie mein Ding. Viel Lärm um nichts. Was ich an dem Teil aber extrem nervig fand, waren die Bandenkriege später im Spiel. Ein Revier eingenommen, musste es alle Nase lang verteidigt werden. Blärch!

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Mit GTA IV habe ich dann meinen bisherigen letzten Teil gespielt. Wie ich das mitbekommen hatte, musste er sich auch reichlich Kritik gefallen lassen. Ich weiß eigentlich gar nicht genau, warum. Mir ging nur eine Sache mächtig auf die Nerven und das waren die elendigen aufploppenden Autos aus dem Nichts, wenn ich die Straße überqueren wollte. Nach Rechts und Links schauen konnte man sich im Grunde genommen klemmen. Insgesamt habe ich den Teil mit Nico Bellic als den reifsten wahrgenommen. Viel zu lachen hatte man nicht, die Figuren wirkten allesamt etwas ernster. Auch der Umfang des Spiels ist im Gegensatz zu San Andreas wieder etwas kleiner geworden. Hier beschränkte man sich auf eine große Stadt, wieder war es das altbekannte Liberty City im neuen Gewand. Zwei Dinge fehlen mir zu diesem Teil allerdings noch: Die Add-Ons The Ballad of Gay Toni und The Lost and the Damned habe ich noch nicht gespielt – Schande über mich.

Den ganzen Handheld-Kram habe ich gekonnt ignoriert. Ich hatte kurz überlegt, Chinatown Wars auf meinem iPod anzugehen, aber ich habe es gelassen. Ich denke, dass wäre nicht gut gegangen.

Ich bin mal gespannt, was meine Beifahrer zu sagen haben. Ich glaube, nicht jeder ist unbedingt ein Rockstar- bzw. Grand Theft Auto-Fan. Oder?

StiftnürselStiftnürsel: Da haben wir aber ziemlich unterschiedliche Meinungen über die Serie, Doreen. Mir können alle GTA-Teile, die nach dem zweiten erschienen sind, gestohlen bleiben. Angefangen hat bei mir alles mit der Demo des ersten Teils. Mann, Mann, Mann… habe ich die geliebt. Damals hatte die ein Freund von mir auf seinem PC (ich hatte ja noch keinen) und wir haben wirklich Stunden davor verbracht. Da gab es eine Zeitbegrenzung von ich glaube vier oder fünf Minuten. Danach war Schluss. Wir haben wirklich alles aus dieser kurzen Zeit herausgeholt. So viele Punkte, geklaute Autos, getötete Polizisten und was weiß ich noch alles wie möglich… man hätte das alles mal notieren müssen. Rekorde, sage ich euch, Rekorde!

Als ich dann meinen ersten PC bekam, dauerte es natürlich nicht lange, bis GTA den Weg zu mir fand. Ich war vielleicht glücklich. Ich habe mir die Karten der Städte ausgedruckt und an die Wand gehängt. Ich habe alle versteckten Wagen gefunden und alles erkundet. Ich war auf jedem verdammten Dach. Ich bin die Feuertreppen in meinen Sportwagen hochgefahren und bin dann von dort aus in den Tod gesprungen. Weil es ging. Die Karten habe ich übrigens immer noch irgendwo rumfliegen.

Ich fand den Abwechslungsreichtum des Spiels unglaublich motivierend. Missionen erledigen, das von meiner Kollegin bereits angesprochene „Rumcruisen“, die Gegend erforschen, Rumballern… es gab ja so viel zu tun. Und es hat Spaß gemacht. Die „Speed“-Mission mit dem Bus! Den Weg zu der dürfte ich immer noch kennen. Die habe ich immer als erstes erledigt. Ich hatte mir sogar eine Art Ideallinie überlegt.

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Dann kam GTA 2. Oh je. Wie habe ich diese Zeit eigentlich überlebt? Für mich war das eine konsequente Weiterentwicklung. Alles war besser. Der Elektroschocker! Hahaha. Perfekt. Ich glaube, ich sollte mal schnell GTA 2 installieren.

Nein, erst sage ich noch was zu den Nachfolgern: Ihr könnt es nicht hören, aber ich gebe gerade laute Furzgeräusche von mir. Mit dem Mund natürlich. Sonst würden sich ja die Nachbarn beschweren. GTA 3 war eine herbe Enttäuschung. Es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht. Dabei hatte ich mich anfangs noch so darauf gefreut. Aber nach den ersten Stunden kehrte ich wieder zurück zu GTA 2. Ja, während um mich herum alle in die 3D-Welten eintauchten, genoss ich die Vogelperspektive. Sie erinnerte mich an meine Kindheit, als ich mit meinen Spielzeugautos auf einem Autoteppich gespielt habe. Nein, ich will nicht lügen. Ich hatte gar keinen Autoteppich. Ja, jetzt ist es raus. Ich hatte als Kind keinen Autoteppich. Aber ich habe so getan, als hätte ich einen. Und es hat Spaß gemacht! GTA 1 und 2 waren mein Autoteppichersatz. So war das. Genau.

Hatten meine Kollegen eigentlich Autoteppiche?

DoreenDoreen: Ich hatte keinen, aber die Jungs bestimmt?

 

Zwerg-im-BikiniZwerg im Bikini: Ich auch nicht. Genau so wenig wie GTA. Ich sehe da bei mir einen Zusammenhang, denn Autos haben mich viele Jahre lang weder zwischen den Katzenhaaren auf meinem Teppich noch in Videospielen interessiert. Dazu kam das Problem, dass meine Freunde alles mögliche gezockt haben, nur kein GTA. Lange Zeit wusste ich deshalb nicht einmal, wofür diese triste Abkürzung überhaupt stand… das klang zu sehr nach Golf GTI und zu wenig nach CIA, um mich neugierig zu machen. Und so kommt es, dass ich bis heute noch keinen einzigen Teil der Reihe angespielt habe (und eine gewisse Abneigung gegenüber Abkürzungen von Spieletiteln hege).

SpielerZweiSpielerZwei: Um zunächst einmal die Frage von Stiftnürsel zu beantworten: Nein, ich hatte als Kind keinen Autoteppich. Gab’s die in den 70ern überhaupt schon? Egal. Meine Eltern hatten ganz normale Teppiche mit Mustern und ich viel Fantasie. So wurden die Teppichmuster kurzerhand zu meinen Straßen, auf denen meine Matchbox-Autos ihre Runden drehten. Hach, damals (TM)… Was war nochmal das Thema? Ach ja, die GTA-Serie.

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Ich fand Grand Theft Auto schon immer doof. Sowohl in 2D, als auch in 3D. Die ersten beiden Teile erinnerten mich irgendwie zu sehr an das schreckliche Miami Vice-Spiel von OCEAN, wo man damals auf dem C64 ebenfalls ziellos in der Stadt herumgurkte. Vielleicht gab es sogar ein Ziel, wer weiß, aber ich hatte aus Gründen, die ich nicht weiter erläutern möchte, keine Anleitung zu dem Spiel. Anyway, ich habe mit den ersten beiden GTAs nur ein paar Stunden totschlagen können und sie dann entnervt und gelangweilt zur Seite gelegt.

Von den 3D-GTAs hat mir einzig und allein Vice City wirklich gut gefallen. Das lag aber eindeutig am Setting, nicht am Spiel selbst. Rockstar Games haben in diesem Teil einfach auf ganz wunderbare und nicht zu ernste Weise die 80er- und Miami Vice-Atmosphäre eingefangen, die seinerzeit selbstverständlich auch Teil meiner Jugend war. Aber obwohl ich etliche Stunden in Vice City verbracht habe, habe ich die Story niemals beendet. Primär weil die Story-Missionen teilweise totaler Mist waren. Außerdem ist die Steuerung einiger Fahrzeuge und vor allem der Shootouts vermutlich von einem Schimpansen programmiert worden. Der Schimpanse, der für die Steuerung verantwortlich war, ist bei Rockstar Games ohnehin wohl der meistbeschäftigste Mitarbeiter, denn die meisten Spiele dieser Firma zeichnen sich für mich besonders dadurch aus, dass die Steuerung immer einige, manchmal zu viele Macken enthält.

Wie auch immer. Nach Vice City kam San Andreas. Das hatte leider kein 80er-Jahre-Setting, aber dafür coole Ghetto-Gangster-Spackos und tolle Hip-Hop-Mucke. Absolut fürchterliches Spiel! Seitdem ist GTA für mich auch endgültig durch, egal was sie mit der Serie in Zukunft noch anstellen werden…

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Aber um noch mal auf Rockstar Games als Entwickler zu kommen: Bis auf die von mir nach wie vor geschätzte Midnight Club-Serie, finde ich eigentlich fast jedes Spiel von denen scheiße. Und glaubt nicht, dass mich das nicht beschäftigt hätte, denn immerhin finden die meisten anderen Spieler Rockstar-Titel tendenziell gut bis super-duper-nerdtastisch. Eine ganze Zeit lang dachte ich, dass mich Open-World- bzw. Sandbox-Spiele einfach nicht ansprechen. Allerdings haben Spiele wie Just Cause, Saints Row und ein paar andere diese These in den letzten Jahren deutlich widerlegt. Außerdem fand ich auch Max Payne 3 ganz schrecklich, welches so linear ist, wie es linearer nicht geht. Also muss es doch an etwas anderem liegen… …Hmm… …Ich komm einfach nicht drauf. Aber irgendwas tun die Leute bei Rockstar definitiv in ihre Spiele, das mich total abturnt. Also zusätzlich, neben der fast allgegenwärtigen Kack-Steuerung. Nennen wir es einfach „Zutat X“, wobei „X“ irgendein Scheiß ist, den ich zwar nicht genauer benennen kann, der aber definitiv immer wieder die gleiche Reaktion bei mir hervorruft: Ich mag (die meisten) Rockstar Games einfach nicht!

DoreenDoreen: Vielleicht ist es ja der Humor? Ich habe z.B. nie verstanden, was dieser Zombie-DLC in Red Dead Redemption sein soll. Gut, ich habe den nicht gespielt, aber genau aus dem Grund weil sich mir nicht erschliesst, was sowas in einem Western-Spiel zu suchen hat. Ich habe gar keine Motivation das herauszufinden, weil das so gar nicht für mich zusammenpasst. Ich würde fast sagen, in der Hinsicht übertreiben sie es oft.

SpielerZweiSpielerZwei: Nein, am Humor liegt es bestimmt nicht. Die meisten Spiele von Rockstar nehmen sich selbst sehr ernst. Das parodistische Vice City ist da eher die Ausnahme. Es hat definitiv etwas mit dem Gameplay zu tun…

StiftnürselStiftnürsel: Genau dieses Ernstnehmen ist es übrigens auch, was mich von den letzten GTAs ferngehalten hat. Ich hatte mir von einem Bekannten mal GTA 4 ausgeliehen, aber schon nach einiger Zeit keine Lust mehr darauf gehabt. Das hängt vermutlich mit meinem Spaßdrang zusammen. In einem „Open World“-Spiel will ich Spaß haben. Klar, bei GTA 4 konnte man auch rumfahren, -ballern und -chaosen… -chaossen… Chaos verbreiten. Aber begab man sich auf die Handlungspfade, wurde man von der Sozialkritik wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen ernste Themen in Spielen, aber irgendwie brauche ich so etwas nicht in einem Spiel wie GTA. Erst fahre ich rum, töte 200 Polizisten, baller mit Raketen um mich und dann fahre ich zu meinem Bruder und der hat total die Probleme mit so einem bösen Mafiosi, der mir total die Probleme macht. Das passt irgendwie nicht zusammen. Da das aber mittlerweile einen Großteil der GTA-Reihe ausmacht, habe ich mich eben von ihr abgewandt.

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Das ist jetzt aber eine perfekte Überleitung zu meiner Theorie, dass Saints Row – The Third für mich der richtige GTA 2-Nachfolger ist. So viel Spaß wie hier hatte ich schon lange nicht mehr in einem „Open World“-Spiel. Die vollkommen übertriebene Handlung wurde im Grunde an mein Spielverhalten angepasst. Das, was ich ansonsten abseits der Handlung mache, gehört hier zur normalen Geschichte. Man nimmt sich nicht ernst, übertreibt maßlos und lässt mich immer wieder begeistert lachen. Also: GTA, GTA 2, Saint’s Row – The Third. Das ist meine Zeitleiste.

ChrisChris: Mir ging das mit Just Cause 2 schon so. Ein Spiel, das absolut auf das fokussiert ist, was an GTA immer am meisten Spaß machte: Chaos verbreiten. Es bedient gemeinsam mit Saint’s Row – The Third eine Lücke, die es überhaupt nur gibt wegen Rockstars Bestreben, die GTA-Reihe mit Teil 4 erwachsen werden zu lassen. Übertriebene Ernsthaftigkeit kann man San Andreas oder GTA 3 meines Erachtens nämlich nicht unbedingt vorwerfen.

Warum hat noch niemand Cheats erwähnt? Tue ich das eben. Cheats! Damit wird die GTA-Reihe für mich auf ewig verbunden sein. Zu verdanken ist das vor allem GTA 3 und Vice City. Die hatten wirklich alles im Gepäck, was man für eine gehörige Portion Frust braucht. Eine suboptimale Steuerung. Bockschwere Missionen, die sich im späteren Spielverlauf häufig auch nur dann schaffen ließen, wenn man im Vorhinein wusste, was passieren würde, also wenn man schon mindestens einmal an der Mission gescheitert ist. Speicherpunkte aus der Hölle. Nix mit Neuladen direkt vor der Fabrik: Du wachst schön im Krankenhaus wieder auf, fährst einmal quer durch die Stadt und holst dir den Auftrag nochmal ab und dann fährst du den ganzen Weg bis zum Fabriktor noch einmal! Zwanzig Minuten Fahrzeit und dann wirst du im dritten Raum erschossen. Irre! Hat das irgendjemand auf diesem Planeten ohne Cheats gespielt? Wenn ja, wieso?

Besser wurde das erst mit San Andreas. Der Schwierigkeitsgrad war moderater und einige wenige, besonders lange Missionen hatten sogar Speicherpunkte während der Mission. Revolution! Leider war an San Andreas sonst nichts wirklich besser als an den Vorgängern. Das Spiel war völlig überfrachtet mit halbgaren Ideen wie dem Fitnessstudio und den Fast-Food-Läden, die es zu Recht nicht in den Nachfolger geschafft haben. Einzig San Fierro, Rockstars San-Francisco-Imitat, habe ich in angenehmer Erinnerung.

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SpielerZweiSpielerZwei: Findet überhaupt einer von den Anwesenden GTA so richtig toll?

 

ChrisChris: Alles eine Frage der Perspektive. Man muss bedenken, dass GTA 3 bereits über zehn Jahre alt ist! Sei es die GTA-Reihe selbst oder ähnlich geartete Ableger wie Saint’s Row und Just Cause, seien es die Assassin’s-Creed-Titel, seien es Rennspiele wie Most Wanted oder Burnout: Paradise, Rollenspiele wie Skyrim, MMORPGs wie World of Warcraft: An großen, frei begehbaren Welten in 3D herrscht heute kein Mangel mehr. Als GTA 3 im Jahre 2001 erschien, war das völlig anders. Entwickler kämpften in den meisten Genres noch damit, den Sprung von 2D auf 3D einigermaßen würdevoll zu meistern.

Liberty City als große, frei begehbare Stadt in 3D, in der man jede Menge Blödsinn anstellen konnte, war damals eine unglaubliche Errungenschaft. Das musste man gesehen haben! Und das kann man sich, der Comicanmutung des Spiels sei Dank, auch heute noch anschauen, im Gegensatz zu vielen anderen Spielen aus dieser Zeit. Morrowind und Gothic 2 beispielsweise sind ein Jahr später erschienen und deutlich schlechter gealtert. Vice City war die zweite, deutlich verbesserte Auflage und mit San Andreas gingen Rockstar dann langsam die Ideen aus und man hat sich zu sehr auf dem Erreichten ausgeruht, finde ich. GTA 4 ist zwar beileibe kein schlechtes Spiel und das neue Liberty City sieht wundervoll aus, aber der Zauber dieses Sprungs damals von 2D zu 3D, der kommt kein zweites Mal.

Damit hat sich zumindest GTA 3 seinen Platz in den Geschichtsbüchern doch absolut verdient, oder?

DoreenDoreen: Ja, schon. Aber mal davon abgesehen finde ich keinen GTA-Teil wirklich schlecht. Von Teil 1 + 2 habe ich wie gesagt kaum Ahnung, um diese wirklich beurteilen zu können. GTA 3 hat damals auf jeden Fall bei mir am meisten eingeschlagen, einfach weil es eben ein großer Spielzeugladen war, wo ich rumfahren konnte wie ich wollte und das dann auch noch in 3D. Von daher sehe ich das Ganze auch nicht so extrem wie SpielerZwei. Ich kann aber durchaus nachvollziehen, dass Rockstar viele Fans als auch Nichtfans hat, da sie doch immer sehr spezielle Figuren kreieren und auch einen besonderen Humor an den Tag legen.

Abgefahrene Harfenmusik und ein kurzes Verschwimmen des Bildes. Wir wechseln von 2012 in die Gegenwart.

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mayaku

mayaku: GTA ist so an mir vorbei gegangen, dass ich es mit Gran Turismo verwechsle.

 

Le DonLe Don: Oh mein Gott, ich weiß gar nicht mehr, ob ich einen Autoteppich hatte. Ich bin mir aber recht sicher, dass ich zum Release von GTA 3 im Jahr 2001 keinen besaß. GTA 3 ist dann auch mein Lieblingsspiel aus der Reihe geworden, weil mich das 80er- und Gangster-Ambiente aus Vice City und San Andreas nicht so angesprochen hatten wie das schmutzige und verdreckte Liberty City. Leider konnte mich GTA 3, die gesamte Reihe und letztlich das komplette Sandbox-Genre nie so komplett flashen und ist bei mir immer nur als ganz okay hängen geblieben. Speziell GTA 3 hatte mich damals enttäuscht, weil ich dachte, ich könnte irgendwie die Handlung verändern, je nachdem welche Aufträge ich annehme oder welche Gang-Mitglieder ich töte. Am liebsten hätte ich dann alle Parteien gegeneinander ausgespielt und mich dann auf eine karibische Insel abgesetzt, aber das war ja leider nicht möglich. Dazu fiel mir dann auf, wie isoliert die Handlungsmissionen und das freie Gameplay voneinander sind. Es spielt leider absolut keine Rolle was ich abseits von diesen Missionen mache und es kommt kein durchgehender Erzähl-Flow auf, weil die Erzählstruktur in diesem Schema aus [Auftrag annehmen], [Cutscene], [Mission wie „fahre von A nach B und mach was“], [Cutscene], [Missionsschluss] steckt. Dazu mangelte es mir außerdem an interessanten Sachen, die ich finden oder erkunden könnte. Bei den GTA-Spielen gibt es leider nur diese ständigen Sammelsachen wie die Päckchen oder Monsterstunts, möglicherweise noch kleinere Extra-Missionen wie Checkpoint-Rennen. Aber sonst will mir da einfach nichts einfallen.

Ich möchte die GTA-Reihe jedenfalls nicht als schlecht bezeichnen und ich denke, sie hat auch durchaus ihre Relevanz in der Geschichte der Videospiele, weil GTA das Open World-Genre so richtig salonfähig machte. Nur leider sind mir andere Qualitäten wichtiger. Ein Crysis ist mir wesentlich lieber, weil es dort darauf ankommt, wie ich von Punkt A nach B komme und die Erzählung durchgehend bleibt. Oder Fallout 3, bei dem ich die Handlung beeinflussen und in dieser Welt wirklich etwas entdecken kann, wie neue Charaktere mit eigenen Geschichten und Quests. Die GTA-Spiele bieten mir zwar eine offene Spielwelt an, in der ich mich frei austoben kann, aber das Gameplay an sich kommt dann doch wieder nicht an die Freiheiten ran, die ich bei einem Deus Ex oder bei den Raubüberfällen in einem Payday 2 habe. Von dem Gameplay her besteht GTA vorwiegend nur aus Herumfahren und Schießen.

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VolkerVolker: GTA, das ist für mich das Game, das mich einmal beinahe mein Diplom gekostet hätte. Es ist April 2008, ich werkle an einer irgendwas-mit-60-Seiten-Arbeit zum Thema „Die Zukunft des Spielejournalismus: Strategien für Print und Online“ und denke an einem sonnigen Nachmittag „Ach, gehste mal zum Spieleladen und holst GTA IV eben.“ Dort angekommen kaufe ich einem böse dreinblickenden und garantiert minderjährigen Zocker die letzte Collector’s Edition vor der Nase weg und bin danach nicht nur 100 Euro ärmer, sondern auch eine Geldbox reicher. Darin finden sich Soundtrack, Artbook und Spiel und als es anfängt, ist noch alles ganz locker. Nico Bellic kommt an, begeht die ersten krummen Dinger, wird langsam eine Unterweltberühmtheit, die Geschichte schreitet voran. Nebenbei gehen wir Bowlen, Darts spielen oder Frauen aufreißen. Letzteres klappt irgendwie eher schlecht als recht, also hänge ich lieber mit Brucie ab, dessen Spruch „Genetisch überlegen!!“ mir noch heute ein Lächeln abringt.

Es gibt so verdammt viel zu tun. So viel zu sehen. Oder einfach nur durch die City cruisen und Radio hören. Ey, die haben sogar einen Hardcore-Sender! Und einen, wo Juliette Lewis moderiert. Und einen, wo Karl Lagerfeld moderiert. Es muss gesagt werden: Wer Lagerfeld in einem Spiel featured, hat bei mir definitiv gewonnen. Oder ist auf bestem Weg, das zu tun. Rockstar Games hätte es aber auch ohne den kantigen Designer geschafft, spätestens mit der grandiosen „Three Leaf Clover“-Mission, der „Heat“-Verbeugung in Spieleform, die mich einen halben Tag kostet, so schwer finde ich die damals. Den Rest der Zeit verbringe ich mit der Jagd nach Tauben. Oder ich klau mir einen Hubschrauber vom Flughafen. Oder Versuche, Achievements zu knacken. Fünf Minuten auf der höchsten Fahndungsstufe überleben? Kein Ding, die Bullen können was erleben! Mein Diplom? Ach, das schreib ich ein andermal. Hier geht’s schließlich um die School of the hard Knocks!

Das Ende ringt mir Tränen ab. Einerseits, weil es mit „Inside the Cage“ von Juliette Lewis unterlegt ist (auch wenn ich „Sticky Honey“ 100x besser gefunden hätte), andererseits weil es so verdammt schön ist, so traurig, so tragisch, so.. bedeutend. Rockstar Games ist für mich seither das Synonym für erwachsene Geschichten in Videospielen, für kaputte Charaktere, für bissige Sozialkritik. Das hat sich mit Red Dead Redemption nicht geändert, das ist mit L.A. Noire gleich geblieben, das gilt für Max Payne 3. Rockstar sind die Typen, die die Geschichten erzählen und GTA IV ist das Spiel, in dem sie das perfektioniert haben, der vermutlich wichtigste Titel der 00er Jahre.

Nun kommen natürlich Fragen a la: „Halt mal! Was ist mit dem grandiosen GTA 3 „!!“ oder „Vice City haste nicht gespielt, ne?“ und ehrlich: habe ich nicht. Meine GTA-Geschichte beginnt und endet mit Teil eins, um dann mit Teil vier wiederaufgenommen zu werden und danach eine große Liebe zu sein. Ich weiß, ich hab echt was verpasst. Aber ich habe damals einfach zu wenig gespielt, hatte kein aktuelles PC-System oder eine aktuelle Konsole. Es ging an mir vorbei. Und ich bereue es. Drum besitze ich mittlerweile auch den dritten Teil für Xbox, der läuft auf der Xbox 360 ja auch. Natürlich, das ist der Grundstein, der Anfang, das Original, das schon 2001 gezeigt hat, was sieben Jahre später dann perfektioniert werden sollte: Es braucht Geschichten, um Gamesgeschichte zu schreiben. Und Karl Lagerfeld.

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Le DonLe Don: Aha, haben wir also doch jemanden in unserer Runde, der die Reihe richtig toll findet. Der nächste Teil ist also schon vorbestellt und der Urlaub geplant, Volker?

Bezüglich dem kommenden GTA V habe ich meinerseits sogar zufällig eine Woche später Urlaub, aber mich reizt das Spiel dann doch wieder nicht so sehr. Klar, es sieht sehr gut aus und die schiere Masse der Umgebung und der Möglichkeiten sind auch beeindrucken. Nur wenn ich mir den Gameplay-Trailer ankucke, sehe ich tatsächlich kaum etwas, was mich wirklich interessiert. Jagen gehen und in Immobilien investieren sieht ganz nett aus. Die Überfälle könnten auch gut sein, wenn sie denn auch komplex, vielseitig und frei umgesetzt werden. Aber ich fürchte eher ich werde mich doch wieder an den üblichen Sachen stören, die mir an der Reihe und den Sandbox-Spielen im Allgemeinen nicht gefallen.

VolkerVolker: Urlaub ist in der Tat angedacht – ich habe aber eben dieses Jahr auch noch genug davon übrig.. Ich weiß noch nicht so recht, was ich im Spiel machen werde, aber grade das ist ja das Großartige: Jeder erlebt „sein“ GTA irgendwo anders. Wenn ich mit meinem guten Freund Alex drüber rede, wie er GTA 4 wahrgenommen hat, was er darin getan hat, dann unterscheidet sich das fundamental von meiner Spielerfahrung. Vielleicht werd ich also nur rumcruisen, Radio hören, Sonnenaufgänge anschauen, Kleinkram erledigen, mich dran freuen, dass Rockstar Games die Liebe zu Los Angeles grafisch so schön darstellt und mich als L.A.-Fan damit breit grinsen lässt. Vielleicht wird’s auch ein Run durch die Story, stures Abarbeiten von Missionen ohne einen Blick nach links oder rechts, ohne wahrzunehmen, was die Welt alles faszinierendes bietet. Ich weiß es noch nicht. Aber ich freu mich drauf.

Dass vom Gameplay noch gar nicht so viel bekannt ist, stört mich dabei weniger. Ich finde Rockstars Geheimhaltungspolitik ok – sie wollen, dass die Leute das Spiel selbst „erfahren“ und das auch alle zeitgleich (weshalb man z.B. Händler gebeten hat, den Sales-Date einzuhalten) und nicht über Reviews oder Let’s Plays. Oh, bei der Gelegenheit: Spiele wie GTA V illustrieren da ja grade die Sinnlosigkeit des Formats: Was hab ich davon, wenn ich jemandem bei „seinem“ GTA zusehe, wenn sich meines eventuell gravierend davon unterscheidet? Nee, ich werde mich in keinster Weise spoilern lassen. Twitter und Co. werden entsprechend angepasst, Facebook einige Tage nicht besucht (wer’s glaubt..) und die Füße hochgelegt. Ich will, dass das meine Story wird, auf meine Art. Dass mir Rockstar die Möglichkeit dazu gibt, rechne ich ihnen schließlich groß an.

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DoreenDoreen: Nur noch ein paar Tage Leute, dann können wir wieder rumlaufen und Menschen aus ihren Autos zerren… und Klamotten kaufen… und Sonnenuntergang gucken… und Missionen tun… und Minigames machen… und Cruisen… und das Autoradio zappen… und und und…

… ach, da fällt mir noch eine Sache ein. Um die Wartezeit bis dahin noch mit etwas Sinnvollem zu füllen, kann man sich hier nochmal den allerersten Polyneux spricht-Podcast mit Nille und SpielerDrei anhören, in dem es speziell um Gay Toni geht. Und davon mal abgesehen, haben wir es hier mit den beiden markantesten Stimmen der deutschsprachigen Spielepodcasts zu tun. Viel Spaß damit.


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14 Kommentare

  1. Missingno. - 16.09.2013 23:21

    Also ich hatte zwei(!) Autoteppiche. Naja, eigentlich hatte ich einen Autoteppich doppelt. Und jede Menge LEGO-Straßen in meiner riesigen LEGO-Stadt, mit Eisenbahn und Flughafen und Hafen und so.
    Äh, ja. GTA. Nummero uno – sehr toll, ewig gespielt. Mit und mit ohne Cheats. Der zweite Teil war dann schon wieder nicht so der Hit für mich. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich alle Autos gleich (besch…eiden) verhalten haben. GTA3, toller Sprung in die dritte Dimension. Dafür gab es Cheats? Also ich habe das ohne durchgespielt. Alle Päckchen gesammelt, jeden erdenklichen Mist gemacht. Drei super Schlitten in eine Garage – normal. Mit dem flügellahmen Dodo abheben – nicht so unmöglich wie manche glauben. Dann Vice City – wie schon beschrieben, doofe Missionen und irgendwie das selbe wie GTA3. San Andreas habe ich komplett links liegen gelassen, GTA4 nur mal kurz angespielt, als es für sieben fuffzich bei Steam zu haben war. GTA Chinatown Wars fand ich auf dem Nintendo DS ein tolles Ur-GTA revival. Aber irgendwie war mir auch klar, dass es die Masse nicht unbedingt anspricht. (So wie mich umgekehrt viele Massen-Titel nicht ansprechen.) Ich schließe mich übrigens den Leuten an, die Saints Row – The Third für den besseren GTA(3)-Nachfolger halten. Außer bei diesen doofen Zombies. Argh!

  2. jello - 18.09.2013 05:23

    Oh ja, die SR3-Zombies. Der beschissenste Teil am besten GTA, mit Abstand.

    Aber der Reihe nach:
    Ich mag die Serie. Oder anders: Ich mochte die Serie.
    Hab‘ gerade in den letzten Tagen GTA IV durchgespielt, nachdem ich es erst wg., scheinbar, zu schlechtem PC links liegen ließ [schön sieht anders aus, aber hey, es lief dann doch] und dann, weil ich letztes Jahr meinen Spielstand verlor, Festplattencrash sein „Dank“. IV ist einfach ein scheiß Spiel in so vielen Belangen. Steuerung, Animationen, Vehikelphysik… Das Beste war noch, die Stadt aus Chinatown Wars wiederzuerkennen.
    Hadere noch mit mir, das erste Add-on weiterzuspielen, nachdem ich die allein erste Mission zwei Mal wiederholen „durfte“.

    GTA1, III, Vice City und SanAn werden aber immer ihren wohlverdienten Platz in meinem Herzen besitzen – trotz ihrer Mängel. Die PC-Steuerung und -„Optimierung“ waren in den 3D-Teilen schon immer Scheiße hoch zehn, und der Missionsschwierigkeitsgrad schwankte auch immer heftig zwi. „Sonntagsspaziergang“ und „Ostfronteinsatz im Winter“. Aber irgendwas machte die Dreier-Trilogy richtig, dass es dennoch funkte. Der weniger hohe Realismusgrad war def. ein Aspekt.
    Die Stories-Ausflüge nach Liberty und Vice City haben jetzt keine zu großen Eindrücke hinterlassen, konnten aber wohl immerhin von den Eindrücken ihrer großen Vorbildern profitieren und waren im schlimmsten Fall „spielbar“.

    Chinatown Wars hingegen gefiel mir wieder sehr gut. Vogelperspektive ist auf tragbaren Geräten einfach die bessere Wahl. Solltet ihr wirklich nachholen, wenn ihr ein fähiges Gerät habt.
    London, 1969 hab‘ ich erst nach 2002 oder so gespielt und deshalb auch nicht lange…

    Über GTA2 schweige ich mich besser aus, der Mist hat einfach nicht gefunkt bei mir. Vielleicht hab‘ ich auch nur ein Problem mit GTASpielen, die eine gerade Zahl im Titel haben? Wobei die Eindrücke von Five keine guten sind, schließlich sieht’s aus wie ein hübscheres IV mit noch mehr simsigem Scheiß, der schon in SanAn nervte, und der Steuerung von Max Payne 3, die mir nun so gar nicht zugesagt hat…
    Wenn ich’s recht bedenke, mochte ich egtl. keines der letzten R*-Spiele seit Bully.

    [Apropos Bully: Solltet ihr auch nachholen, wenn ihr’s noch nicht gespielt habt.]

    Und was mich mit Blick auf Saints Row IV immer wieder wundert, ist, dass R* es nicht schaffen [wollen?], ein gleichzeitiges PC-Release zu stemmen… Falls überhaupt eines kommt. Arschlöcher.

  3. Doreen - 18.09.2013 11:38

    Bully ist super, dass war mein zweites Spiel für die Xbox360. Ich habe aber – im Spiel etwas weiter fortgeschritten – diesen einen Test im Musikunterricht nicht geschafft, das war einfach übelst. :( Seitdem verschimmelt mein Speicherstand da. Aber irgendwann will ich es nochmal angehen, da stehen auch noch ein paar Achievements aus. :)

    (Saints Row immernoch nicht gespielt, aber ich tue es. Ich verspreche.)

  4. Chris - 18.09.2013 12:37

    @jello: Habe gestern extra im Helikopter nochmal eine Runde über Liberty City gedreht. Erst in „Ballad of Gay Tony“ auf der PS3, danach im Hauptspiel auf dem PC. Um mir in Erinnerung zu rufen, wie gewaltig der Unterschied in der grafischen Darstellung ist und nicht doch noch loszumarschieren und mir Teil 5 für die PS3 zu holen. Das ist nämlich, denke ich, genau das, worauf Rockstar spekuliert. Dass man sich das Spiel jetzt sofort holt, und dann später nochmal in hübsch auf dem PC oder der PS4.

  5. jello - 18.09.2013 17:50

    @Chris:
    Und es wird funktionieren. :/ ’n Kumpel hat sich (vor)letztes Jahr ’ne PS3 zugelegt und nun GTA V vorbestellt, um nicht Spoilern ausgesetzt zu sein. Plant aber auch die PC-Fassung zu kaufen, wenn sie kommt…

    Die Angst um Spoiler bei neuen GTAs hab‘ ich noch nie ganz verstanden. Nimm die besten und skurrilsten Gangsterfilme der letzten Dekaden und du hast wenigstens 50% der Story. Da gibt’s nix, das irgendwie verdorben werden kann. Zumal die Dialoge noch nie sonderlich gut waren.

  6. molosovsky - 18.09.2013 20:35

    Da mich Volker so nett erwähnt, hier ein wenig GTA-Reminszenz von mir.

    Nachdem ich die Kindertage der Computerspiele (VC20, C64 ff. pp.) als Beisitzer von »Elite«, »Ultima«, »Monty on the Run« & Co irgendwann satt hatte & raffte, dass dieses Medium noch zu lullig ist, habe ich über Jahre immer wieder von der Seitenlinie aus beobachtet, wie die Entwicklung vorankommt & gewartet, dass Spiele zu einer Form finden, die ich als kopflastiger Haudrauf-Ästhet ernst nehmen kann. (Mein Ideal in etwa: Äktschn mit Tiefgang; Philosophischer Diskurs mit explodierenden Monstern; Genre-Kunst-Trash.)

    Irgendwann stand ich also eine PS2 für ca. 2 Wochen leihweise während einer Freiphase in meiner Bude und ich daddelte mich durch »GTA: San Andreas« (und »Bully«; BTW: ein Wahnsinns-Titel & ich bin freudig bespannt auf den nächsten Titel dieses Franchises).
    Habe es damals mit viel OffMission-Herumstromern bis zu den ersten Aufgaben von Las Venturas geschafft. Hätte ich damals schon die Kohle gehabt, fast wäre ich bereit gewesen, mir nur wegen diesem Titel eine PS2 anzuschaffen, denn »GTA: SA« war schon nahe an dem Raffinesse dran, das ich von Spielen eigentlich erwarte.

    Schließlich habe ich mir via MobTel-Bundle zum Erscheinen von »GTA IV« eine PS3 geholt und meine Erwartungen wurden erfüllt. KurzBeispiel: Seit der Zeit ein Schnelltest meinerseits für die Güte von Open World-Titeln; Figur irgendwo (sicher!) abstellen und Spielwelt als Ambient-Sound & Zufalls-Happening-Aquarium laufen lassen.

    Mit leichter Sorge nehme ich nun am Rande Teile der bisherigen Kritik an »GTA V« zur Kenntnis; dass es dramaturgisch ein Rückschritt zu Inkarnation »IV« darstellen soll, sprich: mehr infantile ›Proll‹-Jokes für die Heinis, denen »IV« & »Episodes« zu ›ernst‹ war. Die Story von »GTA IV« hat mich damals mit ihren erwachsenen Tönen überrascht, vor allem was (aber nicht nur) die weiblichen Nebenfiguren angeht (durch das eigene kriminelle Leben oder das ihrer Gatten ausgelaugte kaputte überdrehte hysterische paranoie Seelen). Es tut einem gewaltgeilen Sandkasten wie GTA nur gut, wenn merklich eingeflochten wird, dass die tatsächlich stattfindene Wirklichkeit keinerlei Anlass gibt, das professionelle Straßengängsterleben schönfärberisch aufs Podest zu stellen.

    Sollte »GTA V« tatsächlich wieder eher etwas für gefühlsstumpfe MachtErfüllungsPhantasieJunkies sein, werd ich halt ›etwas‹ mehr saufen müssen, um das Spiel ›voll‹ zu genießen zu können. Ein Abstrich, den ich gern mach.

  7. david ramirer - 19.09.2013 15:15

    ich habe das „glück“, erst später ins gta-universum eingedrungen zu sein – das 2D-gta entdeckte ich erst, nachdem ich bereits in gta san andreas und gtaIII rumgegurkt bin. sowohl gtaIII als auch san andreas haben mich rundum gefangen genommen: ob es jetzt die bitterböse ironie, die freiheit in der spielewelt oder die vielfältigen optionen waren, missionen abzuschließen – es gab kaum dinge, die mich am spiel nervten. nervig war (bei gtaIII und gta SA), dass manche nebenmissionen nur für vollzeitgamer schaffbar waren – an manchen rennen in den stadien und challenges in san andreas bin ich bis zuletzt gescheitert, war am ende, glaube ich, bei 96%.
    dann kam gtaIV, und das fand ich am anfang eher träge und zu realistisch für meinen geschmack. doch dann erkannte ich das potential dieses spiels, das weniger im „spaß“ als vielmehr im „gefühl“ schlummert – eine lebendige stadt, ein enviroment, das man aufmischen kann, in dem viele geschichten schlummern, die man sich ausdenken kann. ein neuer grad an immersion: in einer stadt leben, die selbst hochgradig lebendig ist.
    im unterschied zu manch anderen finde ich gerade die widersprüchlichkeiten so faszinierend: in gta SA ging CJ zu fast allen missionen in seinen unterhosen, und schon zu den ersten missionen mit seinem bruder mit vielen millionen dollar als kapital (die er bei pferdewetten gewonnen hatte). da ist es dann sehr witzig, von seinem bruder 150 dollar zu bekommen, weil er meint, CJ hat ja nur wenig.
    in gtaIV waren die bruchlinien weniger krass, aber noch krass genug um stunden-, tagelang spaß zu haben.
    dazu kam in gtaIV auch die story, die meineserachtens vielschichtig und auch tiefgründig genug ist um etliche hollywoodschinken hinter sich zu lassen.
    auf gtaV bin ich gespannt, mal sehen was rockstar da aus dem hut zaubert – die landschaft ist schon mal bemerkenswert, aber das ist sie bei rockstar ja immer.

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  9. jello - 21.09.2013 04:19

    Leigh Alexander’s Five-Review für Gamasutra fasst meine Gefühle bzgl. GTA seit IV ziemlich gut zusammen: http://www.gamasutra.com/view/news/200648/
    Es ist, als hätten GTA und ich uns auseinandergelebt; als wären wir beide erwachsener geworden, jeder auf seine Weise…

  10. Chris - 21.09.2013 18:58

    Guter Artikel, keine Frage.

    Bin inzwischen doch schwach geworden und hab GTA5 für die PS3 gekauft. Zum Glück hatte die Digital Foundry recht: Das Spiel sieht auf der PS3 schon besser aus als sein Vorgänger, so dass ich mich nicht weiter ärgern muss, nicht auf die PC-Fassung gewartet zu haben.

    Die fünf, sechs Stunden, die ich bisher gesehen habe, fand ich großartig. Immer ein gutes Zeichen, wenn plötzlich der TV in den Auto-Standby schalten will und ich überhaupt nicht mitgekriegt habe, wie die Zeit verging. Gutes Zeichen für die Qualität des Spiels, nicht unbedingt für meine ursprüngliche Tagesplanung. :)

  11. Doreen - 21.09.2013 21:52

    Ach, Leigh Alexander ist echt nur noch am meckern, die soll sich mal locker machen, haha. Naja, schöner Text aber puhh… nee. Nichts für ungut.

    Aber davon ab, möchte ich gar keine „los, lasst uns mal ernsthaft politisch-kulturell mit GTA auseinandersetzen“-Artikel lesen. Entweder man hat mit dem Quatsch Spaß oder halt nicht. Momentan spiele ich auch V und ich fühle mich sehr gut unterhalten, cruise wie damals in Teil 3 und erfreue mich an stumpfen Missionen, schrägen Figuren und traumhaften Sonnenuntergängen. Ich möchte da für ein paar Stunden echt nicht drüber nachdenken müssen, wie niveau- und pietätlos das für meine Nachbarn wohl ist.

  12. Le Don - 22.09.2013 13:37

    Der Gamasutra-Artikel wird ja in der Tat schon häufiger empfohlen. Mir sagt er nur teilweise zu und ich sehe erst jetzt, von wem er geschrieben wurde und damit erklärt sich mir einiges. Zum einen hat Alexander Recht, wenn sie die Erzählungweise und das Storytelling kritisiert. In der Tendenz hatte ich auch einen Teil meines Polyvieux-Beitrages geschrieben. Aber ich kann nicht nachvollziehen, was dieses ständige zurückkommen auf einen weiblichen Protagonisten soll. Gut, damit hätte man dann Themen für ein neues GTA, aber damit würde sich die Reihe auch nicht weiterentwicklen und der Kritikpunkt würde immernoch bestehen bleiben. Würde die Reihe damit wirklich auf ein neues Level gehoben werden? Hat es, als sie mit San Andreas zum ersten Mal einen schwarzen Protagonisten bot oder in GTAIV einen Immigranten aus dem Ostblock? Und sollte es nur das Ziel sein, neue Zielgruppen abzuarbeiten?

  13. molosovsky - 22.09.2013 14:47

    Immer interessant, wie man sich abrackert, das Wesen, den Inhalt, die Bedeutung eines Werkes zu bestimmen, indem man abklopft, was es NICHT ist, welche Erwartungen es NICHT erfüllt. Erzählt viel über die Konsumenten / Interpreten, weniger etwas über das Werk.

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